Mao-Müt­ze als Mo­deac­ces­soire

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Fe­lix Lee

„Müt­ze grün, mit ro­tem Stern.“Oder: „Nur die bes­ten Müt­zen, echt ge­tra­gen von Rot­gar­dis­ten.“Mit die­sen Slo­gans be­wirbt Tao­bao, Chi­nas größ­te On­line-Ver­kaufs­platt­form, in die­sen Ta­gen die Mao-Müt­ze. Ab­ge­bil­det ist sie in al­len nur er­denk­li­chen Va­ri­an­ten. Es gibt sie klas­sisch in Grün, Blau, Grau und Schwarz, aber auch mo­disch zwei­far­big oder gar bunt. Und auch die Form ist un­ter­schied­lich. Mal ist der Schirm lang, bei an­de­ren kurz, bei der Män­ner-Ver­si­on sitzt sie we­ni­ger bal­lon­för­mig auf dem Kopf als bei der Ver­si­on für Frau­en. Aber auf kei­nen von ih­nen fehlt er: der ro­te Stern. Bei der güns­ti­ge­ren Va­ri­an­te ist er aus Plas­tik, bei der teue­ren aus Blech. Aus Letz­te­rem be­stand das Ori­gi­nal.

Dass die Mao-Müt­ze wie­der ver­mehrt in Pe­king zu se­hen ist, hat si­cher mit dem 1. Ok­to­ber zu tun, dem Na­tio­nal­fei­er­tag, den die chi­ne­si­sche Füh­rung zum 70. Jah­res­tag der Grün­dung der Volks­re­pu­blik mit gro­ßer Pa­ra­de die­ses Mal be­son­ders fei­er­lich be­ge­hen will. Re­li­qui­en, die an den „gro­ßen Steu­er­mann“, den Lan­gen Marsch und an die Ro­ten Gar­den er­in­nern, fin­den zu sol­chen An­läs­sen re­gel­mä­ßig Ab­neh­mer.

Doch das ist es die­ses Mal nicht al­lein. Die Mao-Müt­ze ist auch als Mo­de-Ac­ces­soire wie­der an­ge­sagt. „Sie ist prak­tisch und cool“, sagt Gao Nan. Die 26-jäh­ri­ge Stu­den­tin be­sitzt ei­ne grau­blaue Ver­si­on, die et­was bau­chi­ger wirkt als das Ori­gi­nal. „Im Dutt zu­sam­men­ge­bun­den krie­ge ich so­gar mei­ne lan­gen Haa­re drun­ter.“Mit ei­nem Base­ball-Cap sei das nicht mög­lich.

Am 1. Ok­to­ber 1949 hat­te Kom­mu­nis­ten­füh­rer Mao Tse­tung auf dem be­rühm­ten Tor vor dem Platz des Himm­li­schen Frie­dens in Pe­king die Volks­re­pu­blik aus­ge­ru­fen. Die nach ihm be­nann­te Müt­ze ist aber schon um ei­ni­ges äl­ter. Ge­nau ge­nom­men han­delt es sich um ei­ne klas­si­sche Schie­ber­und Bal­lon­müt­ze, wie sie seit dem Zeit­al­ter der In­dus­tria­li­sie­rung auch an­ders­wo lan­ge Zeit als Teil der ty­pi­schen Ar­bei­ter­klei­dung ge­tra­gen wur­de. Prak­ti­scher­wei­se lie­ßen sich mit ihr auch lan­ge Haa­re ver­stau­en, da­mit sie et­wa nicht ins Rä­der­werk von Ma­schi­nen ge­rie­ten.

Die Kom­mu­nis­ten sa­hen ih­re Ba­sis in der Ar­bei­ter­klas­se. Dort, wo Kom­mu­nis­ten an die Macht ka­men, wur­de die Ar­bei­ter­müt­ze ent­spre­chend ge­adelt, so von 1949 an mit Ma­os Macht­er­grei­fung auch in Chi­na. Mao selbst soll die nach ihm be­nann­te Müt­ze gar nicht so oft ge­tra­gen ha­ben. Wo­zu auch? Schließ­lich hat­te er schon in frü­hen Jah­ren lich­tes Haar. Viel zu schüt­zen, et­wa vor ei­nem Rä­der­werk von Ma­schi­nen, gab es bei ihm al­so nicht.

Selbst Por­zel­lan gu­ren von Mao Tse­tung tra­gen Mütz­chen.

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