Po­li­zis­ten­mord

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU -

Das Thü­rin­ger Gre­mi­um sieht Michè­le Kie­se­wet­ter nicht als Zu­fallsop­fer des Ter­ror-Tri­os.

Er­furt/Heil­bronn. Der zwei­te Thü­rin­ger NSU-Un­ter­su­chungs­aus­schuss be­zwei­felt, dass die Po­li­zis­tin Michè­le Kie­se­wet­ter zu­fäl­lig von den Rechts­ter­ro­ris­ten Uwe Böhn­hardt und Uwe Mund­los er­schos­sen wur­de. Das geht aus dem Ab­schluss­be­richt des Gre­mi­ums her­vor, der am Mon­tag in Er­furt vor­ge­stellt wur­de.

Kie­se­wet­ter sei als Po­li­zis­tin in Kri­mi­na­li­täts­be­rei­chen ein­ge­setzt wor­den, in de­nen es Be­rüh­rungs­punk­te zu rechts­ex­tre­men Straf­tä­tern ge­ge­ben ha­be. Dar­aus lie­ße sich ein mög­li­ches Mo­tiv für den Mord ab­lei­ten. Der Aus­schuss ha­be sich aus Zeit­grün­den nicht aus­führ­lich mit dem The­ma be­schäf­ti­gen kön­nen. Die da­ma­li­gen Er­mitt­ler hät­ten sich nach Er­kennt­nis­sen des Aus­schus­ses aber mit die­sen Fra­gen „nicht sehr in­ten­siv aus­ein­an­der­ge­setzt“, sag­te die Aus­schuss­vor­sit­zen­de Do­ro­thea Marx (SPD).

Spe­ku­la­tio­nen über Mit­tä­ter

Die aus Ober­weiß­bach in Thü­rin­gen stam­men­de Kie­se­wet­ter war 2007 in Heil­bronn er­schos­sen wor­den – am hell­lich­ten Tag auf der be­leb­ten The­re­si­en­wie­se. Kie­se­wet­ter hat­te als Po­li­zis­tin in Ba­den-Würt­tem­berg ge­ar­bei­tet. Als Tä­ter gel­ten die NSU-Ter­ro­ris­ten Uwe Mund­los und Uwe Böhn­hardt, die aus Je­na stam­men. Al­ler­dings ha­ben sie we­der DNA-Spu­ren noch Fin­ger­ab­drü­cke am Tat­ort hin­ter­las­sen. Auch we­gen Zeu­gen­aus­sa­gen vom Tag des At­ten­tats, in de­nen von blut­ver­schmier­ten Män­nern auf der Flucht die Re­de war, gab es im­mer Spe­ku­la­tio­nen über wei­te­re Mit­tä­ter. Die­se konn­ten aber nie er­här­tet wer­den. Laut der An­kla­ge der Bun­des­an­walt­schaft gilt Kie­se­wet­ter als Zu­fallsop­fer.

Die Feh­ler­kul­tur in der Po­li­zei muss sich nach Au¥as­sung von Mit­glie­dern von Lin­ke, SPD und Grü­nen im zwei­ten Thü­rin­ger NSU-Un­ter­su­chungs­aus­schuss ver­bes­sern. Vor­ge­setz­te müss­ten ei­nen o¥enen Um­gang mit Feh­lern vor­le­ben, sag­te die Lin­ke-Ob­frau im Aus­schuss, Kat­ha­ri­na Kö­nig-Preuss, am Mon­tag bei der Vor­stel­lung des et­wa 2200 Sei­ten um­fas­sen­den Ab­schluss­be­richts des Gre­mi­ums in Er­furt. Im Be­richt wer­den zahl­rei­che Pan­nen und Ver­säum­nis­se der Thü­rin­ger Si­cher­heits­be­hör­den und der Jus­tiz bei der Su­che nach dem NSU um Uwe Mund­los, Uwe Böhn­hardt und Bea­te Zschä­pe ge­lis­tet.

Der o¥ene Um­gang mit Feh­lern sei noch wich­ti­ger, als in Di­enst­an­wei­sun­gen neue Re­geln hin­ein­zu­schrei­ben, sag­te Kö­nig-Preuss. Bei Feh­lern wäh­rend ei­nes Ein­sat­zes müs­se o¥en dar­über ge­spro­chen wer­den, statt Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten. Ähn­lich äu­ßer­ten sich auch Ver­tre­te­rin­nen von Grü­nen und SPD im Aus­schuss. Der CDU-Ob­mann Jörg Kell­ner for­der­te da­ge­gen als Kon­se­quenz aus dem Pa­pier mehr Per­so­nal für Po­li­zei und den Ver­fas­sungs­schutz.

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