„Der Wes­ten hat mich über­for­dert“

Pe­tra Schmidt-Schal­ler über den Mau­er­fall und ih­re Rol­le als Dop­pel­agen­tin im Thril­ler „Wen­de­zeit“.

Haller Tagblatt - - BLICK IN DIE WELT - Cor­ne­lia Wystri­chow­ski

Ber­lin. Ob RAF-Ter­ro­ris­tin, Bagh­wan-Jün­ge­rin oder „Tat­ort“Kom­mis­sa­rin: Pe­tra Schmid­tSchal­ler glänz­te schon in vie­len Rol­len und ge­hört zu den wand­lungs­fä­higs­ten deut­schen Schau­spie­le­rin­nen. Im Thril­ler „Wen­de­zeit“(Mitt­woch, 20.15 Uhr, Das Ers­te, 20.15 Uhr) ist sie als Dop­pel­agen­tin von Sta­si und CIA zu se­hen, die im Ber­lin des Jah­res 1989 ih­re Haut zu ret­ten ver­sucht. Mit dem Film wür­digt die ARD den 30. Jah­res­tag des Falls der Mau­er. Pe­tra Schmidt-Schal­ler kennt die DDR. Sie kam 1980 als Spross ei­ner Schau­spiel­erfa­mi­lie in Mag­de­burg zur Welt und wuchs in Ost-Ber­lin auf. Frau Schmidt-Schal­ler, mit dem Film „Wen­de­zeit“wür­digt die ARD den Mau­er­fall vor 30 Jah­ren. Sie sind in Ost-Ber­lin auf­ge­wach­sen. Was ha­ben Sie an je­nem 9. No­vem­ber 1989 ge­macht?

Pe­tra Schmidt-Schal­ler: Ich war da­mals ja erst neun und lag brav im Bett. Mei­ne El­tern wa­ren so mit­ge­ris­sen von die­sem his­to­ri­schen Er­eig­nis, dass sie zum nächst­ge­le­ge­nen Grenz­über­gang Born­hol­mer Stra­ße los­ge­stürmt sind, als sie ge­hört ha­ben, dass die Mau­er oœen ist. Ihr Kind ha­ben sie da glatt im Bett ver­ges­sen (lacht). Und wann wa­ren Sie zum ers­ten Mal im Wes­ten? Das war in den Wo­chen nach der Mau­eröœnung, und ich war kom­plett reiz­über­flu­tet. Es gibt da ei­ne Post­kar­te an mei­nen On­kel, auf der ich ge­schrie­ben ha­be: „Wir wa­ren im Wes­ten, es war al­les ganz bunt und viel – und dann kotz­te es mich an.“ Das klingt ja nicht sehr be­geis­tert‹…

Es zeigt, wie über­for­dert ich war. Die Far­ben, die Wer­bung, die vie­len Pro­duk­te, da­zu die vie­len Men­schen, die al­le nach West-Ber­lin woll­ten – es war ein­fach ir­re. Die­se Um­bruchs­zeit nach dem Mau­er­fall war aber na­tür­lich auch toll. Ber­lin hat­te so ei­ne leich­te An­ar­chie. Die Leu­te konn­ten Kn­ei­pen auf­ma­chen, wenn sie ir­gend­wo ei­nen lee­ren La­den sa­hen, lee­re Woh­nun­gen wur­den ein­fach auf­ge­bro­chen und be­setzt. Es war ei­ne sehr en­er­ge­ti­sche Zeit. In „Wen­de­zeit“spie­len Sie ei­ne Dop­pel­agen­tin. Was hat Sie ge­reizt an der Rol­le als DDR-Bür­ge­rin Sas­kia, die von der Sta­si als Maul­wurf in die CIA ein­ge­schleust wur­de? Sas­kia ist ei­ne Dop­pel­agen­tin zwi­schen zwei Wer­te­sys­te­men, po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen. Wäh­rend der Wen­de ver­sucht sie, ih­re Iden­ti­tät zu schüt­zen und sich zu ret­ten. Aber dann spie­len im­mer mehr auch es­sen­ti­el­le Din­ge wie Lie­be, Fa­mi­lie und Ver­trau­en ei­ne Rol­le – und die­ser As­pekt hat mich so be­rührt, dass mich das Gan­ze nicht mehr los­ge­las­sen hat. Wie hat es sich für Sie an­ge­fühlt, als bei den Dreh­ar­bei­ten die Zeit Ih­rer Kind­heit wie­der le­ben­dig wur­de? In ei­ner Sze­ne stand ich nachts in den Ku­lis­sen von Ba­bels­berg, man konn­te das En­de die­ser Ku­lis­sen nicht se­hen, und das fühl­te sich sehr an, als wür­de ich nachts in Ost-Ber­lin im Hin­ter­hof ei­nes Miets­hau­ses ste­hen. Da be­fiel mich wirk­lich ei­ne Art Fern­weh in die Ver­gan­gen­heit, ei­ne Nost­al­gie. Gibt es Din­ge, die Sie ver­mis­sen?

Viel­leicht ver­mis­se ich das gro­ße Ge­mein­schafts­ge­fühl von da­mals. Und wir konn­ten als Kin­der auf der Stra­ße spie­len, denn es fuh­ren ja kaum Au­tos.

Am Mitt­woch zu se­hen: Pe­tra Schmidt-Schal­ler als Dop­pel­agen­tin Sas­kia Star­ke.

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