Ge­sell­schaft

Haller Tagblatt - - BLICK IN DIE WELT - Von Chris­toph Dern­bach

Der Be­darf an Bil­dern für Wer­be­in­dus­trie und Me­di­en ist qua­si unend­lich groß. Nach­schub an un­ver­brauch­ten Mo­ti­ven lie­fern KI-Fo­tos.

ra­cey aus Flo­ri­da läuft den Strand ent­lang und lä­chelt für den Wer­be­spot in die Ka­me­ra. „Prä­si­dent Trump macht ei­nen wun­der­ba­ren Job. Ich könn­te mir kei­nen bes­se­ren Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka vor­stel­len“, sagt ei­ne Stim­me aus dem O˜. In ei­nem an­de­ren Wer­be­vi­deo sieht man auch ei­nen op­tisch eher un­ge­wöhn­li­chen Trump-Fan: Tho­mas aus Wa­shing­ton. Mit Hips­ter-Bart und bun­ten Tat­toos lehnt er hin­ter dem Tre­sen ei­ner Bar, wäh­rend aus dem O˜ ein Lob­lied auf Trump ge­sun­gen wird.

Dass es sich bei Tra­cey und Tho­mas nicht um ech­te Trump-Sup­por­ter han­delt, stell­te sich schnell her­aus. Es han­del­te sich nicht ein­mal um ge­buch­te Schau­spie­ler, son­dern um Prot­ago­nis­ten aus ei­ner Stock­bild­da­tei, in der Vi­deo­se­quen­zen auf Vor­rat lie­gen. „Tra­cey“lief nicht an der Küs­te Flo­ri­das ent­lang, son­dern an ei­nem Mit­tel­meer-Strand. Und Hips­ter „Tho­mas“be­dien­te sei­ne Gäs­te nicht in Wa­shing­ton, son­dern in To­kio. Und bei­de Ak­teu­re hat­ten nach Re­cher­chen von CNN kei­ne Ah­nung,

TWahl­kampnf- dass sie in den spots für Trumps Face­book-Sei­te ein tra­gen­de Rol­le spie­len soll­ten. Künf­tig kön­nen sich die Be­trach­ter von Wer­be­spots so­gar nicht mehr si­cher sein, ob die ge­zeig­ten Per­so­nen über­haupt exis­tie­ren. Zu­min­dest bei Fo­tos fällt schon heu­te der Un­ter­schied schwer, ob es sich um Por­träts von Men­schen han­delt oder um Bil­der, die voll­stän­dig in ei­nem

mit­tels Künst­li­cher In­tel­li­genz (KI) pro­du­ziert wur­den.

Man kann das schnell selbst aus­pro­bie­ren: Auf der Web­site which­face­is­re­al.com stel­len zwei Pro­fes­so­ren der Uni­ver­si­ty of Wa­shing­ton, Je­vin West und Carl Berg­strom, tau­sen­de vir­tu­el­le Por­träts in ei­nem Ver­gleich ech­ten Fo­tos ge­gen­über. Der User kann mit ei­nem Klick ent­schei­den, wel­ches Bild ei­ne rea­le Per­son zeigt und wel­ches ei­nen KI-Re­pli­kan­ten. Rund sechs Mil­lio­nen Run­den wur­den von ei­ner hal­ben Mil­li­on Men­schen ge­spielt. Bei et­li­chen Mo­ti­ven aus dem Com­pu­ter mein­te über die Hälf­te der Spie­ler, es hand­le sich um ein ech­tes Por­trät.

Das Ge­ne­rie­ren von künst­li­chen Ge­sich­tern ist längst kei­ne aka­de­mi­sche Fin­ger­übung mehr: Jetzt er­regt das US-Un­ter­neh­men Ge­ne­ra­ted Me­dia mit ei­nem rie­si­gen Ka­ta­log von künst­lich ge­ne­rier­ten Por­träts gro­ße Auf­merk­sam­keit. Die Fir­ma stell­te vor gut ei­ner Wo­che 100 000 Bild­da­tei­en un­ter der Adres­se https://ge­ne­ra­ted.pho­tos/ zum Her­un­ter­la­den be­reit, die für pri­va­te Zwe­cke kos­ten­los ge­nutzt wer­den dür­fen.

Ex­per­ten ge­hen da­von aus, dass in we­ni­gen Jah­ren nicht nur Fo­tos von KI-Re­pli­kan­ten ge­ne­riert wer­den kön­nen, son­dern kom­plet­te Vi­de­os. „Wir den­ken, dass wir das wei­ter vor­an­trei­ben kön­nen, in­dem wir nicht nur Fo­tos, son­dern auch 3D-Bil­der er­zeu­gen, die in Com­pu­ter­spie­len und Fil­men ver­wen­det wer­den kön­nen“, sagt Jaak­ko Lehti­nen auf dem KI-Lab vom US-Chip-Gi­gan­ten Nvi­dia.

Lau­ter Por­trät­fo­tos, die am Com­pu­ter er­stellt wor­den sind.

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