„Gu­tes und Schreck­li­ches“

700 Be­su­cher kom­men am Sonn­tag zur Er­öff­nung der neu­en Aus­stel­lung nach Schwä­bisch Hall. „Lust auf mehr“zeigt ein Jahr lang 170 über­wie­gend be­deu­ten­de Kunst­wer­ke der Ge­gen­wart.

Haller Tagblatt - - SCHWÄBISCH HALL - Von Jür­gen Steg­mai­er

Was sich nicht neu er­fin­det, ist von Nie­der­gang be­droht. Pe­ter-Klaus Schus­ter Vor­sit­zen­der Freun­de Mu­se­en Würth

Sie wer­den Stü­cke fin­den, die Ih­nen Freu­de ma­chen und sol­che, die Sie ab­sto­ßen. Rein­hold Würth Un­ter­neh­mer und Samm­ler

Hier wird al­les ge­zeigt, was un­ser Le­ben so ver­rückt und be­son­ders macht. Weil Rein­hold Würth es so will.“Dies sagt Pe­ter-Klaus Schus­ter am Sonn­tag bei der Erö†nung der neu­en Aus­stel­lung in der Kunst­hal­le Würth. Der ehe­ma­li­ge Ge­ne­ral­di­rek­tor der Staat­li­chen Mu­se­en zu Ber­lin steht heu­te den Freun­den der Mu­se­en Würth vor. „Rein­hold Würth lässt nicht sam­meln. Er sam­melt selbst“, macht Schus­ter deut­lich. Da­bei be­to­ne der Un­ter­neh­mer ei­ner­seits sei­ne Stär­ken, an­de­rer­seits sei er um Wachs­tum be­müht. „Rein­hold Würth liebt das Wach­sen. Was sich nicht neu er­fin­det, ist vom Nie­der­gang be­droht. Was sich nicht mehr be­wegt, ist ver­lo­ren“, macht Schus­ter das Be­stre­ben deut­lich.

Schus­ters Be­schrei­bung passt auf Rein­hold Würth als Un­ter­neh­mer und Kunst­samm­ler glei­cher­ma­ßen. Am heu­ti­gen Diens­tag ist es auf den Tag 70 Jah­re her, dass Würth in der klei­nen Schrau­ben­hand­lung Adolf Würths sein Be­rufs­le­ben be­gon­nen hat. Nach dem frü­hen Tod des Va­ters ent­wi­ckel­te er den Be­trieb zu ei­nem Welt­kon­zern. In den mehr als 400 Würth-Un­ter­neh­men in über 80 Län­dern er­wirt­schaf­te­ten 78 000 Mit­ar­bei­ter zu­letzt ei­nen Jah­res­um­satz von knapp 14 Mil­li­ar­den Eu­ro. Ähn­lich schnell hat sich Würths Kunst­samm­lung ent­wi­ckelt. Sie wuchs in­ner­halb der zu­rück­lie­gen­den 60 Jah­re auf rund 18 000 Wer­ke. Sie gilt als ei­ne der größ­ten und be­deu­tends­ten pri­va­ten Kunst­samm­lun­gen.

Die Samm­lung Würth sei viel mehr als ei­ne sta­ti­sche Tro­phä­en­samm­lung, viel­mehr brin­ge sie die al­ten und neu­en Mensch­heits­the­men zur Au†üh­rung, macht Pe­ter-Klaus Schus­ter deut­lich. „Die Lust bei Rein­hold Würth nimmt zu“, glaubt Schus­ter er­kannt zu ha­ben.

Rein­hold Würth räumt ein, dass in „Lust auf mehr“nicht nur ge­schmei­di­ge Kunst ge­zeigt wird. „Sie wer­den Stü­cke fin­den, die Ih­nen Freu­de ma­chen und sol­che, die Sie ab­sto­ßen. So ist das Le­ben. Es gibt Hö­hen und Tie­fen, Gu­tes und Schreck­li­ches“, sagt Rein­hold Würth zu den Gäs­ten der Erö†nungs­fei­er.

Der Un­ter­neh­mer ver­tei­digt sei­ne Kunst­samm­lung vor frü­he­ren Kri­ti­ken, die frei­lich kaum noch zu ver­neh­men sind. Viel­mehr fühlt er sein Sam­meln auch von den nicht so wohl­wol­len­den Fach­leu­ten in­zwi­schen ak­zep­tiert. Die­se war­fen Würth einst vor, er wür­de un­ko­or­di­niert ein Stück­werk zu­sam­men­tra­gen.

Am Sonn­tag gibt Rein­hold Würth Ein­bli­cke, wie er sich die wei­te­re Ent­wick­lung wünscht: „Die Samm­lung soll über mei­ne Zeit hin­aus be­ste­hen und er­wei­tert wer­den.“Da­bei be­tont der 84-Jäh­ri­ge, dass er den frei­en Ein­tritt zu dem Würth-Mu­se­um als ei­nen stil­len Bei­trag ge­leb­ter De­mo­kra­tie ver­steht. „Ob Arm oder Reich, ob Christ, Mus­lim oder Ju­de, ob Jung oder Alt – je­der ist will­kom­men.“Für Würth ist die freie Zu­gäng­lich­keit ein Bei­trag zum „Wei­ter­bau der po­li­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten“.

C. Syl­via We­ber sprach von ei­ner „lust­vol­len Er­werbs­stra­te­gie“Rein­hold Würths, die sich in der neu­en Aus­stel­lung wi­der­spieg­le. Die Di­rek­to­rin der Kunst­hal­le Würth lud mit ei­ner An­leh­nung an den Kunst­his­to­ri­ker Al­f­red Barr ein. Die Pfor­te zum Ver­ständ­nis von Kunst­wer­ken sei das un­mit­tel­ba­re Er­le­ben. Des­halb soll­te je­der Be­su­cher so oft wie mög­lich kom­men.

Die Kunst­hal­le als Be­su­cher­ma­gnet pries Halls Ober­bür­ger­meis­ter Her­mann-Jo­sef Pel­grim. Die Kul­tur­stadt Schwä­bisch Hall er­neue­re sich da­durch eu­ro­pa­weit stän­dig. „Die Kunst­hal­le hat ei­ne gro­ße Be­deu­tung für Schwä­bisch Hall“, sag­te Pel­grim. Groß sei die Vor­freu­de auf die be­vor­ste­hen­de Er­wei­te­rung. Ge­plant ist, die Ge­samt­flä­che der Kunst­hal­le Würth zu er­wei­tern – von der­zeit 2600 auf dann 3400 Qua­drat­me­ter zu ei­nem Art-Vil­la­ge, ei­nem Kunst­quar­tier. Die Aus­stel­lungs­flä­che soll grö­ßer wer­den, ein Be­su­cher­zen­trum so­wie ei­ne Bi­blio­thek sol­len ent­ste­hen.

Fo­tos: Ufuk Ars­lan

Eher Kunst oder doch die Vor­la­ge für ei­ne neue Schrau­ben­kon­struk­ti­on? Rein­hold und Car­men Würth wer­fen vor der Erönung am Sonn­tag ei­nen Blick in die neue Aus­stel­lung.

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