Ei­ner klagt für al­le

Vor dem Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig hat im Ab­gas­skan­dal das Ver­fah­ren ge­gen den Au­to­kon­zern be­gon­nen – stell­ver­tre­tend für 470 000 Die­sel­fah­rer.

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT -

Das Ge­richt legt bei­den Sei­ten früh­zei­tig dar, wo­hin die Rei­se ge­hen könn­te.

Ich ru­fe auf: die Sa­che 4 MK 1/18.“Es klingt wie ganz ge­wöhn­li­cher Ge­richts­sto , den Micha­el Neef in tro­cke­nem Ton­fall vor­trägt. Doch die­ses Ak­ten­zei­chen hat es in sich. Der Rich­ter soll ei­ne Grund­satz­ent­schei­dung tre en, bei der es um Mil­li­ar­den Eu­ro für die Ver­brau­cher ge­hen könn­te – und um Wie­der­gut­ma­chung in ei­nem der größ­ten In­dus­trieskan­da­le der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te.

Die Ver­ant­wor­tung, die der Vor­sit­zen­de am Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Braun­schweig trägt, ist groß. Auf der ei­nen Sei­te: knapp 470 000 Au­to­fah­rer, die mög­lichst bald mög­lichst viel Scha­den­er­satz für ih­ren VW-Die­sel er­strei­ten wol­len, aber oft schon ei­nen al­ten Wa­gen mit ge­rin­gem Rest­wert ha­ben. Auf der an­de­ren Sei­te: der Welt­kon­zern Volks­wa­gen, der in den USA be­reits enor­me Sum­men für die Ab­ga­sa äre zah­len muss­te und nun wo­mög­lich wei­te­re Mil­li­ar­den ver­lie­ren könn­te. Und zu all­dem noch ei­ne rechts­po­li­ti­sche Pre­mie­re: die ers­te An­wen­dung der Mus­ter­fests­te Ver­brau­cher ver­tre­ten lass ein­zeln ins R

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VW-Ver­ant­wort­li­che vor dem Be­kannt­wer­den der Ma­ni­pu­la­tio­nen im Sep­tem­ber 2015 Un­recht be­gin­gen, zwei­felt nie­mand ernst­haft an. Doch dann ist es mit der Ei­nig­keit auch schon vor­bei.

Im Saal der Braun­schwei­ger Stadt­hal­le – das Ge­richt muss­te die Ver­hand­lung we­gen des er­war­te­ten An­drangs hier­hin ver­le­gen – ha­ben sich An­wäl­te des Bun­des­ver­bands der Ver­brau­cher­zen­tra­len (vzbv) und des VW-Kon­zerns in Stel­lung ge­bracht. Neef re­fe­riert den „Streit­stand“. Die Ver­brau­cher, ver­tre­ten vom Muster­klä­ger vzbv, be­haup­te­ten, die VW-Füh­rung ha­be von il­le­ga­ler „Steue­rungs­soft­ware“in der Ab­gas­an­la­ge wis­sen müs­sen. In­dem die Au­tos wei­ter ver­trie­ben wur­den, hät­ten lei­ten­de An­ge­stell­te von Volks­wa­gen die Kun­den ge­schä­digt. Die Ver­brau­cher­schüt­zer füh­ren da­her den Vor­wurf ei­ner vor­sätz­li­chen sit­ten­wid­ri­gen Schä­di­gung ins Feld und wol­len dies vom Ge­richt fest­stel­len las­sen, da­mit ih­re Man­dan­ten in in­di­vi­du­el­len Fol­ge­pro­zes­sen bes­se­re Aus­sich­ten auf Scha­den­er­satz ha­ben. Der Au­to­bau­er hin­ge­gen be­harrt dar­auf: Nur Mit­ar­bei­ter „auf der Ar­beits­ebe­ne“hät­ten da­von wis­sen kön­nen. Und der Vor­stand ha­be erst ab dem 19. Sep­tem­ber 2015 ein kla­res Bild vom Aus­maß ge­habt. Der Markt­wert des Die­sel­au­tos sei zu­dem nicht ent­schei­dend be­ein­flusst wor­den, als der Skan­dal be­kannt wur­de. Wert­min­de­run­gen sei­en vor al­lem spä­ter ent­stan­den, als dann auch Die­sel-Fahr­ver­bo­te droh­ten.

Bald wird im Saal deut­lich, dass das Ge­richt sich nicht vor­schnell fest­le­gen möch­te. Ei­ne ers­te recht­li­che Be­wer­tung im­mer­hin gibt es dann doch schon. Er wol­le bei­den Sei­ten dar­le­gen, „was wir so den­ken, wo die Rei­se so hin­ge­hen könn­te“, sagt Neef. Kas­sie­ren wird der Se­nat dem­nach ver­mut­lich das Ziel der Ver­brau­cher­schüt­zer, den VW-Kon­zern selbst in die Pflicht zu neh­men. Statt­des­sen müss­ten sich Kun­den wohl stets an den­je­ni­gen Händ­ler wen­den, bei dem sie ihr Au­to ge­kauft ha­ben.

Der vzbv schätzt die ge­ne­rel­len Chan­cen sei­ner Man­dan­ten in­des durch­aus op­ti­mis­tisch ein. „Ich bin sehr po­si­tiv über­rascht“, sagt An­walt Ralf Stoll. „Ich bin der Über­zeu­gung, dass wir das Ver­fah­ren zu­min­dest in gro­ßen Tei­len ge­win­nen wer­den.“Die VW-Kun­den selbst wol­len sich mit ju­ris­ti­schen Spitz­fin­dig­kei­ten am liebs­ten nicht all­zu lan­ge auf­hal­ten. „Als Be­tro ener möch­te ich letzt­lich Geld se­hen“, for­dert Uwe Reine­cke aus Göt­tin­gen. Jan Pe­ter­mann und Chris­ti­an Brah­mann

Fo­to: Hau­ke-Chris­ti­an Dittrich/dpa

Me­di­en­ver­tre­ter fo­to­gra eren vor Be­ginn der münd­li­chen Ver­hand­lung die An­wäl­te der Volks­wa­gen-AG (von links): Mar­ti­na de Lind van Wi­jn­gaar­den, Hans-Patrick Schrö­der, Kon­stan­tin Kohl­mann und Kat­ha­ri­na Shing­ler.

Fo­to: Schuldt/

tzen­der er Michaef.

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