Ul­mer Tech­nik or­tet Tarn­kap­pen-Jet

Ein Team der Rüs­tungs­fir­ma Hen­soldt macht das bis da­to „un­sicht­ba­re“F-35 Kampf­flug­zeug sicht­bar.

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU - Chris­toph May­er

Ulm. Wer im Kriegs- oder Kon­flikt­fall un­sicht­bar ist, hat ei­nen Vor­teil. Die­se Idee steht hin­ter der Tarn­kap­pen­tech­nik – in der die USA als glo­ba­le Mi­li­tär­macht Num­mer 1 füh­rend sind. Tarn­kap­pen­flug­zeu­ge sind so ent­wi­ckelt, dass sie das geg­ne­ri­sche Ra­dar nicht er­fas­sen kann.

Doch nun ist es Ra­dar-Spe­zia­lis­ten der Rüs­tungs­fir­ma Hen­soldt o‡en­kun­dig ge­lun­gen, ei­nen US-Tarn­kap­pen­bom­ber des Typs F35-A über mehr als 100 Ki­lo­me­ter am Him­mel zu ver­fol­gen und so­mit zu de­mas­kie­ren. Mög­lich ge­wor­den ist dies durch das in Ulm ent­wi­ckel­te neue Pas­siv-Ra­dar­sys­tem „Twin­vis“.

Hen­soldt-Spre­cher Joa­chim Schranz­ho­fer be­stä­tig­te am Di­ens­tag auf An­fra­ge je­den­falls ei­ne Ge­schich­te, die stre­cken­wei­se ei­nem Husa­ren­stück gleicht. Er sagt aber auch: „Wir ha­ben nichts Un­rech­tes ge­tan. Wir ha­ben uns nur ge­schickt an­ge­stellt. Ge­heim war das Gan­ze oh­ne­hin nicht.“

Um­so über­ra­schen­der, dass der Coup erst jetzt an die ևent­lich­keit kommt, denn er­eig­net hat er sich im April 2018 am Ran­de der Ber­li­ner Luft­fahrt­mes­se ILA. Am Sonn­tag be­rich­te­te als ers­tes das US-Fach­ma­ga­zin C4ISRNet von dem Fall.

Zur in­ter­na­tio­na­len Ber­li­ner Luft­fahrt­mes­se 2018 war der US-Rüs­tungs­kon­zern Lock­heed mit zwei F35-Tarn­kap­pen-Flug­zeu­gen vor Ort, das Ziel: lu­kra­ti­ve Ver­käu­fe, im­mer­hin ist der F35 mit ei­nem Stück­preis von 90 Mil­lio­nen US-Dol­lar ge­lis­tet. Nach En­de der Mes­se flo­gen sie zu­rück in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten Und eben die­sen Um­stand ha­be ei­ne Hand­voll auf der Mes­se zu­ge­ge­ner Hen­soldt-Mit­ar­bei­ter zum An­lass ge­nom­men, das Ra­dar­sys­tem „Twin­vis“mal un­ter rea­lis­ti­schen Be­din­gun­gen zu tes­ten, sagt Schranz­ho­fer.

Dem­nach quar­tier­ten sich die In­ge­nieu­re nach En­de der Mes­se mit­samt Ra­dar auf ei­nem Po­ny­hof na­he Ber­lin ein. Über ei­nen In­for­man­ten be­ka­men sie die ex­ak­te Start­zeit der Kamp©ets ge­steckt. Kaum in der Luft, or­te­ten und ver­folg­ten sie die die Flug­zeu­ge über knapp 150 Ki­lo­me­ter.

Wie das mög­lich ist? „Twin­vis“ar­bei­tet an­ders als her­kömm­li­che Ra­dar­an­la­gen. Es be­nö­tigt kei­ne ro­tie­ren­de Ra­dar-An­ten­ne, die ein elek­tro­ma­gne­ti­sches Si­gnal aus­sen­det, son­dern er­rech­net die Po­si­ti­on von Flug­zeu­gen aus Si­gnal-Echos oh­ne­hin vor­han­de­ner Ra­dio- oder Fern­seh­wel­len. Kommt ein Flug­zeug in die­se Wel­len, glei­ten sie um das frem­de Ob­jekt her­um. Da­durch ent­steht ein Echo, dass auf­ge­fan­gen wer­den kann. Da­durch ver­rät sich das Flug­zeug. Die Be­ob­ach­ter selbst hin­ter­las­sen je­doch kei­ne Spu­ren.

Gleich­wohl will Schranz­ho­fer den Streich nicht über­be­wer­tet wis­sen. Pas­si­ve Ra­dar­sys­te­me funk­tio­nier­ten eben nur in Re­gio­nen, in de­nen es aus­rei­chend Si­gna­le von Ra­dio- und Fern­seh­über­tra­gun­gen ge­be. In der Wüs­te oder in an­de­ren un­be­wohn­ten Ge­bie­ten mit we­nig zi­vi­len Si­gna­len kön­ne „Twin­vis“we­nig aus­rich­ten. Ob im Pen­ta­gon in­fol­ge der Ul­mer Ak­ti­on die Alarm­glo­cken ge­schrillt ha­ben? „Wir ha­ben bis­her kei­ne Re­ak­tio­nen ver­nom­men“, so der Spre­cher.

Ent­tarnt: Der Tarn­kap­pen-Kamp ie­ger F35 der US Air Force. Fo­to: Richard Whit­com­be/ Shut­ter­stock.com

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