Gro­ßer Ein­satz für Mäd­chen

25 Jah­re lang lei­te­te In­ge­borg Just die Fa­mi­li­en­bil­dung in Hall. Am Don­ners­tag ist sie im Al­ter von 85 Jah­ren ge­stor­ben.

Haller Tagblatt - - MENSCHEN - Mo­ni­ka Ever­ling

Schwä­bisch Hall. In ei­ner Zeit, als Lehr­stel­len knapp wa­ren und Be­trie­be oh­ne­hin lie­ber Jungs ein­stell­ten, hat sich In­ge­borg Just um Mäd­chen ge­küm­mert, die es auf der Schu­le und im Le­ben schwer hat­ten. Sie hat als Lei­te­rin der Evan­ge­li­schen Fa­mi­li­en­bil­dung Grund­bil­dungs­kur­se für ar­beits­lo­se Mäd­chen ge­scha en. Die­se wur­den in der Fa­mi­li­en­bil­dungs­stät­te im Hal­ler Brenz­haus be­treut, er­hiel­ten vor­mit­tags Un­ter­richt und wa­ren nach­mit­tags in Be­trie­ben oder Haus­hal­ten be­schäf­tigt. „Das wa­ren schwa­che Mäd­chen, die sonst kei­ne Chan­ce auf ei­nen Ar­beits­platz ge­habt hät­ten“, er­in­nert sich Ro­se­ma­rie Ben­der aus Ils­hofen, die als Mit­ar­bei­te­rin der Aka­de­mie Bad Boll mit In­ge­borg Just zu­sam­men­ge­ar­bei­tet hat. „Für sie war es ein ganz gro­ßer Glücks­fall, dass Frau Just sie wahr­ge­nom­men und sich ih­rer an­ge­nom­men hat.“

In­ge­borg Just war ei­ne Netz­wer­ke­rin. Sie hielt Kon­takt mit Schu­len, dem Ar­beits­amt und dem Kin­der­schutz­bund, mit Lä­den, Be­trie­ben und so­zia­len Ein­rich­tun­gen, um für die Mäd­chen Prak­ti­kums­plät­ze zu be­kom­men. Nicht zu­letzt da­für wur­de sie 1987 mit der Bun­des­ver­dienst­me­dail­le aus­ge­zeich­net.

Just kam 1967 zur da­ma­li­gen Müt­ter­schu­le, die kurz dar­auf in Evan­ge­li­sche Fa­mi­li­en­bil­dung um­be­nannt wur­de. 1970 konn­te das da­mals neue Brenz­haus be­zo­gen wer­den. In den 25 Jah­ren, die Just die Ein­rich­tung ge­lei­tet hat, wur­den die An­ge­bo­te nicht nur in Hall stark aus­ge­baut, son­dern auch aus­ge­dehnt auf die Kreis­ge­mein­den. Denn da­mals war es für die Men­schen auf den Dör­fern nicht so leicht, zu Kur­sen in die Stadt zu kom­men. Zu­dem ent­stan­den in Crails­heim und Gaildorf Zweig­stel­len, die spä­ter zu ei­ge­nen Or­ga­ni­sa­tio­nen wur­den.

Zeit­ge­nos­sen ist von In­ge­borg Just in leb­haf­ter Er­in­ne­rung, dass sie Ru­he aus­strahl­te. „Sie war im­mer prä­sent, ihr Bü­ro war stets o en für al­le Be­su­cher. Sie war na­he bei den Men­schen, qua­si von der Ge­burts­vor­be­rei­tung bis zur Trau­er­be­glei­tung“, be­rich­tet Ruth Schmalz­riedt dank­bar, die vie­le An­ge­bo­te der Fa­mi­li­en­bil­dung an­ge­nom­men hat. Und Ro­se­ma­rie Ben­der er­gänzt: „Sie war sehr auf­merk­sam, aber im­mer zu­rück­ge­lehnt und un­auf­ge­regt. Sie ver­mit­tel­te, dass man gut auf­ein­an­der hö­ren kann, auch wenn man ver­schie­de­ne An­sich­ten hat.“

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