Vi­sio­nen und Bau­stel­len

Haller Tagblatt - - FEUILLETON - Kom­men­tar Jür­gen Ka­nold zum Thema Kul­tur­haupt­stadt

Die Ver­ga­be des Ti­tels „Kul­tur­haupt­stadt Eu­ro­pas“ist kein Schön­heits­wett­be­werb, und der Ge­win­ner wird nicht mit Eu­ro-Mil­li­ar­den aus Brüs­sel oder Ber­lin zu­ge­schüt­tet. Es geht auch nicht dar­um, die Stadt nur her­aus­zu­put­zen für ei­ne Hoch­glanz-Kam­pa­gne, um den Tou­ris­mus zu be­le­ben. Es geht zu­nächst mal dar­um, Eu­ro­pa ei­ne Ge­schich­te zu er­zäh­len. Und Kul­tur­haupt­stadt ist ein mo­ti­vie­ren­der Stadt­ent­wick­lungs­pro­zess, an­ge­trie­ben durch die Kul­tur – und be­lohnt am En­de mit in­ter­na­tio­na­ler Auf­merk­sam­keit.

Teu­re Na­men für ei­nen Fes­ti­val-Rei­gen ein­kau­fen, das reicht nicht. Ei­ne Stadt soll­te sich viel­mehr ein Ziel ste­cken, ana­ly­sie­ren, neu de­fi­nie­ren, wo sie ste­hen möch­te. Das Kul­tur­haupt­stadt­jahr dient da­bei als ein Mo­tor. Bau­stel­len sind ge­fragt, Vi­sio­nen, und kein prot­zen­der Ka­ta­log der Selbst­zu­frie­den­heit ei­ner Kom­mu­ne. Wes­halb nicht Me­tro­po­len, son­dern Or­te aus der zwei­ten Rei­he ei­ne gute Chan­ce ha­ben. Das ha­ben ge­ra­de auch die ost­deut­schen Städ­te er­kannt, die sich für 2025 be­wor­ben ha­ben.

Man fragt sich: Ha­ben wir in Ba­den-Würt­tem­berg nichts zu bie­ten? Al­les su­per­toll? Mann­heim, lan­ge in­ter­es­siert, hat sich auf die Bun­des­gar­ten­schau 2023 fest­ge­legt. An­de­re Städ­te wie Ulm ha­ben kei­nen Mut und kei­ne Kon­di­ti­on ge­zeigt – ob­wohl schon ei­ne Be­wer­bung als Kul­tur­haupt­stadt Eu­ro­pas ein loh­nen­der Pro­zess wä­re.

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