Acht Städ­te ge­hen ins Ren­nen

Kul­tur­haupt­stadt Eu­ro­pas Fünf Be­wer­ber aus dem Os­ten und drei aus dem Wes­ten wol­len den Ti­tel für das Jahr 2025. Die Ent­schei­dung fällt im nächs­ten Herbst.

Haller Tagblatt - - FEUILLETON - Ju­lia Ki­li­an/epd

Sie wis­sen es – und wir wis­sen es: Wir sind Pro­vinz. Tho­mas Har­ling Lei­ter des Hil­des­hei­mer Be­wer­bungs­bü­ros

Nürn­berg und sie­ben wei­te­re deut­sche Städ­te wol­len eu­ro­päi­sche Kul­tur­haupt­stadt 2025 wer­den. Das ga­ben die Kul­tur­stif­tung der Län­der und die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz am Di­ens­tag nach Ablauf der Be­wer­bungs­frist be­kannt. Um den Ti­tel be­wer­ben sich auch Chem­nitz, Dres­den, Ge­ra, Han­no­ver, Hil­des­heim, Mag­de­burg und Zit­tau. Da­mit kom­men fünf von acht Städ­ten aus ei­nem ost­deut­schen Bun­des­land.

„Ich bin froh, dass wir aus vie­len Land­stri­chen Deutsch­lands Städ­te da­bei ha­ben“, sag­te Ham­burgs Kul­tur­se­na­tor Cars­ten Bros­da (SPD), der­zeit Vor­sit­zen­der der Kul­tur­mi­nis­ter­kon­fe­renz.

Auch die ost­deut­schen Be­wer­ber sei­en sehr un­ter­schied­lich. Deutsch­land darf im Jahr 2025 ne­ben Slo­we­ni­en ei­ne der bei­den Kul­tur­haupt­städ­te Eu­ro­pas stel­len. Im De­zem­ber tri¦t ei­ne Ju­ry ei­ne Vor­aus­wahl, im Herbst 2020 sol­len dann die Ti­tel­trä­ger fest­ste­hen.

Meh­re­re Be­wer­ber­städ­te wer­fen die Fra­ge auf, wie Ge­sell­schaf­ten zu­ein­an­der fin­den kön­nen. Dres­den bei­spiels­wei­se be­schäf­tigt sich mit der Fra­ge nach ei­ner „neu­en Hei­mat“. Dass Dres­den um die ei­ge­ne Ge­schich­te rin­ge und das fried­li­che Zu­sam­men­le­ben „so zer­brech­lich“er­schei­ne, ste­he für Ent­wick­lun­gen, die in ganz Eu­ro­pa zu be­ob­ach­ten sei­en, sag­te Eli­sa­beth Kreutz­kamm-Au­mül­ler aus Dres­den. Sie er­in­ner­te auch an Dres­dens un­rühm­li­che Epi­so­den wie et­wa den Ver­lust des Unesco-Wel­ter­be-Ti­tels we­gen ei­nes Brü­cken­baus, Pe­gi­da-De­mons­tra­tio­nen und die AfD-Er­geb­nis­se bei der Land­tags­wahl.

Die Chem­nit­zer Ober­bür­ger­meis­te­rin Bar­ba­ra Lud­wig (SPD) sag­te, ge­sell­schaft­li­che Kon­flik­te, be­wuss­te Pro­vo­ka­tio­nen, Grenz­über­schrei­tun­gen und o¦ene Ge­walt sei­en ein Thema in vie­len Städ­ten Eu­ro­pas. Da­zu zeig­te sie Bil­der von Aus­schrei­tun­gen in ih­rer Stadt und von Pro­tes­ten der Gelb­wes­ten in Pa­ris.

Das ost­thü­rin­gi­sche Ge­ra prä­sen­tiert sich wie­der­um als Stadt mit kul­tur­his­to­ri­schem Er­be und neu­en Ide­en und wehrt sich ge­gen Kli­schees vom Nie­der­gang ei­ner ver­meint­lich ab­ge­häng­ten Pro­vinz. Ober­bür­ger­meis­ter Ju­li­an Vonarb (par­tei­los) hob zu­gleich die Er­fah­run­gen der Re­gi­on mit dem ge­fähr­li­chen Ur­an­berg­bau her­vor.

Han­no­ver ließ sei­ne Be­wer­bung von der Bri­tin Han­nah Gib­son vor­stel­len, die ih­re Sor­ge vor dem Br­ex­it aus­drück­te. Nürn­berg frag­te nach dem ei­ge­nen Bild: Den­ke man bei Nürn­berg an Leb­ku­chen und Dü­rer? Oder an den Reichs­par­tei­tag der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten? „Vi­el­leicht fällt Ih­nen zu Nürn­berg aber auch gar nichts ein“, sag­te der Lei­ter des Be­wer­bungs­bü­ros, Hans-Joa­chim Wa­gner. Nürn­berg ent­wick­le ei­ne neue Idee von Stadt und Eu­ro­pa – ei­nen Raum der Men­sch­lich­keit, Ge­mein­schaft und des Ex­pe­ri­men­tie­rens.

Auch das nie­der­säch­si­sche Hil­des­heim be­wirbt sich. „Sie wis­sen es – und wir wis­sen es auch: Wir sind Pro­vinz“, sag­te der Lei­ter des dor­ti­gen Be­wer­bungs­bü­ros, Tho­mas Har­ling. Das sei aber auch gut so. Sie woll­ten nach Lö­sun­gen su­chen in Stadt-Land-Be­zie­hun­gen. Er brach­te ei­ne Zu­cker­rü­be mit – zum Mot­to „Beets, Ro­ses and the Mea­ning of Life“.

Ham­burgs Kul­tur­se­na­tor Bros­da wer­te­te die Be­wer­bun­gen als Be­leg für re­gio­na­le Viel­falt. „Wir ha­ben in Deutsch­land manch­mal ei­ne Ten­denz da­zu, kul­tu­rel­le Fra­gen sehr auf die Hauptstadt zu fi­xie­ren“, sag­te er. „Aber die Viel­falt des Lan­des zeigt sich ge­ra­de in den Re­gio­nen.“Kul­tur sei über­all im Land ei­ne re­le­van­te Di­men­si­on, „und nicht nur in den gro­ßen Me­tro­po­len, wo ver­meint­lich die Fra­gen der Welt dis­ku­tiert wer­den“.

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