In 30 Ta­gen durch Eu­ro­pa

Haller Tagblatt - - JUGEND - Von Sas­kia Ott

Pa­blo Ni­co­las San­chez Kull­mann aus Schwä­bisch Hall ist ei­ner von 20 000 Ge­win­nern ei­nes Dis­co­ver­EU-Ti­ckets. Die­ses er­mög­licht jun­gen Er­wach­se­nen ei­ne Rei­se durch eu­ro­päi­sche Län­der.

Mei­ne Fa­mi­lie und Freun­de ha­ben mich auf das Pro­gramm auf­merk­sam ge­macht“, er­zählt Pa­blo, der aber vor al­lem Ni­co ge­nannt wird. Er ist ei­ner von 20 000 Ge­win­nern des Dis­co­ver­EU-Ge­winn­spiels der eu­ro­päi­schen Uni­on. Mit­ma­chen war nicht schwer: Er muss­te nur 18 Jah­re alt und EU-Bür­ger sein und schon konn­te er sich ein­fach auf der In­ter­net­sei­te an­mel­den. Ni­co hat­te ei­ne Chan­ce von 1:10 ei­nen Tra­vel-Pass, al­so ei­nen Rei­se-Pass, zu ge­win­nen. Die­ser war dann für 30 Ta­ge gül­tig. Ni­co er­füll­te al­le Kri­te­ri­en und da er ge­ra­de sein Abi in der Ta­sche hat­te, fehl­te ihm auch nicht die Zeit da­für. Er hat sich ge­freut, das Ti­cket zu be­kom­men, aber auch oh­ne die­ses wä­re er auf ei­ne Rei­se ge­gan­gen. „Al­ler­dings hät­te die­se mich wohl raus aus der EU ge­führt, und ver­mut­lich wä­re ich auch län­ger un­ter­wegs ge­we­sen“, meint Ni­co.

Al­lei­ne zu­recht­kom­men

Er hat sich al­lei­ne auf den Weg ge­macht, auch wenn er bis zu vier Freun­de hät­te mit­neh­men kön­nen. „Es war ei­ne gute Ent­schei­dung al­lei­ne zu ge­hen, mit an­de­ren ist es zwar lus­ti­ger, aber so ha­be ich ge­merkt, dass ich auch al­lei­ne zu­recht­kom­me.“Doch ein­fach in den Zug stei­gen und los­fah­ren ging nicht. Ni­co hat­te ins­ge­samt nur sie­ben Rei­se­ta­ge zur Ver­fü­gung und die Zug­fahr­ten muss­te er ge­ra­de bei Langstre­cken re­ser­vie­ren. So­mit plan­te er sei­ne Rei­se durch. Zu­erst ging es nach Bar­ce­lo­na, dann nach Por­to und an­schlie­ßend nach Lis­s­a­bon, wo er sich für ei­ni­ge Ta­ge mit sei­ner Freun­din Em­ma traf. „Ich mag den Sü­den und kann auch gut Spa­nisch, des­halb woll­te ich dort­hin“, er­klärt Ni­co.

Da­nach nahm er ei­nen Flug, den er aus der ei­ge­nen Ta­sche zah­len muss­te, und kam in Du­blin an. „Der Un­ter­schied war wirk­lich ex­trem, vom war­men Sü­den in das kal­te Ir­land“, meint der Rei­sen­de. Dann ging es nach Glas­gow und Lon­don, und zu­letzt wie­der zu­rück nach Hau­se. „Scha­de fand ich es schon, dass man nicht so ein­fach in klei­ne­re Städ­te rei­sen konn­te oder in die Na­tur um die Groß­städ­te her­um, weil es nur die we­ni­gen Rei­se­ta­ge gab“, be­män­gelt Ni­co. Ei­nen be­son­de­ren Grund auf die Bri­ti­sche In­sel zu flie­gen hat­te er aber nicht, er war ein­fach noch nie dort. Im Nach­hin­ein wä­re er aber lie­ber län­ger im Sü­den ge­blie­ben.

„Am An­fang fiel mir die Selbst­ver­sor­gung mit dem Ko­chen in den Hos­tels und das rich­ti­ge Wirt­schaf­ten mit dem Geld wirk­lich sehr schwer, ab Lis­s­a­bon war das aber kein Pro­blem mehr“, er­zählt er. Al­les in al­lem lässt sich aus sei­ner Sicht kaum et­was Schlech­tes sa­gen. Es hat al­les gut ge­klappt. Be­son­ders, dass die teil­wei­se 16 St­un­den dau­ern­den Zug­fahr­ten al­le funk­tio­niert ha­ben, er­staunt ihn sehr. Das Ein­zi­ge, das Ni­co nicht so schön fand war im­mer in Hos­tels zu schla­fen. Die gra­tis Zug­ti­ckets sei­en zwar ei­ne gro­ße fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung, aber trotz­dem war die Rei­se nicht ge­schenkt. Er muss­te die Hos­tels, das Es­sen, die Ein­trit­te und die Zu­g­re­ser­vie­run­gen sel­ber zah­len. Bei Ni­co führ­te das schnell zu 2000 Eu­ro Zu­satz­kos­ten. Schlimm oder über­ra­schend war das aber nicht für ihn, er hat da­vor ex­tra ge­ar­bei­tet und auch von der Fa­mi­lie Un­ter­stüt­zung be­kom­men.

Das EU-Pro­gramm ver­spricht, dass auch Ju­gend­li­che aus be­nach­tei­lig­ten Ver­hält­nis­sen so durch Eu­ro­pa rei­sen kön­nen. Aus Ni­cos Sicht ist das aber eher uto­pisch ge­dacht: „Ich glau­be nicht, dass das Pro­gramm be­nach­tei­lig­ten Ju­gend­li­chen wirk­lich ei­ne Chan­ce gibt, Eu­ro­pa zu er­kun­den, die Kos­ten sind ja im­mer noch sehr hoch“.

Den­noch wür­de er das Pro­gramm je­dem wei­ter­emp­feh­len, der rei­sen möch­te. „Mir hat es sehr viel ge­bracht. Es war sehr be­rei­chernd, auch wenn ich mich ge­gen En­de schon auf mein be­que­mes Bett zu Hau­se ge­freut ha­be.“Ge­ra­de weil er nach dem Abi noch kei­ne kon­kre­ten Plä­ne hat­te, hat ihm die­ses Ti­cket ei­nen An­halts­punkt ge­ge­ben. Jetzt hat er auch ei­nen Stu­di­en­gang in Bay­reuth in Phi­lo­so­phy and eco­no­mics, al­so Phi­lo­so­phie und Wirt­schaft, ge­fun­den, wel­cher ihn in­ter­es­siert. Im Ok­to­ber wird er sein Stu­di­um be­gin­nen.

In­fo Wes­sen In­ter­es­se nun ge­weckt ist, vom 7. bis 28. No­vem­ber kann man sich für die nächs­te Run­de be­wer­ben und mit et­was Glück ein Dis­co­ver­EU-Zug­ti­cket ge­win­nen. Wei­te­re In­fos auf eu­ro­pa.eu/youth/dis­co­ver­eu_­de.

Fo­tos: privat

Ni­cos Ausblick auf die Alt­stadt von Lis­s­a­bon und auf den Fluss Ta­jo, der kurz nach der Stadt ins Meer mün­det.

Pa­blo Ni­co­las San­chez Kull­mann reis­te für 30 Ta­ge durch Eu­ro­pa.

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