Die Beat­les grü­ßen zum Ju­bi­lä­um

Thea­ter Die Würt­tem­ber­gi­sche Lan­des­büh­ne Ess­lin­gen fei­ert ih­ren 100. Ge­burts­tag und stellt in Ils­hofen den ak­tu­el­len Spiel­plan vor.

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL - Von Clau­dia Kern-Ka­lin­ke

Als die da­mals noch weit­ge­hend un­be­kann­ten Beat­les 1960 in Ham­burg auf­tra­ten, war Ils­hofen schon fast zehn Jah­re lang Spiel­ort der Würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­büh­ne Ess­lin­gen, die 1919 als Schwä­bi­sche Volks­büh­ne ge­grün­det wur­de. Am 20. Sep­tem­ber wur­de das Er­eig­nis ter­min­ge­recht in Göp­pin­gen, dem ers­ten Spiel­ort, und ei­nen Tag spä­ter auch in Ess­lin­gen mit der Auüh­rung von Schil­lers „Ka­ba­le und Lie­be“ge­fei­ert.

Fünf­köp ge Live­band

Wenn das En­sem­ble am Sams­tag,

19. Ok­to­ber, mit „Back­beat – Die Beat­les in Ham­burg“in die Ro­land-Wurmtha­ler-Hal­le nach Ils­hofen kommt, dürf­te es al­so noch in Fei­er­lau­ne sein und prä­sen­tiert sich mit ei­ner Rock‘n’Roll-Büh­nen­show und ei­ner fünf­köp­fi­gen Live­band von sei­ner mu­si­ka­lischs­ten Sei­te. „30 Ti­tel und Zu­ga­ben aus der frü­hen Zeit der Beat­les“ver­spricht In­ten­dant Mar­cus Gru­be für die­sen Abend.

Zur Vor­stel­lung des Spiel­plans 2019/2020 ha­ben Mar­cus Gru­be und die En­sem­ble­mit­glie­der Nat­ha­lie Im­bo­den und Mar­cus Mich­al­ski zwar kei­ne Mu­sik, aber doch in­ter­es­san­te Le­se­pro­ben mit­ge­bracht. Sie ver­mit­tel­ten ei­nen ers­ten Ein­druck von den Stü­cken, die das Pu­bli­kum in Ils­hofen er­war­ten darf.

Nach den Beat­les geht es am

23. No­vem­ber mit „Faust I – Re­loa­ded“nicht min­der tur­bu­lent zu. Und viel Mu­sik sei auch zu er­war­ten. „Was Sie im­mer schon über Faust wis­sen woll­ten, sich aber nie zu fra­gen trau­ten, soll hier ge­zeigt wer­den“, ver­riet Mar­cus Gru­be. Er ist seit die­ser Sai­son zu­sam­men mit Fried­rich Schir­mer gleich­be­rech­tig­ter In­ten­dant der Ess­lin­ger Büh­ne.

Auch auf das Stück der Jun­gen WLB, „Ur­mel aus dem Eis“von Max Kru­se, mach­ten die Thea­ter­leu­te den Er­wach­se­nen Lust, ob­wohl es haupt­säch­lich für Kin­der ge­dacht ist. Es wird am Di­ens­tag, 19. No­vem­ber, um 10 Uhr für Schul­klas­sen auf­ge­führt.

Ernst wird es am Sams­tag, 14. De­zem­ber, mit der Büh­nen­fas­sung des Ro­mans „Ein gan­zes Le­ben“von Ro­bert Seet­ha­ler. „Er­zähl­thea­ter zu ei­ner be­rüh­rend ein­fa­chen Ge­schich­te von ei­nem ein­fa­chen Mann. Ein Ge­gen­ro­man zur Glo­ba­li­sie­rung, denn der Prot­ago­nist Andre­as Eg­ger ver­lässt nur zwei­mal im Le­ben sein ab­ge­le­ge­nes Berg­dorf “, be­schrieb Gru­be die Hand­lung. Ge­le­sen wur­de die Sze­ne, in der Andre­as sei­ner An­ge­be­te­ten mit ei­nem weit­hin sicht­ba­ren Schrift­zug aus Fa­ckeln am Berg ei­nen Hei­rats­an­trag macht.

„Das Stück kommt auf ei­ne ge­wis­se Art und Wei­se nach Hau­se“, sag­te der Thea­ter­lei­ter. Er ist auch der Re­gis­seur des 1989 in Ess­lin­gen ur­auf­ge­führ­ten Thea­ter­stücks „Die barm­her­zi­gen Leut‘ von Mar­tins­ried“von Oliver Storz. Nach Hau­se kom­men des­halb, weil die Ge­schich­te aus den letz­ten Kriegs­ta­gen 1945 auf ei­ner wah­ren Be­ge­ben­heit be­ruht, die sich im Ils­hofe­ner Teil­ort Eckarts­hau­sen zu­ge­tra­gen hat. Auf dem Bahn­hofs­ge­län­de stan­den drei ver­rie­gel­te Vieh­wag­gons vol­ler zu­sam­men­ge­pferch­ter Men­schen, die vor Hun­ger und Schmer­zen schrien. An­statt die Ge­fan­ge­nen frei­zu­las­sen, scho­ben an die 30 Män­ner aus dem Ort die Wag­gons Rich­tung Sulz­dorf, ei­nem un­ge­wis­sen Schick­sal ent­ge­gen.

„Wä­re es heu­te an­ders?“, frag­te Oliver Storz vor 30 Jah­ren, als er das Stück schrieb. Jetzt zieht Re­gis­seur Gru­be den Ver­gleich zu den Boots­flücht­lin­gen auf dem Mit­tel­meer und stellt da­mit ei­ne be­klem­men­de Ak­tua­li­tät her. Am 15. Fe­bru­ar 2020 ist das Stück in Ils­hofen zu se­hen. Nat­ha­lie Im­bo­den und Mar­cus Mich­al­ski wir­ken dar­in mit und spre­chen ih­re Rol­len in schwä­bi­scher Mun­d­art.

Zum Sai­son­ab­schluss steht Fried­rich Dür­ren­matts an­geb­li­ches Lieb­lings­stück „Frank der Fünf­te“in die Ro­land-Wurmtha­ler-Hal­le auf dem Pro­gramm. Sein weit­aus be­kann­te­res Werk „Be­such der al­ten Da­me“soll er selbst nicht so sehr ge­schätzt ha­ben wie die gro­tes­ke Ge­schich­te der kri­mi­nel­len Ban­kiers­fa­mi­lie und ih­rer An­ge­stell­ten, wuss­te Mar­cus Gru­be zu er­zäh­len. „Es soll die Un­ver­ein­bar­keit von Pro­fit und Men­sch­lich­keit zei­gen.“

Die Auüh­run­gen be­gin­nen je­weils um 19.30 Uhr. Bür­ger­meis­ter Bles­sing mach­te dar­auf auf­merk­sam, dass Mit­glie­der des Thea­ter­aus­schus­ses vor und nach den Vor­stel­lun­gen und auch in den Pau­sen, falls vor­han­den, die Gäs­te mit Ge­trän­ken be­wir­ten.

Fo­to: WLB/Patrick Pfei er

Sze­nen­fo­to aus „Back­beat – Die Beat­les in Ham­burg“: Fe­lix Jei­ter (Zwei­ter von links) als John Len­non, Da­ni­el Groß­käm­per (Zwei­ter von rechts) als Stuart Sut­cli’e und Ales­san­dra Bosch als As­trid Kirch­herr. Links im Hin­ter­grund ist Ben­ja­min Janssen als Paul McCart­ney zu se­hen. Die Würt­tem­ber­gi­sche Lan­de­büh­ne führt das Stück am Sams­tag, 19. Ok­to­ber, in der Ro­land-Wurmtha­ler-Hal­le auf.

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