Ost­ge­häl­ter noch im­mer un­ter West­ni­veau

Ein­kom­men Das durch­schnitt­li­che Lohn­ge­fäl­le liegt bei knapp 17 Pro­zent – Ten­denz fal­lend.

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT -

Düsseldorf. Fast 30 Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung ver­die­nen Be­schäf­tig­te in den neu­en Bun­des­län­dern auch bei glei­cher Qua­li­fi­ka­ti­on deut­lich we­ni­ger als Ar­beit­neh­mer in West­deutsch­land. Zu die­sem Er­geb­nis kommt ei­ne Un­ter­su­chung der ge­werk­schafts­na­hen Hans-Böck­ler-Stif­tung. Da­nach be­trägt der Lohn­ab­stand bei Be­schäf­tig­ten glei­chen Ge­schlechts, im glei­chen Be­ruf und mit ver­gleich­ba­rer Be­rufs­er­fah­rung knapp 17 Pro­zent.

Ne­ben Un­ter­schie­den in der Wirt­schafts­kraft ist nach Ein­schät­zung der For­scher die ge­rin­ge­re Ver­brei­tung von Ta­rif­ver­trä­gen ein we­sent­li­cher Grund für den Lohn­rück­stand in den neu­en Län­dern. „Bei den Ta­rif­löh­nen ha­ben die Ge­werk­schaf­ten in­zwi­schen ei­ne weit­ge­hen­de An­glei­chung zwi­schen Ost und West durch­set­zen kön­nen“, sag­te der Ta­rif­ex­per­te Mal­te Lüb­ker. So ha­be das Ta­rif­ni­veau in Ost­deutsch­land 2018 bei 97,6 Pro­zent des Wes­tens ge­le­gen.

„Aber Ta­rif­ver­trä­ge kön­nen nur da wir­ken, wo sie auch ver­bind­lich an­ge­wen­det wer­den“, sag­te Lüb­ker. Laut Be­rech­nun­gen des In­sti­tuts für Ar­beits­markt­und Be­rufs­for­schung wur­den 2018 in den neu­en Län­dern nur 45 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten nach ei­nem Ta­rif­ver­trag be­zahlt, im Wes­ten hin­ge­gen 56 Pro­zent.

Die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on, Kat­ja Mast, for­der­te, die Ta­rif­bin­dung in Ost­deutsch­land zu er­hö­hen. Der Vor­sit­zen­de der Lin­ken im Bun­des­tag, Diet­mar Bartsch, nann­te die un­glei­che Be­zah­lung ei­nen Skan­dal. „Die Lohn­mau­er zwi­schen Ost und West ist nach fast 30 Jah­ren Ein­heit völ­lig in­ak­zep­ta­bel.“Die Bun­des­re­gie­rung müs­se ei­nen Plan mit nach­voll­zieh­ba­ren Schrit­ten zur Lohn­an­glei­chung zwi­schen Ost und West bis zum Jahr 2025 vor­le­gen.

Auch der neue Jah­res­be­richt der Bun­des­re­gie­rung zum Stand der Deut­schen Ein­heit hat ein deut­li­ches Lohn­ge­fäl­le fest­ge­stellt. Im Jahr 2018 hät­ten ost­deut­sche Voll­zeit­be­schäf­tig­te im­mer noch rund 16 Pro­zent we­ni­ger pro Mo­nat ver­dient als sol­che in West­deutsch­land. Al­ler­dings sei die Lohn­lü­cke zwi­schen Ost- und West klei­ner ge­wor­den, 2017 ha­be sie noch 19 Pro­zent be­tra­gen.

Auch zwi­schen den ost­deut­schen Bun­des­län­dern gibt es ein Lohn­ge­fäl­le. In Bran­den­burg sei, auch auf­grund des pro­spe­rie­ren­den Ber­li­ner Um­lan­des, der Rück­stand zum Wes­ten mit 13,9 Pro­zent am ge­rings­ten.

Für die Ana­ly­se wur­den 174 600 Da­ten­sät­ze aus­ge­wer­tet, die seit 2017 er­ho­ben wur­den. Die Um­fra­ge ist nicht re­prä­sen­ta­tiv, er­lau­be aber de­tail­lier­te Ein­bli­cke in die tat­säch­lich ge­zahl­ten Ent­gel­te. Der Lohn­spie­gel be­ruht auf ei­ner kon­ti­nu­ier­li­chen On­li­ne-Um­fra­ge un­ter Er­werbs­tä­ti­gen in Deutsch­land.

Kom­men­tar

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.