„Wir kön­nen sie nicht igno­rie­ren“

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - mpu

Als Ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Kul­tur­ra­tes ist Olaf Zim­mer­mann mit kul­tur­po­li­ti­schen De­bat­ten ver­traut. Der AfD wirft er Feig­heit vor. Herr Zim­mer­mann, Sie ha­ben von der AfD als „Kul­tur­par­tei“ge­spro­chen. Was mei­nen Sie da­mit? Olaf Zim­mer­mann:

Die AfD ist die Par­tei in Deutsch­land, die am deut­lichs­ten ih­re po­li­ti­sche Pro­gram­ma­tik von ei­nem kul­tu­rel­len Im­puls ab­lei­tet. Sie sagt, dass sie die deut­sche Kul­tur als die Ur­kraft ih­res Wir­kens sieht, bleibt da­bei aber ganz ne­bu­lös. Ob­wohl das span­nend wä­re, er­läu­tert sie nie, was die deut­sche Kul­tur für sie ist. Da wür­de ich gern mit der AfD drü­ber strei­ten. Aber sie traut sich ja nicht. Wie­so das denn?

Das weiß ich nicht. Aber wir als Deut­scher Kul­tur­rat sind zu Ge­sprä­chen und Aus­ein­an­der­set­zun­gen be­reit. Was er­hoen Sie sich da­von?

Der Mensch muss mit an­de­ren Men­schen spre­chen, um zi­vi­li­siert zu ei­nem Aus­tausch zu kom­men. Das ist die Grund­la­ge von De­mo­kra­tie. Nicht-Spre­chen führt ins Cha­os und letzt­lich in ei­ne Dik­ta­tur. Na­tür­lich ist das Spre­chen mit der AfD ei­ne Zu­mu­tung. Es wird auch ei­ne im­mer grö­ße­re Zu­mu­tung, weil die AfD sich per­ma­nent ra­di­ka­li­siert. Aber wie wol­len wir das än­dern, wenn wir nicht mit­ein­an­der re­den und strei­ten? Fürch­ten Sie nicht, die AfD und ih­re Po­si­tio­nen so auf­zu­wer­ten? Sieht man sich ih­re Wah­l­er­geb­nis­se an, hat die AfD hat doch nun wirk­lich kein Pro­blem mit Auf­wer­tung. Wir wer­ten die AfD nicht auf, weil wir be­reit sind, mit ih­nen zu spre­chen. Ich glau­be viel­mehr, wir wür­den sie ent­zau­bern. Denn bis­her kommt die AfD oft un­glaub­lich glimpf­lich da­von. Es ist ein Feh­ler, wenn der Kul­tur­be­reich glaubt, dass er die AfD weg­schwei­gen kann. Wir müs­sen die Rech­ten an ih­ren Äu­ße­run­gen mes­sen. Wir kön­nen uns auch gern mit ih­nen laut strei­ten, wenn es der Lö­sung nützt. Nur ei­nes kön­nen wir nicht: sie igno­rie­ren. Wie stark ist der kul­tur­po­li­ti­sche Ein…uss der Par­tei denn schon? Sie wächst na­tür­lich in den Kom­mu­nen, in den Län­dern und im Bund. Selbst dort, wo sie kei­ne Re­gie­rungs­ver­ant­wor­tung hat, ist sie mit­tel­bar stark. Denn Ab­ge­ord­ne­te be­set­zen vie­le Gre­mi­en. Es ist ei­ne ge­ne­rel­le Fehl­ent­wick­lung, dass im­mer mehr Ab­ge­ord­ne­te al­ler Par­tei­en in die Auf­sichts­rä­te von Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen ein­zie­hen. Auch des­halb kann die AfD heu­te im Kul­tur­be­reich mehr ge­stal­ten, als sie mei­ner Mei­nung nach soll­te.

Fo­to: Kay Niet­feld/ dpa

mann vom Deut­schen Kul­tur­rat.

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