Ver­hoh­ne­pie­peln um je­den Preis

Sa­ti­re Sie pfle­gen Ta­bu­brü­che al­ler Art und nichts und nie­mand ist ih­nen da­bei hei­lig. Seit 50 Jah­ren sorgt die bri­ti­sche Non­sens-Trup­pe Mon­ty Py­thon für Fu­ro­re in Film und Fern­se­hen.

Haller Tagblatt - - BLICK IN DIE WELT -

So­was hat­te man selbst in England noch nicht ge­se­hen, der ewi­gen Heim­statt des Skur­ri­len: ein Be­such im Mi­nis­te­ri­um für al­ber­ne Gan­gar­ten; Marx, Mao und Le­nin beim Fuß­ball­quiz; ge­fähr­li­che Hor­den von Links­ab­bie­gen-Schil­dern und bri­ti­sche Re­kru­ten, die mit fri­schem Obst an­ge­griˆen wer­den. Die Al­bern­heit, mit der Mon­ty Py­thon zu Wer­ke gin­gen, stand ih­rer An­griˆslust auf das bil­dungs­bür­ger­li­che Kul­tur­er­be in nichts nach. Ver­hoh­ne­pie­peln um je­den Preis war das Mot­to, als die TV-Show „Mon­ty Py­thon‘s Fly­ing Cir­cus“vor 50 Jah­ren, am 5. Ok­to­ber 1969, in der BBC an den Start ging.

In­tel­lek­tu­ell wa­ren die sechs Mit­glie­der der Non­sens-Trup­pe denk­bar gut ge­wapp­net: Drei von ih­nen stu­dier­ten in Cam­bridge, zwei in Ox­ford. Be­rei­chert wur­den sie von ei­nem US-Ame­ri­ka­ner mit ir­rer Be­ga­bung, Ter­ry Gil­li­am. Ihr Bil­der­sturm galt al­lem, was den Men­schen da­mals wich­tig war: Se­rio­si­tät in je­der Form; Po­li­zei und Ar­mee – die hier als Witz­fi­gu­ren höchs­tens noch da­zu dien­ten, all­zu bi­zar­re Sket­che kur­zer­hand zu ver­bie­ten und ab­zu­bre­chen; aber auch lin­ken Iko­nen wie Che Gue­va­ra oder Fried­rich En­gels.

Kir­che als Lieb­lings-Spott­ob­jekt

Ein Lieb­lings­ob­jekt des Spotts – ne­ben den Deut­schen na­tür­lich – war die Kir­che; sei es die pa­pis­ti­sche in ih­rer irisch-ar­men oder rö­misch-rei­chen Spiel­art oder der eher prü­de Tas­se-Tee-Staats­an­gli­ka­nis­mus. Den Py­thons war nichts hei­lig – im Ge­gen­teil. Hat­te schon der ers­te ei­gen­stän­di­ge Ki­no­film „Rit­ter der Ko­kus­nuss“(1975) die from­me Su­che nach dem Hei­li­gen Gral gna­den­los durch den Ka­kao – re­spek­ti­ve den Schlamm – des frü­hen Mit­tel­al­ters ge­zo­gen, rit­ten die Py­thons vier Jah­re spä­ter ei­ne noch viel ver­we­ge­ne­re Atta­cke. „Das Le­ben des Bri­an“(1979) nahm das Le­ben Je­su Chris­ti aufs Korn – in­dem Je­sus ein­fach durch ei­nen hilf­lo­sen Tropf na­mens Bri­an von Na­za­reth und Maria durch ei­ne bra­chia­le Ma­tro­ne er­setzt wur­den, die un­ver­se­hens in ei­ne Ver­schwö­rung der „Volks­front von Ju­däa“ge­gen die rö­mi­schen Be­sat­zer ge­rie­ten.

Wäh­rend man­che Kir­chen-Obe­re und kon­ser­va­ti­ve Chris­ten vor Zorn beb­ten, wur­de der Film schnell zum Pflicht­pro­gramm li­be­ra­ler Theo­lo­gie­stu­den­ten. Bis heu­te sind vie­le der Zi­ta­te sprich­wört­lich: „ge­seg­net sei­en die Ski­fah­rer“, „Der Pur­sche ist ein Wi­der­porst. ‚chmeißt ihn zu Po­den!“oder „je­der nur ein Kreuz!“

Nach­dem die Trup­pe 1983 in ei­nem letz­ten Ki­no­film ge­wohnt an­ar­chisch dem „Sinn des Le­bens“nach­ge­spürt hat­te, gin­gen die Mit­glie­der end­gül­tig ih­rer We­ge. Der mul­ti­la­te­ra­le Ge­ni­us hat­te sich ver­braucht, die Kau­zig­kei­ten und Pro­ble­me der ein­zel­nen Prot­ago­nis­ten die Ober­hand ge­won­nen. Mit un­ter­schied­li­chem Er­folg ver­folg­ten sie nun ih­re So­lo-Pro­jek­te. Michael Pa­lin schaˆte es als BBC-Do­ku­men­tar­fil­mer tat­säch­lich noch zum Rit­ter Ih­rer Ma­jes­tät und zum Prä­si­den­ten der Roy­al Geo­gra­phi­cal So­cie­ty.

Im­mer wie­der gab es ge­mein­sa­me Film­pro­jek­te meh­re­rer Py­thons – so et­wa 1985 „Bra­zil“mit Gil­li­am und Pa­lin oder 1988 „Ein Fisch na­mens Wan­da“mit John Clee­se und Pa­lin. Doch zur Reuni­on kam es erst im Ju­li 2014 mit der Büh­nen­show „Mon­ty Py­thon Li­ve (most­ly)“samt klas­si­schen Sket­chen und Ein­spie­lern. Die Kar­ten für die zehn Aben­de in der Lon­do­ner O2-Are­na wa­ren bin­nen Mi­nu­ten aus­ver­kauft.

Gr­ab­re­de im Py­thon-Stil

Ei­ner fehl­te da­mals schon ge­rau­me Zeit. Gra­ham Ch­ap­man, der viel­leicht bes­te Schau­spie­ler der Trup­pe, starb be­reits vor 30 Jah­ren an Krebs; am 4. Ok­to­ber 1989, dem Vor­abend des 20. Ju­bi­lä­ums der Py­thons. Ty­pisch die Re­ak­ti­on bei der Gr­ab­re­de für den „Bri­an“und den „Kö­nig Ar­tus“der Ki­no­fil­me.

Statt heh­rer Wor­te be­zeich­ne­te Clee­se den Ver­stor­be­nen als „par­ty po­oper“(Spiel­ver­der­ber) und stell­te in Ab­wand­lung des be­rühm­ten „To­ter Pa­pa­gei“-Sket­ches la­ko­nisch fest: „Er ist nicht mehr, ruht in Frie­den, gab den Löˆel ab, ging über den Jor­dan, biss ins Gras, nahm sei­nen letz­ten Atem­zug. Er ging, um den Haupt­ab­tei­lungs­lei­ter für leich­te Un­ter­hal­tung im Him­mel zu tref­fen. Er ist ein Ex-Ch­ap­man.“

Ganz si­cher: Der To­te selbst hät­te sei­nen Spaß an der Sze­ne ge­habt.

„Der Pur­sche ist ein Wi­der­porst. ‚chmeißt ihn zu Po­den!“ Michael Pa­lin in sei­ner Rol­le als Pon­ti­us Pi­la­tus

Fo­to: Da­ni­el Le­al-Oli­vas/dpa

Die noch le­ben­den Mit­glie­der der Mon­ty-Py­thon-Trup­pe 2013 auf ei­nem Grup­pen­fo­to (von links): Eric Id­le, John Clee­se, Ter­ry Gil­li­am, Michael Pa­lin und Ter­ry Jo­nes. Ter­ry Ch­ap­man, der den Bri­an spiel­te, starb schon vor 30 Jah­ren.

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