Scholl-Preis für tür­ki­schen Jour­na­lis­ten

Haller Tagblatt - - FEUILLETON -

Aus­zeich­nung In der Tür­kei ist er ein Ge­fan­ge­ner, in Deutsch­land wird er ge­ehrt: Ah­met Al­tan.

Der in­haf­tier­te tür­ki­sche Jour­na­list Ah­met Al­tan be­kommt in die­sem Jahr den Ge­schwis­ter-Scholl-Preis. Er wird für sein Buch „Ich wer­de die Welt nie wie­der­se­hen. Tex­te aus dem Ge­fäng­nis“aus­ge­zeich­net, wie der Lan­des­ver­band Bay­ern im Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels­mit­teil­te. „Ah­met Al­tans Tex­te zei­gen auf ei­ne ru­hi­ge, kla­re Wei­se, wie es im Au­gen­blick um die Tür­kei be­stellt ist“, ur­teil­te die Ju­ry.

Al­tan, ein pro­mi­nen­ter Jour­na­list, der als Kri­ti­ker von Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan gilt, war kurz nach dem Putsch­ver­such in der Tür­kei vom Ju­li 2016 ver­haf­tet wor­den. Er wur­de im Fe­bru­ar 2018 we­gen an­geb­li­cher Ver­bin­dun­gen zur Gü­len-Be­we­gung zu­nächst zu le­bens­lan­ger Haft ver­ur­teilt. Die tür­ki­sche Re­gie­rung macht die Be­we­gung des im USExil le­ben­den is­la­mi­schen Pre­di­gers Fe­thul­lah Gü­len für den Um­sturz­ver­such ver­ant­wort­lich.

An­fang Ju­li nahm ei­nes der höchs­ten tür­ki­schen Ge­rich­te die le­bens­lan­ge Haft zu­rück. Ah­met Al­tan ha­be nicht, wie ihm vor­ge­wor­fen wur­de, „ge­gen die Ver­fas­sung ver­sto­ßen“. Er ha­be al­ler­dings von den Plä­nen ge­wusst und die Put­schis­ten wil­lent­lich un­ter­stützt. Dar­auf ste­hen in der Tür­kei bis zu 15 Jah­re Haft. Ein An­trag auf Haft­ent­las­sung wur­de ab­ge­lehnt. Ein wei­te­rer Ge­richts­ter­min steht am 8. Ok­to­ber an.

„Mit dem po­li­tisch mo­ti­vier­ten Ur­teil wur­de ein kri­ti­scher Kom­men­ta­tor des Ge­sche­hens in der Tür­kei sei­ner Frei­heit be­raubt“, hieß es in der Ju­ry-Be­grün­dung. „Sein Schick­sal ist lei­der bei­spiel­haft für die Si­tua­ti­on vie­ler un­ab­hän­gi­ger Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten in zu­neh­mend au­to­ri­tä­ren oder auch dik­ta­to­ri­schen Ge­sell­schaf­ten.“

In sei­nem Buch „Ich wer­de die Welt nie wie­der­se­hen“be­rich­tet Al­tan von sei­ner Fest­nah­me und der Un­ter­su­chungs­haft, von Be­geg­nun­gen mit Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft. Au­ßer­dem por­trä­tiert er Mit­ge­fan­ge­ne. Sei­ne Be­rich­te zeug­ten „von ei­ner gro­ßen Stand­haf­tig­keit, vom Ent­schluss, trotz al­len Ent­beh­run­gen stär­ker zu sein als die Ver­neh­mer, An­klä­ger und Rich­ter“, heißt es in der Mit­tei­lung des Bör­sen­ver­eins. „In der Si­tua­ti­on größ­ter Un­frei­heit be­haup­tet Ah­met Al­tan auf ei­ne be­we­gen­de und mu­ti­ge Wei­se sei­ne in­ne­re Frei­heit.“

Die Aus­zeich­nung ist mit 10 000 Eu­ro do­tiert, die Ver­lei­hung soll am 25. No­vem­ber in der Au­la der Lud­wig-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät statt­fin­den.

Fo­to: Jan Wol­tas/dpa

In der Tür­kei in Ha: Ah­met Al­tan.

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