Ka­me­ra­mann will ei­nen Nach­schlag

Haller Tagblatt - - FEUILLETON -

„Das Boot“war ein Kas­sen­schla­ger. Jost Va­ca­no stand hin­ter der Ka­me­ra. Er will jetzt ei­nen An­teil an den Ein­nah­men.

Karls­ru­he. Seit vie­len Jah­ren kämpft der Chef­ka­me­ra­mann des Film­klas­si­kers „Das Boot“um mehr Geld für sei­nen An­teil am Er­folg – nun steht der Streit vor sei­ner Ent­schei­dung durch den Bun­des­ge­richts­hof (BGH). Der Fall wirft sehr grund­sätz­li­che und kom­pli­zier­te Fra­gen auf, wie die drei­stün­di­ge Ver­hand­lung in Karls­ru­he am Mitt­woch zeig­te. Ihr Ur­teil wol­len die obers­ten Zi­vil­rich­ter in den kom­men­den Mo­na­ten ver­kün­den (Az. I ZR 176/18).

Der Spiel­film von Re­gis­seur Wolf­gang Pe­ter­sen wur­de in sechs Ka­te­go­ri­en für den Os­car no­mi­niert und spiel­te vie­le Mil­lio­nen Eu­ro ein. Ka­me­ra­mann Jost Va­ca­no (85) hat­te für die Pro­duk­ti­on An­fang der 1980er Jah­re um­ge­rech­net et­wa 100 000 Eu­ro er­hal­ten – und will ei­ne Nach­ver­gü­tung durch­set­zen. Seit 2002 sieht der „Fair­ness­pa­ra­graf“im Ur­he­ber­recht die­se Mög­lich­keit vor, wenn ver­ein­bar­te Ge­gen­leis­tung und spä­ter er­ziel­te Er­trä­ge in auƒäl­li­gem Miss­ver­hält­nis ste­hen.

Das Ver­fah­ren vor dem BGH rich­tet sich ge­gen acht ARD-An­stal­ten, die „Das Boot“in ih­ren Pro­gram­men viel­fach aus­ge­strahlt ha­ben. Das Stutt­gar­ter Ober­lan­des­ge­richt (OLG) hat­te Va­ca­no da­für nach­träg­lich 2018 ins­ge­samt rund 315 000 Eu­ro plus Um­satz­steu­er zu­ge­spro­chen.

Da­ge­gen ha­ben bei­de Seiten Re­vi­si­on ein­ge­legt. „Das hat im­men­se wirt­schaft­li­che Be­deu­tung für die öƒent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten“, sag­te der BGH-An­walt der Sen­der. Ei­ne Schwie­rig­keit liegt dar­in, dass die über den Rund­funk­bei­trag fi­nan­zier­ten An­stal­ten durch die Aus­strah­lung kei­ne Ein­nah­men er­zie­len.

In ei­nem zwei­ten Ver­fah­ren un­ter an­de­rem ge­gen die Pro­duk­ti­ons­fir­ma hat­te das OLG Mün­chen Va­ca­no rund 588 000 Eu­ro zu­ge­spro­chen. Beim BGH ist ei­ne Be­schwer­de an­hän­gig, weil in die­sem Ver­fah­ren kei­ne Re­vi­si­on zu­ge­las­sen wur­de. Der Se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs will auch dar­über be­ra­ten.

Fo­to: dpa

Jost Va­ca­no vor sei­nem Stern am Pots­da­mer Platz.

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