Mit der Gon­del durch die Vi­deo-Welt

Volks­fest Das Fahr­ge­schäft „La­ser Pix“steht zum ers­ten Mal auf dem Cann­stat­ter Wa­sen. Laut den Be­trei­bern Oli­ver und Anna Jehn ist die mo­bi­le La­ser­bahn ein­zig­ar­tig in Eu­ro­pa. Von Rai­ner Lang

Haller Tagblatt - - STUTTGART UND UMGEBUNG -

Ni­co­le steigt mit ei­nem Lä­cheln aus dem Wa­gen, der aus­sieht wie ein bun­tes Bo­xau­to auf Schie­nen. „Da­mit kön­nen auch Kin­der fah­ren“, meint die jun­ge Stutt­gar­te­rin nach ih­rer ers­ten Fahrt im „La­ser Pix“er­leich­tert. Nor­ma­ler­wei­se be­kommt sie schon wei­che Knie, wenn sie nur an ei­ne Fahrt mit der Ach­ter­bahn denkt. Da geht es bei dem in­ter­ak­ti­ven Fahr­ge­schäft deut­lich ge­mäch­li­cher zu. „Nicht hö­her, schnel­ler, wei­ter ist un­ser Ziel, son­dern Un­ter­hal­tung für die gan­ze Fa­mi­lie mit in­no­va­ti­ven Mit­teln“, be­stä­tigt Oli­ver Jehn, der mit sei­ner Frau das Fahr­ge­schäft „La­ser Pix“be­treibt, das in die­sem Jahr zum ers­ten Mal beim Cann­stat­ter Volks­fest ist und bei der Pre­mie­re auf dem Wa­sen in Stutt­gart viel Auf­se­hen er­regt.

Ge­wurmt hat Ni­co­le nur, dass sie so schlecht ab­ge­schnit­ten hat beim Spiel wäh­rend der Fahrt. Denn in den Zwei­er-Wa­gen be­kommt je­der Mit­fah­rer ei­nen so­ge­nann­ten La­ser-Boos­ter, der so ähn­lich aus­sieht wie ei­ne Heiß­luft-Pis­to­le. Da­mit muss man wäh­rend der Fahrt in der Gon­del auf ver­schie­de­ne Ebe­nen so vie­le Zie­le wie mög­lich tre“en, um am En­de viel­leicht den High­s­core zu er­rei­chen. Die höchs­te Punkt­zahl hat Ni­co­le weit ver­fehlt und will es des­halb un­be­dingt noch ein­mal ver­su­chen.

Das vir­tu­el­le Spiel hat auch die Be­trei­ber Anna und Oli­ver Jehn fas­zi­niert. Bei ei­nem Be­such im Dis­ney­land Pa­ris ha­ben sie so ei­ne La­ser­bahn aus­pro­biert. „Weil mei­ne Frau beim ers­ten Mal mehr Punk­te er­zielt hat als ich, sind wir so lan­ge ge­fah­ren, bis ich bes­ser war“, er­in­nert sich Jehn la­chend. Der 32-Jäh­ri­ge, der selbst mit an­packt, wenn die Fahr­gäs­te in die Gon­deln stei­gen, freut sich, dass sein Fahr­ge­schäft bei der gan­zen Fa­mi­lie An­klang fin­det. Die Tech­nik ge­be es zwar schon seit et­wa zehn Jah­ren, aber nur fest in­stal­liert in Ver­gnü­gungs­parks, er­klärt der Be­trei­ber.

Nach dem Be­such in Pa­ris wa­ren die Jehns so be­geis­tert, dass sie selbst so ei­ne Bahn woll­ten. „Das hat uns nicht mehr los­ge­las­sen.“Mit ei­ner auf den Bau von Fahr­ge­schäf­ten spe­zia­li­sier­ten Fir­ma ha­ben sie zwei Jah­re lang die ers­te mo­bi­le La­ser­bahn in Eu­ro­pa ent­wi­ckelt. Seit Herbst 2017 ge­hen die Schau­stel­ler da­mit auf Tour­nee. In das Pro­jekt ha­be die Jehns im­mer­hin 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert. „Das hat vor­her nie­mand ge­wagt, weil der Trans­port der sen­si­blen Tech­nik nicht ein­fach ist“, er­klärt Jehn.

An­ge­legt ist das Gan­ze wie ei­ne Geis­ter­bahn auf meh­re­ren Ebe­nen. Mit den lang­sam fah­ren­den Gon­deln tau­chen die mit ih­ren „Pis­to­len“aus­ge­stat­te­ten Fahr­gäs­te in ei­ne vir­tu­el­le Welt ein, in der sich lau­ter bun­te Fi­gu­ren aus Vi­deo-Spie­len tum­meln. In die­ser ver­wir­ren­den Si­tua­ti­on gilt es dann, sei­ne Zie­le mit dem „La­ser-Boos­ter“zu tre“en. Das kann man im Wett­streit mit dem Mit­fah­rer tun, aber na­tür­lich auch in der Grup­pe. Die Er­geb­nis­se der ein­zel­nen Gon­deln er­schei­nen au­ßen auf ei­ner An­zei­ge.

Mit dem Trend zur Di­gi­ta­li­sie­rung er­ge­ben sich nach An­sicht von Jehn ganz neue For­men der Un­ter­hal­tung auf den Kir­mes­plät­zen. „Man muss mit der Zeit ge­hen“, sagt er. Die In­ter­ak­ti­vi­tät ge­fal­le auch den jun­gen Be­su­chern. An­ge­fan­gen mit der Düs­sel­dor­fer Kir­mes wa­ren die Jehns mit ih­rer Neu­heit bis­her nicht nur auf al­len re­nom­mier­ten Volks­fest­plät­zen in Deutsch­land, son­dern auch im be­nach­bar­ten Aus­land, wie in Hol­land, Lu­xem­burg und der Schweiz. Und über­all ha­be es ei­ne po­si­ti­ve Re­so­nanz ge­ge­ben, so Jehn.

Schon seit lan­gem ist die Fa­mi­lie auf be­son­de­re Fahr­ge­schäf­te spe­zia­li­siert. Jehn nennt als Bei­spiel den mehr als 30 Me­ter ho­hen Turm „Ika­rus“mit in der Hö­he an Aus­le­gern krei­sen­den und sich dre­hen­den Gon­deln, der vor knapp zwei Jahr­zehn­ten noch ein­zig­ar­tig ge­we­sen sei.

Der Schau­stel­ler stammt aus Ei­se­nach, wo die Fa­mi­lie mit Schieß­bu­den, Berg- und Tal­bah­nen star­te­te. Heu­te hat der Be­trieb sei­nen Sitz in Worms. Der Zu­spruch zu dem „ein­zig­ar­ti­gen, in­no­va­ti­ven und fahr­ba­ren Spaß für die gan­ze Fa­mi­lie“ist enorm, freut sich Oli­ver Jehn, der in sei­ner zu­pa­cken­den Art kon­se­quent auf In­no­va­ti­on setzt. Die zwei­te La­ser­bahn ist je­den­falls schon be­stellt.

Fo­to: Fer­di­nan­do Ian­no­ne

Oli­ver Jehn ist mit sei­nem Fahr­ge­schä zum ers­ten Mal auf dem Wa­sen. seit Herbst 2017 auf ver­schie­de­nen Volks­fest­plät­zen, die­ses Jahr

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