Täg­lich auf zu neu­en „Schwa­ben­teu­ern“ Li­te­ra­tur

Haller Tagblatt - - STUTTGART UND UMGEBUNG -

Jo-Kurt Ber­ger zeich­net Co­mics über Stutt­gart und die Re­gi­on. Es ist für ihn wie ei­ne The­ra­pie.

Stutt­gart. Mit Hu­mor geht al­les bes­ser. Auch bei Jo-Kurt Ber­ger. Er hat mit ei­nem or­dent­li­chen La­cher ei­nen Job an Land ge­zo­gen. 2014 stell­te der Stutt­gar­ter sich beim Ein­horn-Ver­lag in Schwä­bisch Gmünd als zweit­bes­ter Co­mic-Zeich­ner im Schwa­ben­land vor. Wie­so der Zweit­bes­te? Ant­wort: „Sie wer­den doch nicht den Erst­bes­ten neh­men wol­len?“Im Jahr drauf er­schie­nen sei­ne ers­ten Bil­der­ge­schich­ten.

Jo-Kurt Ber­gers Aben­teu­er spie­len im Schwa­ben­land und sind in Mun­d­art ge­schrie­ben – es sind „Schwa­ben­teu­er“. Es geht um „Bräscht­lings­g­s­älz“, um „Sch­pätz­le“und „Sch­päß­le“. Stutt­gart war zu­erst dran, seit­her sind Bän­de über den Ost­alb­kreis, den Rems-Murr-Kreis so­wie die Krei­se Tü­bin­gen und Ess­lin­gen er­schie­nen. Au­ßer­dem gibt es Son­der­co­mics, et­wa über das Rems­tal und die Gar­ten­schau. Wei­te­re Aus­ga­ben sind in der Ma­che. Ma­te­ri­al über die Krei­se Lud­wigs­burg und Freu­den­stadt liegt schon vor, auch an ei­nem Co­mic über Ulm und den Alb-Do­nauK­reis ar­bei­tet der 53-Jäh­ri­ge. Da­für schießt er vor Ort Fo­tos und zeich­net sie spä­ter ab.

Nur „reig’schmeckt“

Da­bei be­zeich­net sich Jo-Kurt Ber­ger – der Na­me ist ein Pseud­onym, das auf den Stutt­gar­ter Stadt­teil Berg an­spielt – als „Reig‘schmeck­ten“. Der Halb­dä­ne wohnt seit dem drit­ten Le­bens­jahr in der Re­gi­on, da­heim sei stets Hoch­deutsch an­ge­sagt ge­we­sen. In der Tat: Den Ur­schwob kauft man Jo-Kurt Ber­ger sprach­lich nicht ganz ab. „Ge­dank­lich bin ich aber zu 100 Pro­zent schwa­bi­fi­ziert“, ver­si­chert er la­chend.

Jo-Kurt Ber­ger hat sein Hob­by zum Be­ruf ge­macht. „Das Zeich­nen war im­mer mein Plä­sier.“Ge­lernt hat er aber et­was völ­lig an­de­res. Erst ar­bei­te­te er als Großund Au­ßen­han­dels­kauf­mann, spä­ter als Ret­tungs­sa­ni­tä­ter. Bis das Schick­sal zu­schlug. Ein Schlag­an­fall mit 42 Jah­ren. Hin­ter­her ha­be nichts mehr funk­tio­niert, die Er­in­ne­rung nicht, das Spre­chen nicht, das Ge­hen nicht. „Es war ei­ne sehr schwe­re Zeit. Ich wuss­te nicht mal mehr, was mir schmeckt und was nicht“, sagt der 53-Jäh­ri­ge.

Jo-Kurt Ber­ger ist in­zwi­schen Rent­ner. Kon­zen­tra­ti­ons- und Be­we­gungs­schwä­chen ma­chen es ihm un­mög­lich, ei­nem klas­si­schen Be­ruf nach­zu­ge­hen. Doch ha­dern möch­te er nicht mehr. Er spricht statt­des­sen von ei­nem gro­ßen Glück, ei­nem „Ge­schenk des Him­mels. Ich kann mich ver­ständ­lich ma­chen, ich kann lau­fen, ich kann le­sen“. Die Co­mics sei­en ei­ne gu­te Re­ha. Das Zeich­nen trai­nie­re die Fein­mo­to­rik, das Spie­len mit Wor­ten hal­te den Geist fit. Den Hu­mor o“en­bar auch. „Das ist mei­ne The­ra­pie, da­mit ich nicht kom­plett ver­blö­de“, sagt er.

Jo-Kurt Ber­ger er­litt mit 42 Jah­ren ei­nen Schlag­an­fall. Das Zeich­nen der Co­mics hal­te den Geist ˆt, sagt er.

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