Mit Voll­gas um die Stre­cke auf dem Acker

Karl Wied­mann vom MSV Büh­ler­tann hat beim hei­mi­schen Mo­to­cros­sRen­nen viel zu tun. Er küm­mert sich un­ter an­de­rem um den Nach­wuchs.

Haller Tagblatt - - VORDERSEIT­E - Von Vik­tor Ta­sch­ner

Büh­ler­tann. Karl Wied­mann ist Mo­to­cross-Ju­gend­lei­ter und Vor­stands­mit­glied des MSV Büh­ler­tann. Beim Heim­ren­nen an die­sem Wo­che­n­en­de will er auch selbst mit­fah­ren.

Beim MSV Büh­ler­tann nen­nen ihn al­le nur „Char­ly“. Seit knapp 40 Jah­ren fährt Karl Wied­mann Mo­to­cross-Ren­nen. Als MSV-Vor­stands­mit­glied und Ju­gend­lei­ter spricht er über das Heim­ren­nen in Büh­ler­tann, die Ent­wick­lung der Ma­schi­nen und über die At­tri­bu­te, die ein gu­ter Mo­to­cros­ser mit­brin­gen soll­te.

Herr Wied­mann, Sie lei­ten das Mo­to­cross-Ju­gend­trai­ning in Büh­ler­tann. Wis­sen Sie noch, wann Sie selbst das ers­te Ren­nen ge­fah­ren sind? Karl Wied­mann:

Das war 1980 in der Nä­he von Göp­pin­gen. Ich war 16 Jah­re alt. Ich hat­te schon ein biss­chen Er­fah­rung auf dem Mo­tor­rad, weil mein Va­ter auch schon ge­fah­ren ist und er mich da­zu ge­bracht hat. Bei mei­nem ers­ten Ren­nen gin­gen 179 Fah­rer an den Start. Nach dem Zeit­trai­ning war ich 149.

Das war qua­si mein ers­ter

Er­folg, weil ich 30 an­de­re hin­ter mir las­sen konn­te. Dar­auf ha­be ich auf­ge­baut und mich peu à peu nach vor­ne ge­ar­bei­tet.

Wie vie­le Kin­der be­treu­en Sie zur­zeit?

Das va­ri­iert zwi­schen sechs und zehn. Der Kleins­te ist erst vor Kur­zem fünf Jah­re alt ge­wor­den. Die Al­ters­gren­ze nach oben sind 16 Jah­re. Im Mo­ment ha­be ich aber nur die Klei­nen, die mit 50-Ku­bik- und 65-Ku­bik-Mo­tor­rä­dern fah­ren. Wir trai­nie­ren un­ter mei­ner An­lei­tung ein­mal in der Wo­che. Aber die Kin­der ha­ben vier­mal die Wo­che die Mög­lich­keit, selbst auf un­se­re Trai­nings­stre­cke zu ge­hen.

Was brin­gen Sie den Kin­dern als Ers­tes bei?

Das ist zum ei­nen die Hal­tung auf dem Mo­tor­rad, zum an­de­ren die Kur­ven­tech­nik. Das Gan­ze ver­mitt­le ich mit klei­nen Übun­gen, die Spaß ma­chen sol­len.

Was macht aus Ih­rer Sicht ei­nen gu­ten Mo­to­cross-Fah­rer aus?

In ers­ter Li­nie der Wil­le. Wenn man die­sen Sport be­trei­ben will, dann muss man zu 100 Pro­zent da­hin­ter­ste­hen. Das gilt auch für die Fa­mi­lie. Zu­dem braucht man ei­ne ge­wis­se Här­te zu sich selbst. Oh­ne Schweiß kein Preis. Um ein gu­ter Mo­to­cross­fah­rer zu wer­den, ge­hört viel Ar­beit auf und auch ne­ben dem Mo­tor­rad da­zu wie Lau­fen, Moun­tain­bi­ke­fah­ren und Kraft­trai­ning, da­mit man die nö­ti­ge Kondition auf­baut.

Und wie ver­kra‚et man am bes­ten ei­nen schwe­ren Sturz?

Ich hat­te auch schon ein paar Brü­che, mal Schlüs­sel­bein, mal Rip­pe und auch mal ei­nen Kreuz­band­riss im Knie. Das ge­hört ir­gend­wie da­zu, in an­de­ren Sport­ar­ten pas­siert so was eben­falls. Wenn man sich fit hält, dann kann man das Ver­let­zungs­ri­si­ko ver­rin­gern, aber man muss sich im Kla­ren sein, dass Mo­to­cross nicht un­ge­fähr­lich ist. Ich sa­ge im­mer: Wenn man ei­nen Sturz hat­te, der weh­ge­tan hat, dann soll man so bald wie mög­lich wie­der rauf aufs Mo­tor­rad, da­mit man die Angst schnell über­win­det.

Ge­hen Sie an die­sem Wo­che­n­en­de auch selbst an den Start?

Ja, ich ha­be es vor. Al­ler­dings möch­te ich am Sonn­tag nicht das GCC-Haupt­ren­nen be­strei­ten, weil es mit zwei St­un­den Renn­zeit mehr En­du­ro-Cha­rak­ter hat und ich Mo­to­cros­ser bin. Des­we­gen möch­te ich den Su­per­sprint fah­ren. Das dau­ert rund 45 Mi­nu­ten. Für mich ist das Büh­ler­tan­ner Ren­nen so­wie­so nur ein Test­lauf für die neue Sai­son, wenn ich wie­der bei der MSR-Se­rie an den Start ge­he.

Und am Sams­tag sind Sie als Renn­lei­ter im Ein­satz …

Ja, da küm­me­re ich mich un­ter an­de­rem um das Ren­nen der Klei­nen in der 50-Ku­bik­me­ter-Klas­se. Da fah­ren dann auch Kin­der mit, die ich trai­nie­re. Für man­che wird es das ers­te Ren­nen ih­res Le­bens sein. Die Stre­cke wird dann ver­kürzt und die schwie­ri­gen Sprün­ge raus­ge­nom­men.

Wel­che Be­son­der­heit hat die Büh­ler­tan­ner Stre­cke?

Was die­sen Kurs hier aus­zeich­net, ist der Wech­sel zwi­schen ganz schnel­len Pas­sa­gen und lang­sa­men Ab­schnit­ten wie bei­spiels­wei­se im Wald­stück. Das har­te An­brem­sen in ei­ne en­ge Kur­ve nach den lan­gen Ge­ra­den ist nicht ein­fach. Die vie­len Sprün­ge im hin­te­ren Teil der Stre­cke er­for­dern da­ge­gen viel tech­ni­sches Ge­schick. Die­ser per­ma­nen­te Wech­sel be­an­sprucht auch den Kopf. Da muss man die Kon­zen­tra­ti­on zwei St­un­den lang hoch­hal­ten, sonst tut es un­ter Um­stän­den weh.

Wie ha­ben sich die Mo­tor­rä­der ent­wi­ckelt im Ver­gleich zu Ih­rer An­fangs­zeit in den 1980er-Jah­ren?

Mein ers­tes Mo­tor­rad hat­te hin­ten noch zwei Stoß­dämp­fer. Be­reits ein Jahr spä­ter gab es dann die ers­ten Mo­del­le mit nur ei­nem Dämp­fer in der Mit­te. Da­nach wur­den zum Bei­spiel die Schei­ben­brem­sen ein­ge­führt, auch die Fahr­wer­ke und Mo­to­ren wur­den bes­ser. Selbst 125-Ku­bik-Rä­der hat­ten dann 15 PS mehr. Mitt­ler­wei­le fah­ren die meis­ten ei­nen Vier­tak­ter, wo­bei ich wei­ter­hin ei­nen Zwei­tak­ter be­nut­ze, weil ich mich dar­auf woh­ler füh­le.

Woran merkt man den Un­ter­schied zwi­schen Zwei- und Vier­tak­tern?

Die Zwei­tak­ter sind ag­gres­si­ver und sprit­zi­ger. Wenn man die­se Fahr­wei­se ge­wohnt ist, dann tut man sich schwer, sich auf ei­nen Vier­tak­ter um­zu­stel­len. Aber im Ver­gleich zu frü­her hat sich bei den Vier­tak­tern was Ver­ga­ser und Ein­sprit­zung be­trit schon sehr viel ver­än­dert. Der Kli­ma- und Um­welt­schutz ist

mo­men­tan ein gro­ßes po­li­ti­sches The­ma. Wer­den Sie zur­zeit als Mo­tor­sport­ler o‚ dar­auf an­ge­spro­chen?

Nein, das nicht. Aber der Mo­tor­sport hat sich schon im­mer mit dem Um­welt­as­pekt be­schäf­tigt. Zum Bei­spiel le­gen wir im­mer Mat­ten aus, wenn wir die Ket­te schmie­ren, da­mit nichts in den Bo­den ge­langt. Und von den Ab­ga­sen her wer­den die Mo­to­ren ja im­mer sau­be­rer. Heut­zu­ta­ge ist es ja oft so, dass oben schlech­te­re Luft rein­geht, als hin­ten wie­der raus­geht. Da wird aus mei­ner Sicht ein biss­chen in die fal­sche Rich­tung über­trie­ben.

Fo­to: Ufuk Ars­lan

Karl „Char­ly“Wied­mann vom MSV Büh­ler­tann sitzt auf sei­ner Su­zu­ki. Der Zwei­tak­ter hat 250 Ku­bik­zen­ti­me­ter Hu­b­raum.

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