Deut­scher Sen­sa­ti­ons­er­folg

Der 21-jäh­ri­ge Main­zer Ni­k­las Kaul steigt zum jüngs­ten Zehn­kampf-Cham­pi­on auf.

Haller Tagblatt - - VORDERSEIT­E -

Für Ni­k­las Kaul geht mit dem WM-Ti­tel ein Kind­heits­traum in Er­fül­lung. Die Kon­kur­renz traut dem 21-Jäh­ri­gen zu, dass er ei­ne neue Ära prä­gen kann.

ik­las Kaul lag um halb sechs mor­gens im Pool des Mar­riott-Mar­quisHo­tels, die Son­ne über Do­ha war ge­ra­de auf­ge­gan­gen, und der neue Zehn­kampf-Kö­nig ge­noss „ein­fach den Mo­ment“. Ei­ne Rie­sen­par­ty gab es nach dem spek­ta­ku­lä­ren WM-Tri­umph nicht, aber „ein Bier“hat er sich als Be­loh­nung für Gold ge­neh­migt.

Rich­tig ver­ar­bei­tet hat­te Kaul auch am Tag da­nach noch nicht, dass er nach ei­ner ir­ren Auf­hol­jagd mit nur 21 Jah­ren und 234 Ta­gen als jüngs­ter Zehn­kampf-Welt­meis­ter der Ge­schich­te sei­nen Thron be­stieg. „Da brau­che ich auch noch ein, zwei Ta­ge, um zu ver­ste­hen, was das am En­de be­deu­tet“, sag­te der Main­zer. Es war ja auch der rei­ne Wahn­sinn, was der Shoo­ting­star da im Kha­li­faS­ta­di­on ab­ge­lie­fert hat­te.

Vom 20. Platz nach der ers­ten Dis­zi­plin pflüg­te Kaul nach vor­ne,

Nvor den 1500 m war er nach ei­nem sen­sa­tio­nel­len Speer­wurf auf 79,05 m dann Drit­ter, Gold ge­riet plötz­lich in Reich­wei­te – und der von sei­nen El­tern in die Welt­spit­ze ge­führ­te Stu­dent sag­te sich: „Die­se Chan­ce be­kommst Du viel­leicht nie wie­der im Le­ben. Des­halb musst Du sie ge­nau jetzt nut­zen, egal, ob sie mich hin­ter­her aus dem Sta­di­on tra­gen müs­sen.“Kaul ging auf­recht hin­aus, mit Trä­nen in den Au­gen.

8691 Punk­te, WM-Gold, 60 000 Dol­lar (cir­ca 55 000 Eu­ro) Prä­mie, Num­mer fünf der ewi­gen deut­schen Bes­ten­lis­te, et­wa 900 Nach­rich­ten auf dem Han­dy, die Na­tio­nal­hym­ne bei der Sie­ger­eh­rung als emo­tio­na­ler Hö­he­punkt. „Da­mit geht ein Kind­heits­traum in Er­fül­lung“, sag­te Kaul, der als No­bo­dy an­reis­te und Ka­tar als Star ver­lässt: „Was jetzt noch kommt, ist Bo­nus.“

Auf dem Weg zu den Olym­pi­schen Spie­len 2020 in To­kio will Kaul jetzt „nichts groß an­ders ma­chen, es funk­tio­niert ja sehr gut“, sag­te das Su­per­ta­lent, dem es „gro­ßen Spaß“macht, als Er­be von Jür­gen Hing­sen und Co. „die Ge­schich­te wei­ter zu schrei­ben“.

Viel ge­lernt von Ash­ton Ea­ton

Sein Idol ist je­doch nicht et­wa der bis­her ein­zi­ge deut­sche Welt­meis­ter Tors­ten Voss, der 1987 Gold für die DDR ge­wann, son­dern Olym­pia­sie­ger Ash­ton Ea­ton. Den Ex-Welt­re­kord­ler hat­te Kaul 2016 in den USA be­sucht und ei­ni­ge Ta­ge mit ihm trai­niert. „Er hat mir bei­ge­bracht, wie man ent­spannt bleibt und sich vor gro­ßen Meis­ter­schaf­ten nicht stres­sen lässt“, sag­te Kaul. Er war of­fen­bar ein gu­ter Schü­ler. „Er ist fan­tas­tisch“, sag­te Ea­ton, Kauls Zu­kunft wer­de „sehr auf­re­gend. Er kann ei­ne Ära prä­gen.“

Da­für muss Kaul aber sei­ne we­ni­gen Schwä­chen ab­stel­len. Im Sprint und bei den Sprün­gen ha­be er „noch Nach­hol­be­darf“, um es mit ei­nem Ke­vin May­er in Top­form auf­neh­men zu kön­nen. In Do­ha muss­te der Welt­re­kord­ler aus Frank­reich we­gen ei­ner Achil­les­seh­nen­ver­let­zung wäh­rend des St­ab­hoch­sprungs auf­ge­ben.

Doch Kaul hat Zeit, er ist erst 21. Sein „ganz gro­ßes Ziel“sind Olym­pia in Pa­ris 2024 und in Los An­ge­les 2028. Da gibt es si­cher auch schö­ne Pools.

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