Aus­zeich­nung

Haller Tagblatt - - BLICK IN DIE WELT - Von Stef­fen Trumpf

Mehr als 900 Per­sön­lich­kei­ten sind bis­her mit ei­nem No­bel­preis ge­ehrt wor­den. Was sie der Mensch­heit ge­bracht ha­ben, zeigt ein Mu­se­um.

Die Vor­ga­be von Al­f­red No­bel war ein­deu­tig: Die nach ihm be­nann­ten No­bel­prei­se soll­ten die­je­ni­gen er­hal­ten, „die der Mensch­heit im ver­gan­ge­nen Jahr den größ­ten Nut­zen er­wie­sen ha­ben“– so steht es im Tes­ta­ment des Dy­na­mit-Er­fin­ders aus dem Jahr 1896. Noch heu­te fol­gen die Ver­ga­be­ko­mi­tees in Stockholm und Os­lo No­bels Wün­schen: Sie eh­ren Wis­sen­schaft­ler in den Ka­te­go­ri­en Me­di­zin, Phy­sik und Che­mie für ih­re bahn­bre­chen­den Ent­de­ckun­gen, zeich­nen Li­te­ra­ten für her­aus­ste­chen­de Wer­ke aus und wür­di­gen Per­sön­lich­kei­ten, die sich für Frie­den und die Ge­mein­schaft der Völ­ker ein­set­zen, mit dem Frie­dens­no­bel­preis. Kom­men­de Wo­che be­ginnt der dies­jäh­ri­ge Ver­ga­be-Rei­gen.

Der Wunsch No­bels hat­te zur Fol­ge, dass vie­le der größ­ten Wis­sen­schaft­ler, Schrift­stel­ler, Per­sön­lich­kei­ten und In­sti­tu­tio­nen des 20. und 21. Jahr­hun­derts aus­ge­zeich­net wur­den. 904 Aus­er­wähl­te und 24 Or­ga­ni­sa­tio­nen ha­ben den No­bel­preis zwi­schen 1901 und 2018 er­hal­ten, dar­un­ter vier Men­schen und das UN-Flücht­lings­hilfs­werk (UNHCR) gleich dop­pelt, das In­ter­na­tio­na­le Ko­mi­tee vom Ro­ten Kreuz (ICRC) so­gar drei­mal. Die No­bel­preis­trä­ger in ih­rer Viel­falt über ei­nen Kamm zu sche­ren, ist un­mög­lich. Doch eint sie wohl ei­nes: Sie ha­ben die Mensch­heit ein Stück wei­ter ge­bracht. „Die Preis­trä­ger ha­ben auf völ­lig un­ter­schied­li­che Wei­se da­zu bei­ge­tra­gen, die Welt zu ei­nem bes­se­ren Ort zu ma­chen“, ist die Lei­te­rin des No­bel­preis­mu­se­ums in Stockholm, Eri­ka Lan­ner, über­zeugt.

In ih­rem Mu­se­um läuft ge­ra­de ei­ne Aus­stel­lung an, die in ähn­li­cher Wei­se auch in In­di­en zu se­hen ist. „For the Grea­test Be­ne­fit to Hu­man­kind“, heißt sie an­ge­lehnt an No­bels gro­ße Wor­te. Ge­zeigt wird, wie Preis­trä­ger die Welt­ge­schich­te durch ih­re Ent­de­ckun­gen und Er­run­gen­schaf­ten vor­an­ge­bracht ha­ben – et­wa durch die Ent­de­ckung der an­ti­bio­tisch wir­ken­den Sub­stanz Pe­ni­cil­lin oder die Grün­dung des Ro­ten Kreu­zes.

Die Ar­bei­ten der Preis­trä­ger zeig­ten in ih­rer Ge­samt­heit, dass Ide­en wirk­lich die Welt ver­än­dern kön­nen, sagt Lan­ner. „Das ist ei­ne sehr hožnungs­vol­le Vor­stel­lung: Ein­zel­ne Per­so­nen – Wis­sen­schaft­ler, Schrift­stel­ler oder Leu­te, die in der Po­li­tik oder Frie­dens­ar­beit ak­tiv sind – kön­nen tat­säch­lich ei­nen ge­wal­ti­gen Un­ter­schied ma­chen, und das nicht nur auf theo­re­ti­scher Ebe­ne.“Ih­re Beiträge präg­ten die Art und Wei­se, wie die Mensch­heit heu­te le­be, wel­che Krank­hei­ten ge­heilt und wie der Pla­net ge­schützt wer­de.

„Die Wis­sen­schaft hat es uns er­mög­licht, Hin­der­nis­se zu über­win­den, von de­nen wir nicht ge­glaubt ha­ben, dass das mög­lich ist“, sagt Lan­ner. „Die Wis­sen­schaft ist die Hožnung, dass wir die gro­ßen Fra­gen und Her­aus­for­de­run­gen lö­sen, vor der die Mensch­heit heu­te steht.“

Doch braucht es da­zu die Aus­zeich­nung mit dem No­bel­preis? Nicht die Aus­sicht auf Aus­zeich­nun­gen, son­dern die Lei­den­schaft für die For­schung trei­be Wis­sen­schaft­ler an, be­tont Lan­ner. Ein wich­ti­ger Punkt frei­lich ist die gro­ße öžent­li­che Auf­merk­sam­keit, die No­bel­preis­trä­ger durch ih­re Aus­zeich­nung er­hal­ten. Und letzt­lich leh­re die Ge­schich­te des No­bel­prei­ses, dass Ve­rän­de­run­gen mög­lich sei­en und es im­mer ei­nen Weg nach vor­ne ge­be, sagt die Stock­hol­mer Mu­se­ums­lei­te­rin.

Eri­ka Lan­ner, Di­rek­to­rin des No­bel­preis­mu­se­ums in Stockholm.

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