Schwei­gen ist Gold

Haller Tagblatt - - STUTTGART UND UMGEBUNG - Caroline Ho­lo­wiecki

War­um geht man auf ein Kon­zert? Rich­tig, man möch­te die Mu­sik ei­ner be­stimm­ten Band oder ei­nes spe­zi­el­len Künst­lers hö­ren. Im­mer häu­fi­ger je­doch hört man et­was an­de­res. Das Ge­quat­sche der Leu­te. Ha­ben Sie sich auch schon dar­über ge­är­gert? Über das Pär­chen, die Cli­que oder die Freun­din­nen, die sich rotz­frech mit­ten hin­ein­stel­len und das Trat­schen an­fan­gen? „Och, was war das wie­der stres­sig heu­te in der Ar­beit.“„Ja, bei mir auch. Ju­li­an zahnt seit zwei Wo­chen.“Da­bei will man nur die­sem schö­nen Lie­bes­lied fol­gen.

Mit den un­zäh­li­gen Ins­ta­gram-Girls und -Boys, die nur aufs Han­dy star­ren, fil­men und Fo­tos schie­ßen, um dann in den so­zia­len Netz­wer­ken be­wei­sen zu kön­nen, dass sie wirk­lich und wahr­haf­tig teil­ge­nom­men ha­ben, hat man sich ja schon ab­ge­fun­den. Aber pri­va­tes Ge­ga­cker zwi­schen Men­schen, die für ein Mu­sik­erleb­nis Geld ge­zahlt ha­ben, ist ei­ne Un­sit­te und ego­is­tisch oben­drein. Glei­ches gilt im Üb­ri­gen fürs Ki­no. Wie zum Hen­ker kommt man auf die

Idee, wäh­rend ei­nes Films zu plau­dern oder – fast noch bes­ser – sei­ne Mails im grell leuch­ten­den Han­dy zu che­cken? Dann geht doch in die Kn­ei­pe!

Ihr seid zwar schei­ße, aber wir spie­len trotz­dem. Die Band „Sea+Air“zu ih­rem Pu­bli­kum

Und nein, lie­ber lang­ge­lock­ter LKA-Be­su­cher, es ist nicht mei­ne Auf­ga­be, mich nä­her an die Büh­ne zu drü­cken, um bes­ser zu hö­ren. Es ist dei­ne Auf­ga­be, an­de­ren Men­schen den nö­ti­gen Re­spekt ent­ge­gen­zu­brin­gen. Auch dem Künst­ler. Die Stutt­gar­ter Band „Sea+Air“soll 2014 ih­rem dau­er­schwät­zen­den Pu­bli­kum ent­ge­gen­ge­schleu­dert ha­ben: „Ihr seid zwar schei­ße, aber wir spie­len trotz­dem.“Re­den ist eben im­mer noch Silber, Schwei­gen ist Gold. Und ei­ne gu­te Kin­der­stu­be ist un­be­zahl­bar.

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