Jus­tiz

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL -

Die we­gen In­sol­venz­ver­schlep­pung an­ge­klag­ten ehe­ma­li­gen Ge­schäfts­füh­rer der Buch­hand­lung Bai­er in Crails­heim le­gen ein Ge­ständ­nis ab. Der Straf­rah­men ist fest­ge­legt, die Ver­hand­lung ver­kürzt.

at­säch­lich 15 Ver­hand­lungs­ta­ge we­gen ei­ner an­ge­klag­ten vor­sätz­li­chen In­sol­venz­ver­schlep­pung? Muss das sein? Nein.

Die Ge­schich­te der Crails­hei­mer Tra­di­ti­ons­buch­hand­lung Bai­er kann vor der Zeit end­gül­tig ab­ge­schlos­sen wer­den. Rich­te­rin Uta Herr­mann und drei Schö†en – bei ei­ner sol­chen Ver­hand­lung wird ein Er­satz ein­ge­plant –, Ober­staats­an­walt Peter Hum­bur­ger, drei An­wäl­te und die bei­den An­ge­klag­ten, Va­ter und Sohn Bai­er, se­hen ei­ner deut­lich re­du­zier­ten Ver­hand­lung mit be­schnit­te­ner Zeu­gen­lis­te ent­ge­gen. Das Er­geb­nis ei­nes Rechts­ge­sprächs war näm­lich nicht nur das Ein­gren­zen des zu er­war­ten­den Straf­ma­ßes, son­dern auch das um­fas­sen­de Ge­ständ­nis der An­ge­klag­ten, das gro­ße Tei­le der Be­weis­auf­nah­me hin­fäl­lig wer­den lässt.

TKei­ne Über­ra­schun­gen mehr

Soll­ten sich nicht ganz neue Aspek­te er­ge­ben, er­war­tet den Ju­ni­or, Ro­bert Bai­er, als Haupt­ver­ant­wort­li­chen ei­ne Haft­stra­fe von 20 Mo­na­ten bis zwei Jah­ren, die zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wer­den kann. Zu­dem ste­hen 360 Ar­beits­stun­den im Raum so­wie die „Ein­zie­hung von Wert­er­satz“in Hö­he von höchs­tens rund 94 000 Eu­ro – un­ter dem Schlag­wort „Straf­ta­ten dür­fen sich nicht loh­nen“wird dem Crails­hei­mer das ab­ver­langt, was ihm ins­be­son­de­re Pri­vatent­nah­men ein­ge­bracht ha­ben.

Ehe­frau nicht be­tei­ligt

In die­sem Rah­men wur­de be­tont, dass es „kei­ne un­be­rech­tig­ten Zah­lun­gen“an die Ehe­frau gab, dass die­se im Be­trieb ge­ring­fü­gig, al­so nicht so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig be­schäf­tigt war. Ge­gen sie wur­de zu­dem nicht er­mit­telt. Als Haus­ei­gen­tü­me­rin war sie bei Dar­le­hens­zah­lun­gen be­nannt und ent­spre­chend in der An­kla­ge­schrift auf­ge­führt wor­den, oh­ne be­tei­ligt zu sein.

Se­ni­or Sieg­fried Bai­er, 88, der Rich­te­rin Herr­mann zu­fol­ge eben­falls in „schlech­ten fi­nan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen“lebt und „vor ei­nem Scher­ben­hau­fen“steht, er­war­ten 140 bis 180 Ta­ges­sät­ze in Hö­he von zehn Eu­ro, al­ler­dings in Form ei­ner Ver­war­nung mit Straf­vor­be­halt, das ent­spricht ei­ner Geld­stra­fe, die zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wird. Bei ihm war aus­gie­big dar­über dis­ku­tiert wor­den, ob er über­haupt Kennt­nis von den Vor­gän­gen hat­te und ob das Ver­fah­ren wer­den soll­te.

Der Staats­an­walt hat an die­sem Punkt – wie mehr­fach in der Ver­hand­lung – die „schmerz­haft ge­tro†enen“Mit­ar­bei­ter an­ge­führt, die zu­letzt kein Ge­halt mehr er­hal­ten hat­ten, die nicht ab­ge­führ­ten So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, zu­dem die Viel­zahl der Tat­vor­wür­fe, die Hö­he der In­sol­venz­for­de­run­gen und die Dau­er der Zah­lungs­un­fä­hig­keit: Die In­sol­venz dau­er­te im­mer­hin ein­ein­halb Jah­re. Auch die Rich­te­rin ver­wies auf An­halts­punk­te da­für, dass der Se­ni­or et­wa bei der Ver­la­ge­rung des Schul­buch­ver­kaufs durch­aus Auf­ga­ben und Ver­ant­wort­lich­kei­ten über­nom­men ha­be.

Für bei­de An­ge­klag­ten spricht, dass sie nie straf­recht­lich in Er­schei­nung ge­tre­ten sind, dass die Ta­ten Jah­re zu­rück­lie­gen und dass es An­stren­gun­gen gab und gibt, den Scha­den wie­der gut­zu­ma­chen. Ei­ne gan­ze Rei­he von Straf­vor­wür­fen wird ein­ge­stellt, ins­be­son­de­re in Zu­sam­men­hang mit der Grund­stücks­fir­ma Bai­er, Ver­mie­te­rin der Buch­hand­lung. Der schma­le Grat zwi­schen Zah­lungs­un­fä­hig­keit und Über­schul­dung nicht ein­ge­stellt wur­de eben­so aus­ge­lo­tet wie der zwi­schen Fahr­läs­sig­keit und Vor­satz – bei­des straf­recht­lich re­le­vant. Im Zen­trum der Ver­hand­lung aber stan­den die Aus­füh­run­gen der An­ge­klag­ten.

Was der Ju­ni­or sagt

Rechts­an­walt Ti­mo Fuchs ver­las Ro­bert Bai­ers Stel­lung­nah­me. Sein Man­dant be­daue­re sehr, dass sein Va­ter auf der An­kla­ge­bank sit­ze. „Die An­kla­ge tri†t voll­um­fäng­lich zu.“Auch ei­ne Er­klä­rung gab es. Bai­er Ju­ni­or ha­be „die Au­gen ver­schlos­sen“, auch „aus ei­ner ge­schicht­li­chen Ent­wick­lung her­aus“Warn­hin­wei­se igno­riert: Mehr­fach wur­de wäh­rend der Ver­hand­lung auf­ge­zeigt, dass der Buch­han­del ein Sai­son­ge­schäft sei, der vom Weih­nachts- und vom Schul­buch­ver­kauf le­be. Bei den star­ken sai­so­na­len Schwan­kun­gen las­se sich ei­ne Ent­wick­lung leich­ter über­se­hen oder igno­rie­ren. Zu­dem war der Wert der Im­mo­bi­lie an der Karl­stra­ße ent­schei­den­der Fak­tor, den die Fa­mi­lie sehr viel hö­her an­setz­te als den Ver­kaufs­preis, der schließ­lich er­zielt wur­de. „In der sub­jek­ti­ven Vor­stel­lung ei­ner mil­lio­nen­schwe­ren Im­mo­bi­lie als Hin­ter­grund ist er nicht se­hen­den Au­ges in die Kri­se ge­gan­gen“, so

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