Vom Gleich­ge­wicht im Grün sanf­ter Hü­gel

Au­to­ren ha­ben sich mit dem Hei­mat­be­griff be­fasst, dar­un­ter auch die Lan­gen­bur­ge­rin Ka­rin Fried­le-Un­ger.

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL - Ralf Snu­ra­wa

Lan­gen­burg. Was ist das ei­gent­lich, Hei­mat? Oder viel­mehr: Was kann es ge­ra­de heu­te sein? Die­se Fra­ge stell­te Ka­rin Fried­le-Un­ger ih­ren Gäs­ten in At­zen­rod zum Li­te­ra­tur­früh­stück am Tag der Deut­schen Ein­heit.

150 Tex­te auf 450 Sei­ten

Im Mit­tel­punkt des Li­te­ra­tur­früh­stücks zu Hau­se bei Fried­le-Un­ger stand die Antho­lo­gie „All Over Hei­mat“. Die Her­aus­ge­ber Mat­thi­as En­gels, Thomas Ka­de und Thors­ten Tre­len­berg hat­ten Dich­ter und Schrift­stel­ler aus 27 Na­tio­nen ge­fragt, was ih­nen zum The­ma Hei­mat ein­fällt. Die Ant­wor­ten von 150 der ins­ge­samt 1000 Au­to­ren, die ge­schrie­ben hat­ten, fan­den Platz in ei­nem fast 450 Sei­ten di­cken Buch.

Ver­legt hat es Ka­ren Grol vom Ver­lag „Sto­ries & Fri­ends“. Sie war eben­falls nach At­zen­rod ge­kom­men und be­rich­te­te et­was über die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Ban­des. Sie wies auch dar­auf hin, dass der Ge­samt­er­lös aus dem Pro­jekt an den von Ra­fik Scha­mi ge­grün­de­ten Schams-Ver­ein geht. Die­se Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on küm­mert sich um sy­ri­sche Kin­der, die um ih­re Hei­mat ge­bracht wur­den und nun zu­meist in La­gern in den Nach­bar­län­dern Sy­ri­ens le­ben müs­sen.

Ka­rin Fried­le-Un­ger selbst hat­te eben­falls ei­ni­ge Tex­te ein­ge­sandt. „Mei­ne Ge­schich­te“heißt der dann ab­ge­druck­te kur­ze Text, den sie zum Li­te­ra­tur­früh­stück vor­trug: „Ehr­lich ge­sagt, wä­re es mir lie­ber, mei­ne Ge­schich­te spiel­te ir­gend­wo in Frank­reich.“Aber: „Je­der Le­ser wür­de es so­fort be­mer­ken, wenn ich den Schau­platz aus ei­ner per­sön­li­chen Vor­lie­be ein­fach ins Nach­bar­land ver­scho­ben hät­te.“

Zwei wei­te­re Au­to­ren, von de­nen Tex­te in „All Over Hei­mat“verö›ent­licht wur­den, tru­gen eben­falls vor. Da­zu ge­hör­te Jut­ta von Och­sen­stein-Nick. Die Frie­dens­be­we­gung hat­te einst da­für ge­sorgt, dass es sie aus ih­rer Hei­mat in Ro­ten­burg bei Ful­da – in „Fahr­rad­nä­he“zur da­ma­li­gen DDR-Gren­ze – nach Mut­lan­gen ver­schlug. Für sie ist Hei­mat et­wa Gleich­ge­wicht, das man „im Grün sanf­ter Hü­gel“fin­den kön­ne.

In „Mein Flucht­land“ver­setz­te sie sich in die Si­tua­ti­on von Flücht­lin­gen und kam zur Au›as­sung, dass die Son­ne „we­nig in der Frem­de“wär­me. „Un­ru­he“mach­te sie in ei­nem an­de­ren Ge­dicht über die Kar­pa­ten aus, in de­nen die Zeit ste­hen ge­blie­ben zu sein scheint. Auch das Zwi­schen­mensch­li­che be­leuch­te­te sie un­ter dem Be­gri› Hei­mat in „Ein Du“.

Zum an­de­ren war der in Co­burg le­ben­de Au­tor Man­fred Kern ver­tre­ten. Er be­schrieb in ei­nem Ge­dicht aus sei­ner Samm­lung „Hei­mat­song“sei­ne Hei­mat und ver­such­te da auch die Hei­mat in Bü­chern zu su­chen und zu fin­den. Ist Hei­mat das Haus der El­tern? Und was, wenn es ver­las­sen ist oder Frem­de es in­zwi­schen be­woh­nen – wo ist Hei­mat dann? In den We­gen oder Bäu­men in der Nä­he? Ist Hei­mat die Fa­mi­lie, zu der et­wa der „On­kel Guschtl“ge­hört?

Kern be­trach­te­te auch die Pro­ble­ma­tik, dass rechts­ge­rich­te­te Per­so­nen den Hei­mat­be­gri› wie­der für sich ver­ein­nah­men wol­len. Er füh­le sich „vom Fa­schis­mus be­spritzt“, denn der „Vo­gel­schiss“, wie der AfD-Po­li­ti­ker Alex­an­der Gau­land die NS-Zeit nann­te, sei „nur ei­nen Schiss weit von uns ent­fernt“. Da­für gab‘s reich­lich Bei­fall von den et­wa 20 Früh­stücks­gäs­ten.

Ver­le­ge­rin Ka­ren Grol beim Li­te­ra­tur­früh­stück, zu dem Ka­rin Fried­le-Un­ger ge­la­den hat­te.

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