Ein­heit in Viel­falt

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL -

Am 3. Ok­to­ber war häu­fig da­von die Re­de, dass die deut­sche Ein­heit längst nicht voll­endet ist. Ge­meint ist da­bei meist die An­glei­chung der ma­te­ri­el­len Le­bens­ver­hält­nis­se, die na­tür­lich er­stre­bens­wert ist, um so­zia­le Spal­tun­gen zu über­win­den. Ei­ne ein­heit­li­che Iden­ti­tät dürf­te aber il­lu­so­risch sein. Die gibt es nicht ein­mal in „dem Os­ten“, wie er aus hie­si­ger Per­spek­ti­ve gern ver­ein­heit­licht wird. In Ber­lin, an der Ost­see­küs­te, im Erz­ge­bir­ge oder im frän­kisch ge­präg­ten Süd­thü­rin­gen wer­den völ­lig un­ter­schied­li­che Iden­ti­tä­ten ge­pflegt. Im klei­ne­ren Maß­stab gilt das auch für den Land­kreis Hall. Der Main­hard­ter Wald ist seit je­her ei­ne Welt für sich, Hall und Crails­heim pfle­gen ih­re Ri­va­li­tät, das obe­re Büh­ler­tal ist schwä­bisch-ka­tho­lisch und das länd­li­che Ho­hen­lo­he-Fran­ken nörd­lich der A6 stolz auf sei­ne ei­ge­nen Dia­lek­te und Tra­di­tio­nen. Wer soll­te dies al­les ver-„Ein­heit“-li­chen wol­len? Wenn schon Ein­heit, dann Ein­heit in Viel­falt.

Wer Sig­mund Jähn am 3. Ok­to­ber letz­ten Jah­res bei den Fei­er­lich­kei­ten zum Tag der Deut­schen Ein­heit auf Schloss Stet­ten er­leb­te, hät­te nicht für mög­lich ge­hal­ten, dass er we­ni­ger als ein Jahr spä­ter tot sein wür­de. Der ers­te Deut­sche im Wel­tall mach­te für sei­ne 81 Jah­re ei­nen fit­ten Ein­druck, plau­der­te über sei­ne Kind­heit in der frü­hen DDR, sei­nen Flug ins All und sei­ne Freund­schaft mit Alex­an­der Gerst. Vor rund zwei Wo­chen starb Jähn in Straus­berg. Zum tra­di­tio­nel­len Emp­fang auf Schloss Stet­ten sprach letz­ten Don­ners­tag – ein Jahr nach Jähn – der un­ga­ri­sche Bot­schaf­ter Pé­ter Györ­kös. „Un­garn hat den ers­ten St­ein aus der Ber­li­ner Mau­er her­aus­ge­bro­chen“, er­in­ner­te er an den Som­mer 1989. Meh­re­re Hun­dert DDR-Bür­ger flüch­te­ten da­mals über die oˆene Gren­ze nach Ös­ter­reich.

Rund 20 Pro­zent der rund 1300 Mit­ar­bei­ter der Kreis­ver­wal­tung be­zie­hen ih­re neu­en Bü­ros im Karl-Kurz-Are­al. Da­bei blei­ben 800 Qua­drat­me­ter als Op­ti­ons­flä­che üb­rig – vor­erst lee­re Flä­chen für Neu­ein­stel­lun­gen. Schon heu­te ge­hört die Kreis­ver­wal­tung zu den größ­ten Ar­beit­ge­bern der Re­gi­on. Le­dig­lich ei­ne hand­voll Un­ter­neh­men hat mehr. Im Hal­ler Di­ak zum Bei­spiel ar­bei­ten mehr als 2000 Men­schen, bei der Bau­spar­kas­se über 3000 und bei Würth in Kün­zel­sau-Gais­bach rund 7000. Welt­weit be­schäf­tigt die Würth-Grup­pe über 70 000 Mit­ar­bei­ter. Doch im Ver­gleich zu Deutsch­lands größ­tem Ar­beit­ge­ber er­scheint Würth fast wie ein Zwerg. Der Ede­ka-Ver­bund hat bun­des­weit mehr als

300 000 Mit­ar­bei­ter.

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