„Gibt kei­nen Grund, et­was zu än­dern“

Al­ba Ber­lin ver­zich­tet auf sei­ne Tän­ze­rin­nen. Bei den Mer­lins blei­ben sie fes­ter Be­stand­teil des Spiels.

Haller Tagblatt - - SPORT - Joa­chim May­ers­ho­fer

Crails­heim. Al­ba Ber­lin ver­zich­tet in die­ser Sai­son auf die Auf­trit­te der Al­ba-Dan­cers in den Spiel­un­ter­bre­chun­gen. „Die Al­baDan­cers ha­ben in den letz­ten 25 Jah­ren Tol­les ge­leis­tet. Sie sind mehr­fach als das bes­te Dan­ceTeam Eu­ro­pas aus­ge­zeich­net wor­den. Die­ses En­ga­ge­ment möch­te ich aus­drück­lich wür­di­gen und mich von gan­zem Her­zen im Na­men un­se­res Klubs da­für be­dan­ken“, er­klärt Al­ba-Ge­schäfts­füh­rer Mar­co Bal­di auf der Home­page des Ver­eins. „Wir sind aber zu der Über­zeu­gung ge­kom­men, dass das Auf­tre­ten jun­ger Frau­en als at­trak­ti­ve Pau­sen­fül­ler bei Sport­events nicht mehr in un­se­re Zeit passt. Es ist uns be­wusst, dass nicht we­ni­ge Fans die Al­ba-Dan­cers ver­mis­sen wer­den.“Bei den Heim­spie­len sei der Ein­druck ent­stan­den, dass Frau­en bei Al­ba vor al­lem für die tan­zen­de Pau­sen­un­ter­hal­tung zu­stän­dig sei­en, wäh­rend Män­ner Basketball spie­len, so Bal­di wei­ter. „Die Rea­li­tät in un­se­rem Klub ist ei­ne an­de­re: Mit un­se­rem brei­ten Ju­gend­pro­gramm sind wir ein wich­ti­ger So­zi­al­ak­teur ge­wor­den, der Mäd­chen und Jun­gen glei­cher­ma­ßen für un­se­ren Sport be­geis­tert. Wir wol­len zu­künf­tig noch stär­ker för­dern, dass Frau­en im Basketball als Spie­le­rin­nen sicht­bar und zu Vor­bil­dern wer­den. Wir ha­ben be­reits heu­te die mit Ab­stand größ­te Mäd­chen­und Frau­en­bas­ket­ball­ab­tei­lung Deutsch­lands“, wird Bal­di zi­tiert.

„Es ist kurz­wei­lig“

Bei den Crails­hei­mer Bas­ket­bal­lern sor­gen seit mehr als zwei Jahr­zehn­ten Ti­na Est­ner und ih­re Tän­ze­rin­nen und Tän­zer der Mo­vin Dan­ce School für die Pau­sen­un­ter­hal­tung. Mar­tin Ro­mig er­klär­te im In­ter­view bei Ma­gent­asport in der Halb­zeit des Ol­den­burg-Spiels: „Je­der Stand­ort darf für sich selbst ent­schei­den. Was Mar­co da ge­rit­ten hat, weiß ich nicht. Ich wer­de ihn si­cher beim nächs­ten Tre¢en mal fra­gen bei ei­nem Bier­chen. Das was in Ber­lin gilt, muss nicht in Crails­heim gel­ten. Es ist Teil der Show, es ist kurz­wei­lig. Die Mä­dels ha­ben Spaß da­ran. Für uns gibt es kei­nen Grund, da et­was zu än­dern.

Über die­se Aus­sa­ge kann sich Ti­na Est­ner freu­en. „Wir tan­zen jetzt schon seit 1993 eh­ren­amt­lich für die Crails­heim Mer­lins. Bis vor zwei Jah­ren als Mer­lin­sDan­ce-Team, und seit­her läuft die Er­wach­se­nen­grup­pe un­ter dem Na­men Kan­ti­ne Dy­na­mi­tes“, geht sie auf die lang­jäh­ri­ge Ver­bin­dung mit den Crails­hei­mer Bas­ket­bal­lern ein. „Durch mei­nen Back­ground wa­ren wir schon im­mer – im Ge­gen­satz zu vie­len Cheer­lea­der­teams zu Be­ginn in den Li­gen – ein Dan­ce-Team und in­te­grier­ten schon früh auch männ­li­che Cheer­lea­der be­zie­hungs­wei­se Tän­zer und Kin­der in die Aus­zei­ten und die ge­sam­te Show. Da hängt al­so nach wie vor viel per­sön­li­ches Herz­blut an den Mer­lins, aber auch viel Trai­ning, was man in den we­ni­gen Se­kun­den, die uns zur Ver­fü­gung ste­hen, manch­mal gar nicht se­hen kann.“Es ma­che den bis zu 100 Tän­ze­rin­nen und Tän­zern – so vie­le wa­ren es zum Bei­spiel frü­her bei den Weih­nachts­spie­len – „aus Kids, Te­ens und Er­wach­se­nen im­mer viel Spaß, für Stim­mung in der Hal­le zu sor­gen, was na­tür­lich oft­mals ab­hän­gig vom Spiel­stand ist“, be­tont Est­ner und fügt an, dass sie es „sehr scha­de“fin­de, dass die Ver­ant­wort­li­chen von Al­ba Ber­lin ent­schie­den ha­ben, die Cheer­lea­der nicht mehr bei den Heim­spie­len ein­zu­set­zen. „Die Al­ba-Cheer­lea­der wa­ren als pro­fes­sio­nel­le Cheer­lea­der ein Aus­hän­ge­schild in Deutsch­land. Na­tür­lich si­cher­lich auch mit ho­hen Kos­ten ver­bun­den. Und da die Ent­schei­dung so kurz vor Sai­son­start erst be­kannt ge­ge­ben wur­de, weiß ich nicht ge­nau, ob der an­ge­führ­te Grund ,nicht zeit­ge­mäß’ ein­zig da­für aus­schlag­ge­bend war.“

Da die Mo­vin Dan­ce School ei­ne en­ge Ver­bin­dung zur Tän­zer­sze­ne nach Ber­lin pfle­ge, wä­re es si­cher­lich denk­bar ge­we­sen, eben­so männ­li­che Tän­zer in Shows zu in­te­grie­ren, er­klärt Ti­na Est­ner. „Ins­ge­samt ei­ne trau­ri­ge Ent­schei­dung, und ich bin ge­spannt, ob Al­bas Ent­schei­dung, sei­nem Pu­bli­kum kei­ne Aus­zeit­und Pau­sen­shows mehr zu prä­sen­tie­ren, so blei­ben wird.“

Fo­to: Lu­ca Schmidt

Die Tän­ze­rin­nen und Tän­zer der Mo­vin Dan­ce School las­sen sich im­mer wie­der krea­ti­ve Ein­la­gen ein­fal­len.

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