Glück, das in Fa­mi­li­en­häu­ser ein­zieht

Der Di­plom­psy­cho­lo­ge Thomas Fuchs be­rich­tet in Schroz­berg von ver­zwei­fel­ten El­tern und strah­len­den Ster­nen. Er will ei­ne An­lei­tung auf der Ach­ter­bahn des Le­bens mit Kin­dern ge­ben. Von Ma­nue­la Schlecht

Haller Tagblatt - - FAMILIE KINDER -

Je­der, der Kin­der hat, war wohl schon mal an dem Punkt, an dem er sich nicht mehr so über das Glück, wel­che zu ha­ben, freu­en konn­te. Mal ist es der Schul­druck, mal Ge­schwis­ter­strei­te­rei­en, mal das ei­ge­ne Ich, das stän­dig zu­rück­ste­cken muss und, und, und. Es gibt vie­le Er­zie­hungs­ratge­ber, die ei­ge­nen El­tern, Schwie­ger­el­tern und Freun­de, die nicht da­mit spa­ren, Tipps zu ge­ben. Man be­kommt schnell das Ge­fühl, al­les falsch zu ma­chen.

Da­bei ge­nü­ge meist ein klei­ner Wech­sel der Blick­rich­tung, um ein ent­spann­tes und glück­li­ches Mit­ein­an­der in der Fa­mi­lie zu er­le­ben. Ver­gan­ge­nen Mon­tag war Thomas Fuchs, Kin­der- und Ju­gend­psy­cho­lo­ge, mit sei­nem Vor­trag „Fa­mi­li­en­glück“zu Gast im Schroz­ber­ger Schloss.

Er ist pro­mo­vier­ter Di­plom­psy­cho­lo­ge, Buch­au­tor, Su­per­vi­sor und Lehr­be­auf­trag­ter. Er hält Vor­trä­ge, hat ei­ne ei­ge­ne Pra­xis für Kin­der- und Ju­gend­psy­cho­lo­gie und vor al­lem ist er – Va­ter drei­er Kin­der.

Bei all den di­gi­ta­len Mög­lich­kei­ten, sich über Pro­ble­me in der Fa­mi­lie aus­zu­tau­schen, Rat­schlä­ge ein­zu­ho­len, sich und sei­ne Kin­der stän­dig zu ver­glei­chen, wün­schen sich vie­le nur ei­nes: ei­nen si­che­ren Leit­fa­den, wie man es rich­tig macht.

„Zu­erst möch­te ich mit Ih­nen das Haus des Fa­mi­li­en­glücks bau­en. Je­des Ele­ment ist un­ver­zicht­bar und wird für ein sta­bi­les Haus be­nö­tigt“, er­klärt Thomas Fuchs. Er zeig­te mit­hil­fe von Lein­wand und Bea­mer ein Haus mit vier Fun­da­men­ten, Säu­len und ei­nem gro­ßen Dach.

Kin­der sind wie CD-Roh­lin­ge, je­de noch so klei­ne Aus­sa­ge hin­ter­lässt dar­auf ih­re Spu­ren. Ak­zep­tie­ren Sie die Ein­zig­ar­tig­keit Ih­res Kin­des, stär­ken Sie die Stär­ken.

Die Baustei­ne des Fun­da­ments sind das Grund­be­dürf­nis Kon­trol­le, Lust­ge­winn und Un­lust­ver­mei­dung so­wie als vier­tes die Bin­dung. Die Bin­dung zum Kind muss un­ab­hän­gig von Leis­tung und Be­din­gun­gen sein. Egal, ob man selbst Stress mit dem Chef hat­te oder die Ma­the­ar­beit nicht zu­frie­den­stel­lend aus­ge­fal­len ist. Zu je­dem Baustein er­zähl­te er an­schau­li­che Fall­bei­spie­le aus der Pra­xis. So man­cher Gast er­kann­te sich da­bei selbst oder zu­min­dest ei­ne Si­tua­ti­on im ei­ge­nen Um­gang mit sich und den Kin­dern wie­der.

Es sei wich­tig, den Druck und die ei­ge­ne Er­war­tungs­hal­tung dem Kind ge­gen­über her­aus­zu­neh­men. „Das Kind ist nicht da­zu da, Ih­re Er­war­tun­gen zu er­fül­len.“Man sol­le sei­ne ei­ge­nen Wün­sche und Vor­stel­lun­gen, was das Ver­hal­ten des Kin­des, die schu­li­schen Leis­tun­gen oder gar die Be­rufs­ide­en an­geht, nicht auf das Kind über­tra­gen.

Als Bei­spiel nann­te er ein Aka­de­mi­ker-Ehe­paar, das im stän­di­gen Fa­mi­li­en­streit leb­te, weil der Sohn kei­ne Lust auf Schu­le hat­te. „Sie ha­ben ihn nach un­se­ren Tre‚en aus der Schu­le ge­nom­men. Nach­dem der Jun­ge ei­ne Aus­bil­dung als Kfz-Mecha­ni­ker an­ge­fan­gen hat­te, war der Krieg vor­bei und das Kind war, eben­so wie die El­tern, glück­lich.“

Durch die auf das Fun­da­ment ge­bau­ten Säu­len zeig­te Thomas Fuchs, wie man die Grund­be­dürf­nis­se des Kin­des im Au­ge be­hal­ten kann. „Die ers­te Säu­le ist die ‚Selbst­wert­er­hö­hung’. Kin­der brau­chen da­zu ih­re El­tern, sie kön­nen das nicht selbst. Wich­tig ist, Kin­der nicht ab­zu­wer­ten. Kin­der sind wie CD-Roh­lin­ge, je­de noch so klei­ne Aus­sa­ge hin­ter­lässt dar­auf ih­re Spu­ren.“Der Psy­cho­lo­ge rät au­ßer­dem: „Ak­zep­tie­ren Sie die Ein­zig­ar­tig­keit Ih­res Kin­des, stär­ken Sie die Stär­ken“, er­läu­tert Fuchs. „Aus ei­nem Haupt­schü­ler wird durch DruckNach­hil­fe kein Gym­na­si­ast.“

Eben­so un­er­läss­lich sei es, auf sich selbst als El­tern zu schau­en: „Was sind mei­ne per­sön­li­chen Fer­tig­ma­cher?“, nennt Fuchs ei­nen Denk­an­stoß, falls sich El­tern zwi­schen­durch als schlech­te Mut­ter oder schlech­ter Va­ter füh­len. „Sei­en Sie ru­hig wü­tend oder trau­rig, aber nicht all­zu lan­ge. Und wer­ten Sie sich und das Kind nicht ab“, rät Fuchs. Re­geln gä­ben Ori­en­tie­rung.

Zu gu­ter Letzt kommt das Dach auf das Haus des Fa­mi­li­en­glücks: die Be­zie­hung der El­tern. Das Dach hält al­les zu­sam­men.

Nach hu­mor­vol­len zwei St­un­den stand Thomas Fuchs dem Pu­bli­kum noch Re­de und Ant­wort. Das Fa­zit, das die Zu­hö­rer für sich mit­neh­men konn­ten, lau­tet: Kin­der sind im­mer strah­len­de Ster­ne. Sie ver­hal­ten sich nur ab und an un­güns­tig.

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