Einst Part­ner, jetzt Geg­ner

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Ma­thi­as Pud­dig zur SPD-Kri­tik an den Grü­nen

Rolf Müt­zenich ist fürs po­li­ti­sche Ge­schäft ein eher un­ge­wöhn­li­cher Typ. Er ist höf­lich im Um­gang und be­son­nen in der Ar­gu­men­ta­ti­on. Po­li­ti­sche Knal­leek­te sind ihm fremd. Um­so schwe­rer wiegt es, wenn der SPD-Frak­ti­ons­chef aus­ge­rech­net ge­gen die Grü­nen ei­nes der schärfs­ten Schwer­ter zieht, das den So­zi­al­de­mo­kra­ten zur Ver­fü­gung steht: Er nennt die Öko­par­tei „neo­li­be­ral“– und ver­rät da­bei mehr über die Si­tua­ti­on in sei­ner ei­ge­nen Par­tei als über die bei den Grü­nen.

Denn die SPD fin­det der­zeit kei­nen Um­gang den Grü­nen. Erst hieß es, die SPD dür­fe nicht „grü­ner als die Grü­nen“wer­den, dann rück­te die Kli­ma­ka­ta­stro­phe auf der po­li­ti­schen Agen­da nach oben und mit ihr die Um­fra­ge­wer­te der Grü­nen. Die SPD ver­stand, dass sie sich vor Kli­ma­po­li­tik nicht drü­cken kann und warb für Maß­nah­men ge­gen die Ka­ta­stro­phe oh­ne so­zia­le Här­ten. Das hät­te sie – im­mer­hin Noch-Re­gie­rungs­par­tei – oen­siv ver­tre­ten und auch um­set­zen kön­nen. Statt­des­sen schoss sie sich aber auf die Grü­nen ein. Füh­ren­de Ge­nos­sen kri­ti­sier­ten de­ren Po­li­tik als „Li­fe­style“, als „un­ge­recht“und jetzt eben als „neo­li­be­ral“. Zur Er­in­ne­rung: Als es noch ein rot-grü­nes Pro­jekt gab, wur­de mit die­sem Eti­kett die

FDP ver­ächt­lich ge­macht.

Vom rot-grü­nen Pro­jekt ist nicht nur rech­ne­risch nicht mehr viel üb­rig. Viel schlech­ter kann die Stim­mung zwi­schen SPD und Grü­nen kaum noch wer­den. Doch an­ders als frü­her dürf­te das den Grü­nen egal sein. Sie sind nicht nur stark, son­dern auch stra­te­gisch gut auf­ge­stellt. Sie ha­ben ei­ne Rei­he po­ten­zi­el­ler Ko­ali­ti­ons­part­ner, wäh­rend die SPD not­ge­drun­gen auf ein Links­bünd­nis setzt. Oh­ne die Grü­nen bleibt der SPD des­halb nur die Op­po­si­ti­on.

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