Über­hol­te Re­vo­lu­ti­on

Für den Tou­ris­mus war der Eu­ro­che­que ein­mal sehr wich­tig. 50 Jah­re nach sei­ner Ein­füh­rung hat ihn die Kre­dit­kar­te be­siegt.

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT - Von Rolf Obert­reis

Es ist zwei­fel­haft, ob heu­te noch je­mand ei­nen Eu­ro­che­que ak­zep­tiert. Jörg Ber­na­dy Bun­des­bank-Spre­cher

Für jün­ge­re und jun­ge Men­schen dürf­te es ein Fremd­wort sein. Vom Eu­ro­che­que dürf­ten sie kaum et­was ge­hört ha­ben. Das ist in­so­fern nicht tra­gisch, weil der Eu­ro­che­que heu­te kei­ne Re­le­vanz mehr hat. Das war En­de der acht­zi­ger Jah­re des vo­ri­gen Jahr­hun­derts noch ganz an­ders. Ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro­che­ques wur­den et­wa 1988 eu­ro­pa­weit aus­ge­stellt im Wert von um­ge­rech­net mehr als 75 Mrd. €. 30 Jah­re spä­ter spie­len Pa­pier­schecks im eu­ro­päi­schen Zah­lungs­ver­kehr ganz im Ge­gen­satz zu den USA kei­ne Rol­le mehr. 2018 wur­den nach An­ga­ben der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) nur noch 1,3 Pro­zent al­ler Zah­lun­gen im Eu­ro­raum mit Schecks be­gli­chen.

Am 1. Mai 1969 wur­de der Eu­ro­che­que zu­sam­men mit der Eu­ro­che­que­kar­te ein­ge­führt. Es war ei­ne bahn­bre­chen­de Um­wäl­zung. Bis da­hin gab es nur Schecks für Zah­lun­gen im In­land. Jen­seits der Gren­ze wur­den sie für Aus­zah­lun­gen und Zah­lun­gen nicht ak­zep­tiert. Wer – und das wa­ren we­gen der zu­neh­men­den Ur­laubs­rei­sen im­mer mehr Men­schen – ins eu­ro­päi­sche Aus­land fuhr, muss­te bün­del­wei­se Bar­geld mit­neh­men, um sie vor Ort bei ei­nem Kre­dit­in­sti­tut zu tau­schen, oder schon hier­zu­lan­de ein­ge­tausch­te Li­ra, Pe­se­te oder Franc.

Mit den 15x10,5 Zen­ti­me­ter gro­ßen Eu­ro­che­ques da­ge­gen konn­te man sich in zu­nächst 15 eu­ro­päi­schen Staa­ten bei Ban­ken und Spar­kas­sen bei Vor­la­ge sei­ner EC-Kar­te und bei Ab­zug ei­ner Pro­vi­si­on Geld in Lan­des­wäh­rung be­sor­gen. Spä­ter war das auch in Staa­ten Nord­afri­kas und des Na­hen Os­ten mög­lich. Ab 25. Au­gust 1986 ak­zep­tier­te auch die da­ma­li­ge DDR den Eu­ro­che­que. Je­der Scheck wur­de mit ei­nem Be­trag von 400 DM ga­ran­tiert, ab 1999 mit Be­ginn der Wäh­rungs­uni­on mit 200 €. Die­sen Be­trag er­hielt der Emp­fän­ger des Schecks in je­dem Fall, auch wenn das je­wei­li­ge Kon­to nicht ge­deckt war.

Die Eu­ro­che­ques wur­den nicht nur im Aus­land ge­nutzt, sie er­setz­ten auch im In­land mehr und mehr die nor­ma­len Ver­rech­nungs­schecks. Die Zahl der grenz­über­schrei­tend ge­nutz­ten Eu­ro­che­ques stieg vom 2,8 Mil­lio­nen im ers­ten Jahr kon­ti­nu­ier­lich an. Zehn Jahr spä­ter wa­ren es über 20 Mil­lio­nen und auf 1988 so­gar rund 50 Mil­lio­nen. Da­zu ka­men schät­zungs­wei­se noch 950 Mio. Eu­ro­che­ques, die in­ner­halb der Län­der aus­ge­stellt wur­den.

Mit dem Ein­zug des elek­tro­ni­schen Zah­lungs­ver­kehrs, mit Kas­sen­ter­mi­nals und Geld­au­to­ma­ten

ging es mit dem Eu­ro­che­que ra­sant berg­ab – auch weil er nicht ma­schi­nen­les­bar war und teu­er von Hand be­ar­bei­tet wer­den muss­te. 1995 hat­te sich die Zahl grenz­über­schrei­tend ge­nutz­ter Eu­ro­che­ques auf knapp 27 Mio. fast hal­biert. 2001 wa­ren es nur noch 4,6 Mil­lio­nen. Schon zu­vor hat­ten die eu­ro­päi­schen Zah­lungs­dienst­leis­ter be­schlos­sen, die Ga­ran­tie für Eu­ro­che­ques ab­zu­scha™en. Gleich­zei­tig wa­ren auch kei­ne Bar­aus­zah­lun­gen ge­gen Eu­ro­che­ques mehr mög­lich.

Rein theo­re­tisch kön­nen vor­han­de­ne Eu­ro­che­ques, so die Bun­des­bank, noch ver­wen­det wer­den, als Bar- oder Ver­rech­nungs­schecks. „Es ist aber zwei­fel­haft, ob heu­te noch je­mand be­reit ist, ei­nen aus­ge­stell­ten Eu­ro­che­que als Zah­lung ent­ge­gen­zu­neh­men“, sagt Bun­des­bank-Spre­cher Jörg Ber­na­dy. „Die Be­ge­bung ei­nes Schecks auf ei­nem 17 Jah­re al­ten Eu­ro­che­que-For­mu­lar, des­sen Ga­ran­tie seit 2002 nicht mehr exis­tiert, wür­de bei ei­nem po­ten­ti­el­len Scheck­neh­mer da­her mög­li­cher­wei­se auf Zu­rück­hal­tung sto­ßen“, ist auch Syl­vie Er­noult, Spre­che­rin des Ban­ken­ver­ban­des über­zeugt. Nach An­ga­ben des Ban­ken­ver­ban­des kom­men sie gar nicht mehr vor.

Ge­blie­ben ist die Eu­ro­che­que-Kar­te, die aber längst nicht mehr so heißt. Die Ab­kür­zung EC auf den Kar­ten stand für Zah­lungs­sys­tem Elec­tro­nic Cash. Das wur­de 2007 durch das Zah­lungs­sys­tem „Gi­ro­card“ab­ge­löst, das EC-Zei­chen ist ver­schwun­den. Al­so heißt auch die Kar­te heu­te Gi­ro­card. Man­che In­sti­tu­te be­zeich­nen sie auch als Bank­kar­te.

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