Weg­be­rei­ter des Mau­er­falls

Der un­ga­ri­sche Bot­schaf­ter er­hält bei der Fei­er zum Tag der Ein­heit auf Schloss Stet­ten viel Bei­fall.

Haller Tagblatt - - MENSCHEN - Tho­mas Zim­mer­mann

Kün­zel­sau. Wer die be­we­gen­den Ta­ge vor dem Fall der Ber­li­ner Mau­er mit­er­lebt hat, ver­gisst sie bis heu­te nicht. Die Bil­der von den Mon­tags­de­mos in Dres­den, Leip­zig, Chem­nitz oder Mag­de­burg. Die Wor­te des da­ma­li­gen Au­ßen­mi­nis­ters Hans-Dietrich Gen­scher, als er am Abend des 30. Sep­tem­ber den in die Pra­ger Bot­schaft ge­flüch­te­ten DDR-Bür­gern ih­re Aus­rei­se in die Bun­des­re­pu­blik ver­kün­det. Und die Nacht vom 10. auf den 11. Sep­tem­ber als Un­garn die Gren­ze frei­gab.

„Un­garn hat den ers­ten St­ein aus der Ber­li­ner Mau­er her­aus­ge­bro­chen“. Die­sen Satz, den Hel­mut Kohl Jah­re spä­ter aus­sprach, un­ter­schrei­ben heu­te vie­le His­to­ri­ker. „Wir Deut­schen ver­ges­sen den mu­ti­gen Bei­trag Un­garns für die Ein­heit un­se­res Lan­des nicht“, ver­spricht der CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Christian von Stet­ten bei der Be­grü­ßung des Bot­schaf­ters von Un­garn, Pé­ter Györ­kös, der die Fe­st­re­de bei der tra­di­tio­nel­len Fei­er zum Tag der Deut­schen Ein­heit auf Schloß Stet­ten hält. „Wenn Deutsch­land ei­nen Fei­er­tag hat, fei­ern wir Un­garn im­mer ein biss­chen mit“, sagt der Bot­schaf­ter lä­chelnd und er­in­nert an die „mehr als tau­send­jäh­ri­ge ge­mein­sa­me Ge­schich­te bei­der Na­tio­nen“, seit der Schlacht auf dem Lech­feld 955. Er er­in­nert auch an das Pa­n­eu­ro­päi­sche Pick­nick na­he der un­ga­ri­schen Stadt So­pron am 19. Au­gust 1989, als mit Zu­stim­mung der un­ga­ri­schen und ös­ter­rei­chi­schen Be­hör­den ein Grenz­tor sym­bo­lisch für drei St­un­den geö“net wird und knapp 700 DDR-Bür­ger dies zur Flucht in den Wes­ten nut­zen.

„Am Ba­la­ton stan­den im Som­mer Tra­bi ne­ben Mer­ce­des, Un­garn war ja der größ­te Tre“punkt für Ost- und West­deut­sche“, be­tont Györ­kös. „Auch die größ­te Un­ter­stüt­zung für die Ein­heit gab es in un­se­rem Land, mehr als in Deutsch­land selbst“, un­ter­streicht er un­ter dem Bei­fall der rund 300 Gäs­te in der über­vol­len Brun­nen­hal­le. Den Be­weis da­für schiebt er gleich nach. „Auf dem CDU-Par­tei­tag 1989 gab es so­gar ei­nen An­trag, die Wie­der­ver­ei­ni­gung aus dem Par­tei­pro­gramm zu strei­chen, von vie­len Lin­ken und Grü­ne ganz zu schwei­gen“, er­in­nert Györ­kös.

Der un­ga­ri­sche Bot­schaf­ter blickt aber auch auf ak­tu­el­le eu­ro­päi­sche Kri­sen. „Wir sind in der Fra­ge der Mi­gra­ti­on kei­ne schlech­ten Men­schen“, sagt er. „Wir sind nur der Mei­nung, dass man die Pro­ble­me nicht im­por­tiert, son­dern größt­mög­li­che Hil­fe ex­por­tiert“, so Györ­kös wei­ter. Auch da­für gibt es spon­tan Bei­fall, auch von Wolf­gang von Stet­ten. „Ich bin gro­ßer Mer­kel-Fan, aber da­für dass Un­garn die Gren­ze ge­schlos­sen hat, soll­te sie Or­ban die Fü­ße küs­sen und ihn nicht be­schimp­fen“, be­tont der 78-jäh­ri­ge Ex-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te.

Gro­ße Emo­tio­nen

„Ich saß vor dem Fern­se­her und ha­be ge­weint als die Mau­er fiel, es war groß­ar­tig“, be­kennt Kün­zels­aus Eh­ren­bür­ger Rein­hold Würth. Und Su­san­ne Schä­fer aus Lan­gen­burg muss an ih­re Groß­mut­ter den­ken, die in der DDR ge­blie­ben war: „Mei­ne Oma war gott­froh als die Mau­er fiel, das war für al­le ei­ne fürch­ter­li­che Be­las­tung“.

Foto: zim

Pé­ter Györ­kös bei sei­ner Re­de auf Schloß Stet­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.