Al­ler­hand Krea­ti­ves und Köst­li­ches

Von Most bis Ma­rio­net­ten und von Schnaps bis Schloss: Die Lan­gen­bur­ger Herbst­ta­ge lie­ßen kei­ne Wün­sche of­fen. Die Ver­an­stal­tung hät­te mehr Son­ne ver­dient ge­habt.

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL - Von Ute Schä­fer

Kör­be sind hei­misch, nicht aus Plas­tik, und wenn sie ka­putt sind, kann man sie ver­bren­nen. Gu­drun Wal­ter Korb­flech­te­rin

Es ist Sams­tag­nach­mit­tag. Auf der Haupt­stra­ße steht ein lan­ger Tisch. Die or­gan­ge­far­be­nen Tisch­tü­cher sind ein will­kom­me­ner Farb­klecks im Herbst­grau. Doch die Lan­gen­bur­ger und ih­re Gäs­te sind wohl­ge­mut. Es ist tro­cken, ob­wohl die Vor­her­sa­ge fürs Wo­che­n­en­de be­schei­den ist. „Ich ha­be vie­le Schich­ten an“, sagt Flo­rence Sharkar, die in­di­sche Stof­fe ver­kauft. „Mir kann nichts pas­sie­ren.“Bunt und glän­zend sind ih­re Sto–e, ei­ne wah­re Au­gen­wei­de, und auch das An­ge­bot an den an­de­ren Markt­stän­den ist lie­be­voll aus­ge­wählt. Vie­le ganz be­son­de­re Din­ge gibt es zu kau­fen: duf­ten­de Sei­fen, bun­te Herbst­ge­ste­cke, ge­töp­fer­te Schön­hei­ten für Haus und Gar­ten.

Es sind auch vie­le Hand­wer­ker da, die ihr Kön­nen zei­gen. Korb­flech­te­rin Gu­drun Wal­ter, zum Bei­spiel, die das Flech­ten von ih­ren El­tern Er­na und Emil May­er aus Hengst­feld ge­lernt hat und jetzt sel­ber Kör­be fer­tigt, sta­bil und schön. „Ein tol­ler Aus­gleich zum Be­ruf“, sagt sie, die im rich­ti­gen Le­ben als Al­ten­pfle­ge­rin ar­bei­tet. „Über­haupt sind Kör­be hei­misch, nicht aus Plas­tik und wenn sie ka­putt sind, kann man sie ver­bren­nen. Nach­hal­ti­ger geht es doch ei­gent­lich gar nicht.“

Auch ein St­ein­bild­hau­er zeigt sein Kön­nen. „Das hier ist mein Vor­führ­mo­dell“, sagt Tho­mas Schu­ry aus Schwä­bisch Hall. „Die­se Hand aus Sand­stein hab ich schon seit Jah­ren auf Märk­ten da­bei.“Vor­sich­tig zi­se­liert er die letz­ten Haut­li­ni­en auf die Fin­ger­flä­chen. „Der Sand­stein stammt aus der Re­gi­on. Die meis­ten mei­ner St­ei­ne sind selbst ge­sam­melt.“Ba­den-Würt­tem­berg sei näm­lich das El­do­ra­do der St­ein­met­ze: Kaum ei­ne Re­gi­on sei geo­lo­gisch so viel­sei­tig wie die un­se­re. „Doch jetzt muss ich wei­ter­scha–en“, sagt er. „Mor­gen soll es reg­nen. Ich will mit der Hand noch fer­tig wer­den.“

Ei­ner der ers­ten auf­ge­bau­ten Stän­de am Sams­tag­mor­gen war das „Ba­di­sche Back­heis­le.“„Wir müs­sen ja den Ofen an­schü­ren“, sagt Ta­ma­ra Ben­der vom Schlei­er­hof in Sin­drin­gen. „Der strahlt viel Wär­me ab. Des­halb frie­ren wir nicht.“Auch der Teig ent­steht je­den Mor­gen frisch vor Ort, er­klärt die Bä­cke­rin, die ih­re Bro­te, We­cken oder Bloot­ze zwar pro­fes­sio­nell backt, aber auch für ei­nen gu­ten Zweck – näm­lich für ei­ne Schu­le in Afri­ka, die die Fa­mi­lie un­ter­stützt. Der 12-jäh­ri­ge Fe­lix als Lan­gen­burg kommt vor­bei und be­stellt ei­nen Blootz, der hier „Dünne­le“heißt. „Ich kom­me hier je­des Jahr her“, sagt er. „Mit Zwie­beln und Speck schmeckt er am bes­ten.“

Seit mehr als zehn Jah­ren gibt es die Herbst­ta­ge in Lan­gen­burg, or­gan­siert von der Stadt. Das Ver­an­stal­tungs­pro­gramm geht ei­ne gan­ze Wo­che lang und mün­det in den Herbst­markt am Wo­che­n­en­de. Viel ist ge­bo­ten: Al­lein am Sams­tag ste­hen Füh­run­gen durch Schloss, Stadt und Gar­ten auf dem Pro­gramm, aber auch in­di­sches Ma­rio­net­ten­thea­ter, Most­pro­ben oder Bas­teln für Kin­der. Kunst, Hand­werk und Ge­nuss. lau­tet das Mot­to, denn auch für viel Schmack­haf­tes ist ge­sorgt: „Ich könn­te hier den gan­zen Tag ves­pern“, sagt Chris­ta Retz­bach aus Kraut­heim. „Es gibt Bau­ern­brot und die­se le­cke­ren fri­schen Kar­to–el­chips“, sagt sie. „Und Crê­pes und Wa–eln...“. Die Köst­lich­kei­ten, die sie selbst ver­kauft, sind auch nicht oh­ne: Ihr Mann Pe­ter Retz­bach ist Schnaps­bren­ner aus Lei­den­schaft und viel­fach preis­ge­krönt, auch wenn er die­ser Pas­si­on erst seit sei­nem Ru­he­stand so rich­tig frönt. Das Baum­land ist halt da. „Und man will das Obst ja ver­scha–en.“

Aber nicht nur Obst kommt bei ihm in die Fla­schen. Bis­wei­len greift er hin­ter sich ins Schränk­chen mit dem Al­ler­hei­ligs­ten und zieht et­was ganz Be­son­de­res her­vor: ei­nen Lö­wen­zahn­li­kör, der nach Ho­nig und nach Som­mer duf­tet. Und der die Fü­ße wärmt. Das war zwar am Sams­tag noch nicht so rich­tig nö­tig, denn da gab es so­gar den ei­nen oder an­de­ren Son­nen­strahl.

Doch am Sonn­tag­nach­mit­tag wur­de es wirk­lich herbst­lich-un­ge­müt­lich. Scha­de, denn die Lan­gen­bur­ger Herbst­ta­ge hät­ten Son­ne ver­dient – und zwar vom An­fang bis zum Schluss.

Foto: Ute Schä­fer

Die Lan­gen­bur­ger Haupt­stra­ße wur­de am Wo­che­n­en­de mal wie­der zur Fla­nier­mei­le.

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