Schmack­haf­te Rie­sen­bee­ren

Sie sind op­ti­sches High­light und Gau­men­freu­de in ei­nem. Im Gar­ten brau­chen die schmu­cken Ge­wäch­se vor al­lem Platz und reich­lich Nähr­stof­fe.

Haller Tagblatt - - RATGEBER GARTEN - Von Hel­ga Schnel­ler

Wel­che ist die größ­te Bee­re der Welt? Die­se Quiz­fra­ge könn­ten wohl nur bo­ta­nisch Ge­bil­de­te aus dem Steh­greif be­ant­wor­ten. Der Kür­bis drängt sich in dem Zu­sam­men­hang nicht un­be­dingt auf, und doch darf er die­se Tat­sa­che für sich be­an­spru­chen. Bo­ta­nisch ge­se­hen zäh­len Kür­bis­ge­wäch­se zu den Bee­ren­früch­ten, ge­nau­er zu den Pan­zer­bee­ren mit le­d­rig har­ter Au­ßen­haut.

Kür­bis­fans in­ter­es­sie­ren je­doch eher an­de­re Ei­gen­schaf­ten: die rie­si­ge Viel­falt an For­men und Far­ben, die ku­li­na­ri­schen Qua­li­tä­ten und de­ko­ra­ti­ven Sei­ten. Be­reits En­de Au­gust lo­cken die ers­ten Kür­bis­se an Markt- und Stra­ßen­stän­den. Im Ok­to­ber er­lebt der Kür­bis dann sein jähr­li­ches Hoch mit lo­ka­len Kür­bis­fes­ten, Kür­bis­wett­be­wer­ben und na­tür­lich Hal­lo­ween.

Mit ih­rer enor­men Wuchs­kraft und Viel­falt las­sen Kür­bis­se je­des Gärt­ner­herz hö­her schla­gen. Me­ter­lang schie­ben sich die lan­gen Ran­ken mit gel­ben Blü­ten über den Gar­ten­bo­den oder um­gar­nen den Kom­post­hau­fen.

Un­ter­schie­den wird grund­sätz­lich zwi­schen den un­ge­nieß­bar bit­te­ren Zier­kür­bis­sen und den wohl­schme­cken­den Spei­se­kür­bis­sen, zu de­nen un­ter vie­len an­de­ren der Gar­ten- und But­ter­nuss­kür­bis, der Hok­kai­do, Tür­ken-Tur­ban, Pa­tis­son-Kür­bis und Mo­schus­kür­bis zäh­len.

Der son­nen­gel­be Gar­ten­kür­bis (Cu­cur­bi­ta pe­po) ge­nießt auch als Me­di­zi­nal­pflan­ze ei­nen gu­ten Ruf. Kür­bis­fleisch und Ker­ne wir­ken ent­zün­dungs­hem­mend, harn­trei­bend und ent­wäs­sernd und wer­den vor al­lem bei Bla­sen­schwä­che und Pro­sta­ta­lei­den ein­ge­setzt. Al­le Spei­se­kür­bis­se punk­ten mit ei­nem ho­hen Ge­sund­heits­wert. Sie ent­hal­ten reich­lich Vit­amin C und Ka­li­um, Ma­gne­si­um, zell­schüt­zen­de Ca­ro­ti­no­ide, da­bei aber kaum Ka­lo­ri­en.

Die zum Na­schen oder in Back­werk be­lieb­ten Kür­bis­ker­ne steu­ern un­ter an­de­rem ge­sun­de Fett­säu­ren so­wie Flu­or, Ka­li­um, Se­len und Kup­fer bei. Al­ler­dings auch rund 500 Ka­lo­ri­en pro 100 Gramm Ker­ne.

Ärchäo­lo­gi­sche Fun­de be­le­gen, dass Kür­bis­ge­wäch­se be­reits seit rund 10 000 Jah­ren von Men­schen ge­nutzt wer­den.Die Hei­mat der Rie­sen­bee­ren liegt in Me­xi­ko und Süd­ame­ri­ka, von wo aus die Sa­men mit spa­ni­schen Ero­be­rern nach Eu­ro­pa ge­lang­ten. Wa­ren die ur­sprüng­li­chen Wild­kür­bis­se noch recht bit­ter, ent­wi­ckel­ten nach­fol­gen­de Züch­tun­gen das ge­schätz­te mil­de und aro­ma­ti­sche Frucht­fleisch.

Zu den feins­ten und be­lieb­tes­ten Kür­bis­sen zählt der leuch­tend oran­ge­far­be­ne Hok­kai­do-Kür­bis (C. ma­xi­ma „Red Hok­kai­do“). Weil er mit Scha­le ge­ges­sen wer­den kann, ist der Kür­bis sehr leicht zu ver­ar­bei­ten. Sein fes­tes Frucht­fleisch schmeckt kas­ta­ni­en­ähn­lich, wür­zig und leicht süß, die Scha­le wird beim Ga­ren schnell weich. Ge­ba­cke­ne Hok­kai­do-Spal­ten oder ei­ne sä­mi­ge Sup­pe schme­cken im Herbst gro­ßen und klei­nen Ge­nie­ßern.

Mit aro­ma­ti­schem und fes­tem Frucht­fleisch über­zeu­gen auch die Mo­schus­kür­bis­se (C. mo­scha­ta). Zu ih­nen zäh­len bei­spiels­wei­se der dun­kel­grü­ne bis hell­brau­ne, stark ge­ripp­te Mus­kat­kür­bis. Sein dun­kel­gel­bes bis oran­ges Frucht­fleisch zeich­net sich durch ei­ne leich­te Säu­re mit fei­nem Mus­ka­ta­ro­ma aus. Au­ßer­dem ent­hält der Kür­bis re­la­tiv we­nig Ker­ne.

Eben­falls ein Mo­schus­kür­bis ist der bir­nen­för­mi­ge But­ter­nu­tKür­bis in de­zen­tem Beige und mit mild-nus­si­gem Ge­schmack. Bei­de Kür­bis­se kön­nen mit Scha­le zu­be­rei­tet wer­den, die al­ler­dings ein we­nig län­ger zum Ga­ren braucht als das Frucht­fleisch.

La­ter­nen schnit­zen

Gelb oder oran­ge, rund oder ei­för­mig und von be­ein­dru­cken­der Grö­ße prä­sen­tie­ren sich die Gar­ten­kür­bis­se. Sie sind ide­al zum Schnit­zen schau­rig-schö­ner Kür­bis­la­ter­nen. Aber auch in der Kü­che las­sen sich Gar­ten­kür­bis­se mit ih­rem fa­se­ri­gen und mil­den Frucht­fleisch ver­wen­den, zum Bei­spiel süß-sau­er ein­ge­legt, als Kom­pott oder in sü­ßem Kür­bis­brot. Da die Scha­le die­ser Kür­bis­se sehr hart ist, ent­fernt man sie vor der Zu­be­rei­tung.

Ei­ne Spiel­art der Gar­ten­kür­bis­se stel­len die grü­nen Öl­kür­bis­se dar. Aus ih­ren scha­len­lo­sen und öl­rei­chen Sa­men wird vor al­lem in Ös­ter­reich das dun­kel­grü­ne und de­li­kat nus­sig schme­cken­de Kür­bis­kern­öl ge­won­nen.

Eben­falls ei­ne Spe­zia­li­tät un­ter den Gar­ten­kür­bis­sen ist der hell­gel­be, ova­le Spa­ghet­ti­kür­bis. Sei­nen Na­men ver­dankt er dem lang­fa­se­ri­gen, an Nu­deln er­in­nern­den Frucht­fleisch. Der Kür­bis wird meist im Gan­zen ge­kocht, an­schlie­ßend hal­biert und die „Spa­ghet­ti“her­aus­ge­löst.

Für den An­bau im Gar­ten wer­den die wär­me­lie­ben­den Pflan­zen am bes­ten im Haus und in ge­räu­mi­gen Töp­fen vor­ge­zo­gen. Mit­te bis En­de Mai kom­men die Jung­pflan­zen ins Frei­land.

Kür­bis­se be­vor­zu­gen ei­nen leh­mig-hu­mo­sen und nähr­s­toˆrei­chen Bo­den und brau­chen reich­lich Was­ser. Ei­ne Ga­be Dün­ger wäh­rend des Frucht­an­sat­zes gibt den Stark­zeh­rern Kraft. Auch wie­der­hol­te Ga­ben von Brenn­nes­sel­jau­che för­dern das Wachs­tum.

Ei­ne Pflan­ze trägt stets männ­li­che und weib­li­che Blü­ten. Nur aus den weib­li­chen, er­kenn­bar an der Ver­di­ckung hin­ter der Blü­te, ent­wi­ckeln sich Früch­te. Im Sep­tem­ber/Ok­to­ber ist Ern­te­zeit. Rei­fe Kür­bis­se klin­gen beim An­klop­fen hohl und ha­ben ei­nen kor­ki­gen, braun ge­färb­ten Sti­el.

Fo­tos: Hel­ga Schnel­ler

Man neh­me: et­was Glit­zer­pul­ver, und fer­tig ist der De­ko-Kür­bis.

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