Das per­fek­te Hoch­zeits­ge­schenk

Die Se­rie hält: Auch ihr vier­tes Bun­des­li­ga-Heim­spiel ge­gen Bay­reuth ge­win­nen die Ha­kro Mer­lins Crails­heim. Zwei Spie­le, zwei Sie­ge – der Sai­son­start ver­läuft bes­tens.

Haller Tagblatt - - SPORT - Von Joa­chim May­ers­ho­fer

So hat sich Ro­bin Magg den Tag nach sei­ner Hoch­zeit vor­ge­stellt: Der glü­hen­de Mer­lins-Fan sorgt am Me­ga­fon im Block der Sup­por­ters im­mer da­für, dass die Hal­le so rich­tig in Fahrt kommt und die Mann­schaft mit An­feue­rungs­ru­fen nach vor­ne peitscht. Magg hei­ra­te­te am Sams­tag sei­ne Jo­han­na in der Kir­che in Onolz­heim, zu­dem wur­de der ein­ein­halb­jäh­ri­ge Sohn Jo­na­than noch ge­tauft. Mit rund 80 Gäs­ten wur­de in Alex­an­ders­reuth kräf­tig ge­fei­ert, um halb 4 Uhr mor­gens ging es erst ins Bett. Um 7 Uhr stand der Soh­ne­mann schon wie­der auf der Mat­te, dann be­gann das gro­ße Auf­räu­men, be­vor es am Nach­mit­tag in die Are­na Ho­hen­lo­he in Ils­hofen zum Spiel der Ha­kro Mer­lins Crails­heim ge­gen Me­di Bay­reuth ging. „Am Mon­tag muss ich wie­der ar­bei­ten, die Flit­ter­wo­chen ste­hen erst im No­vem­ber an“, ver­riet Ro­bin Magg. Dann geht es nach New York und ins Mek­ka des Bas­ket­balls, in den Ma­di­son Squa­re Gar­den, in dem die hei­mi­schen Knicks die Sa­cra­men­to Kings emp­fan­gen. „Die Heim­spie­le ge­gen Ol­den­burg und Lud­wigs­burg wer­de ich lei­der ver­pas­sen“, sag­te Magg und klang da­bei ein we­nig trau­rig. An­ge­sichts der der­zei­ti­gen Leis­tun­gen der Mer­lins in der Bun­des­li­ga durch­aus nach­voll­zieh­bar.

Mit 83:76 be­zwan­gen die Zau­be­rer den Gast aus Bay­reuth und mach­ten der Fa­mi­lie Magg da­mit das per­fek­te Hoch­zeits­ge­schenk. Zu­dem ver­län­ger­ten die Mer­lins ih­re Sie­ges­se­rie ge­gen die Ober­fran­ken. Seit die Crails­hei­mer Bas­ket­bal­ler in die BBL ein­ge­zo­gen sind, ha­ben sie al­le vier Heim­spie­le ge­gen Bay­reuth ge­won­nen. Ges­tern hol­ten sie nach dem Auf­takt­er­folg in Gie­ßen völ­lig ver­dient den zwei­ten Sieg im zwei­ten Sai­son­spiel – bes­ser hät­te der Start für Crails­heim in der BBL nicht ver­lau­fen kön­nen. Bay­reuth hin­ge­gen hat sei­ne ers­ten bei­den Spie­le ver­lo­ren und ist – wie Crails­heim auch – im Po­kal aus­ge­schie­den.

Die Mer­lins ka­men gut ins Spiel ge­gen Bay­reuth, führ­ten schnell mit 10:3. Für die Par­tie ty­pisch war aber, dass die Gäs­te her­an­ka­men und die Mer­lins oft un­nö­tig zit­tern muss­ten. Von 10:3 ging es über 16:14 auf 29:26 durch ei­nen Drei­er von Je­re­my Mor­gan kurz vor En­de des ers­ten Vier­tels. Sebastian Her­re­ra kam auf elf Punk­te im ers­ten Ab­schnitt. Im zwei­ten dreh­te Ja­von­tae Haw­kins auf, sorg­te nach dem 38:39-Rück­stand mit zehn Zäh­lern in Fol­ge für den Halb­zeit­stand von 48:41.

Der Be­ginn des drit­ten Vier­tels lief dann na­he­zu wie am Schnür­chen. Als sich Crails­heim nach ei­nem Drei­er von Jan Span auf 15 Punk­te ab­ge­setzt hat­te (63:48), schien das Spiel schon ent­schie­den. Doch an­schlie­ßend blie­ben die Mer­lins fast vier Mi­nu­ten lang bis zum En­de des drit­ten Ab­schnitts oh­ne Kor­ber­folg. Bay­reuth ver­kürz­te mit ei­nem 12:0Lauf auf 60:63 aus Sicht der Gäs­te. Im Schluss­vier­tel konn­te Crails­heim wie­der elf Punk­te zwi­schen sich und den Geg­ner le­gen (76:65), der auch nicht mehr nä­her als auf sechs Zäh­ler her­an­kam und selbst mehr als drei Mi­nu­ten oh­ne Punk­te blieb (76:70; 82:76).

„Es gab ein paar Mo­men­te, wo ich das Ge­fühl hat­te, wir kön­nen das Spiel zu un­se­ren Guns­ten dre­hen“, sag­te Bay­reuths Trai­ner Raoul Kor­ner auf der Pres­se­kon­fe­renz. „Das war im­mer, wenn wir sehr ag­gres­siv wa­ren und in un­se­rer De­fen­si­ve ins Lau­fen ge­kom­men sind. Dann hat­ten wir aber im­mer wie­der nai­ve Feh­ler, die un­se­re Mo­men­te zu­nich­te ge­macht ha­ben.“Un­ter dem Korb strah­le sein Team zu we­nig Ge­fahr aus, es sei viel zu sehr auf den Wurf von au­ßen an­ge­wie­sen und beim Re­bound nicht prä­sent ge­nug, mo­nier­te der ös­ter­rei­chi­sche Na­tio­nal­trai­ner. Crails­heim ent­schied das Re­bound-Du­ell ge­gen Bay­reuth mit 37:26 für sich und be­hielt auch bei den As­sists die Ober­hand (26:17).

Schritt in rich­ti­ge Rich­tung

Mer­lins-Coach Tuo­mas Ii­sa­lo be­män­gel­te, dass sei­ne Mann­schaft im ers­ten Vier­tel schlecht ver­tei­digt ha­be. „Wir hat­ten Pro­ble­me mit un­se­rer Pick-and-Roll-De­fen­se. Bay­reuth hat im­mer die o«enen Drei­er ge­fun­den. Da­nach wa­ren wir viel bes­ser, dass freut mich, da wir dar­an ge­ar­bei­tet ha­ben.“Im drit­ten Vier­tel ha­be sein Team die Kon­trol­le über das Spiel er­langt, „doch dann kommt der 12:0-Lauf und von da an ein neu­es Spiel. Dar­an müs­sen wir ar­bei­ten, aber das war heu­te ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung.“

Ingo Ens­akt, der sport­li­che Lei­ter der Mer­lins, freu­te sich dar­über, „wie wir zu­sam­men­ge­spielt ha­ben“, „mit ho­her In­ten­si­tät“, und dass man „vie­le gu­te Si­tua­tio­nen in der Ver­tei­di­gung“ge­habt ha­be. Crails­heim hät­te nur viel frü­her „den Sack zu ma­chen müs­sen. Wir ha­ben Bay­reuth im Spiel ge­las­sen. Es war 35 Mi­nu­ten ein gei­les Spiel von uns, aber fünf­mal ei­ne Mi­nu­te ha­ben wir Bay­reuth her­an­kom­men las­sen. Das müs­sen wir ab­stel­len“, so Ens­kat.

Sebastian Her­re­ra er­wies sich als ech­ter Team­ka­pi­tän und war mit Ja­von­tae Haw­kins, der mit 25 Punk­ten bes­ter Punk­te­samm­ler des Spiels war, der au«äl­ligs­te Ak­teur auf dem Feld. Ein Son­der­lob er­hielt zu­dem Fa­bi­an Bleck vom sport­li­chen Lei­ter und auch von sei­nem Coach. „Er war heu­te ei­ner der wich­tigs­ten Spie­ler, hat Sta­bi­li­tät in un­ser Spiel ge­bracht“, be­ton­te Ingo Ens­kat. „Er wird nie durch vie­le Punk­te glän­zen, ist aber un­heim­lich wich­tig.“Ganz oft se­he man nur die High­light-Ak­tio­nen, sag­te Tuo­mas Ii­sa­lo, „aber Fa­bi­an macht so we­ni­ge Feh­ler im Spiel. Ich bin sehr, sehr froh, dass wir ihn ver­pflich­ten konn­ten.“Sie­ben Re­bounds und sechs As­sists brach­te Bleck auf sein Kon­to, zu­dem kam noch ein Block zu sei­nen zwei Punk­ten hin­zu.

Für das Spek­ta­kel sind an­de­re zu­stän­dig – und da­von gab es ges­tern reich­lich zu be­stau­nen: Sebastian Her­re­ra be­dien­te Aa­ron Jo­nes, der bei ei­nem don­nern­den Al­ley-oop den Ball in der Luft fing und durch die Reu­se häm­mer­te. DeWay­ne Rus­sell ser­vier­te Jo­nes ei­ne wei­te­re Vor­la­ge, die die­ser ar­tis­tisch ver­senk­te. Al­ler­dings klapp­ten auch ei­ni­ge An­spie­le und spek­ta­ku­lä­re Ab­schlüs­se nicht, teils auch in wich­ti­gen Si­tua­tio­nen, die das Spiel hät­ten kip­pen las­sen kön­nen. Der Mund des sport­li­chen Lei­ters Ingo Ens­kat wan­del­te zwi­schen schmun­zelnd, ban­gend und wie­der lä­chelnd hin und her. In ei­ni­gen Mo­men­ten hät­te er sich si­cher­lich ei­nen ein­fa­chen und si­che­ren Ab­schluss am Korb ge­wünscht. Aber Bay­reuths Trai­ner Raoul Kor­ner hat­te ja schon im Vor­feld der Par­tie aus­ge­macht, dass der Mer­lins-Bas­ket­ball in die­sem Jahr ath­le­ti­scher und schnel­ler als in den ver­gan­ge­nen Jah­ren sei.

Fans freu­en sich über Spek­ta­kel

Es gab ein paar Mo­men­te, wo ich das Ge­fühl hat­te, wir kön­nen das Spiel dre­hen. Raoul Kor­ner Trai­ner Me­di Bay­reuth

Ro­bin Magg, die Mer­lins-Sup­por­ters und der Groß­teil der Zu­schau­er in der Are­na Ho­hen­lo­he hat da si­cher nichts da­ge­gen – schon gar nicht, wenn es mit ei­nem Sieg en­det. Und ob es bei den New York Knicks spek­ta­ku­lä­rer zu­geht, darf be­zwei­felt wer­den. Die Kni­cker­bo­ckers ge­hö­ren seit ei­ni­gen Jah­ren zu den schlech­tes­ten Teams in der NBA. Viel­leicht än­dert Ro­bin Magg ja doch noch sei­nen Flit­ter­wo­chen-Ur­laub um – und ju­belt im No­vem­ber im Mar­tin (Ro­mig) Squa­re Gar­den statt im Ma­di­son Squa­re Gar­den.

Foto: Die Licht­buil­der

Aa­ron Jo­nes häm­mert den Ball ve­he­ment durch den Ring. Der Cen­ter der Mer­lins kam ge­gen Bay­reuth auf zehn Punk­te, acht Re­bounds, drei Ste­als und zwei Blocks.

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