Cos­ta bleibt Mi­nis­ter­prä­si­dent

Par­la­ments­wah­len be­stä­ti­gen das Bünd­nis der So­zia­lis­ten mit Links­block und Kom­mu­nis­ten. Doch es gibt ers­te Warn­schüs­se.

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Mar­tin Dahms

Lis­s­a­bon. Auf den zwei­ten Blick hat sich nicht viel ver­än­dert in Por­tu­gal. Die drei gro­ßen lin­ken Par­tei­en ha­ben bei den Par­la­ments­wah­len am Sonn­tag ge­mein­sam zwei Pro­zent­punk­te zu­ge­legt, die bei­den gro­ßen bür­ger­li­chen Par­tei­en zwei­ein­halb Punk­te ver­lo­ren. Kein Erd­rutsch, aber ein kla­rer Sie­ger: An­tó­nio Cos­ta. Vor vier Jah­ren war er der über­ra­schen­de Mi­nis­ter­prä­si­dent. Jetzt ist er der un­be­strit­ten star­ke Mann.

Der 58-jäh­ri­ge Cos­ta, Vor­sit­zen­der der So­zia­lis­ti­schen Par­tei, die in Eu­ro­pa zur so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Fa­mi­lie ge­hört, möch­te nach die­sem Wahl­sonn­tag am liebs­ten al­les beim Al­ten be­las­sen. Das Bünd­nis sei­ner So­zia­lis­ten mit dem Links­block und den Kom­mu­nis­ten sei doch o™en­bar bei den Por­tu­gie­sen gut an­ge­kom­men, sag­te er am frü­hen Mon­tag­mor­gen. Ganz so ein­fach wird es aber für ihn nicht.

Vor vier Jah­ren war Por­tu­gal in ei­ner un­ge­wöhn­li­chen Si­tua­ti­on. Das 10,5-Mil­lio­nen-Ein­woh­nerLand tas­te­te sich ge­ra­de aus ei­ner Wirt­schafts­kri­se her­aus. Die bür­ger­li­che Re­gie­rung von Pe­dro Pas­sos Co­el­ho hat­te den Por­tu­gie­sen ei­ne Le­gis­la­tur­pe­ri­ode vol­ler Schmer­zen zu­ge­mu­tet, mit dem Ziel, den Staats­bank­rott zu ver­hin­dern. Tat­säch­lich be­gann sich das Land zu er­ho­len. Und die bür­ger­li­che Wahl­ko­ali­ton von Pa­sos Co­el­ho wur­de im Ok­to­ber 2015 noch ein­mal stärks­te Kraft. Die Por­tu­gie­sen nei­gen nicht zu Re­vo­lu­tio­nen. Es sei denn mit ei­ner Nel­ke in der Hand.

Über­ra­schen­de Wen­de

Der da­mals Zweit­plat­zier­te An­tó­nio Cos­ta brauch­te 54 Ta­ge, um sei­ne Nie­der­la­ge in ei­nen Sieg zu ver­wan­deln. Er ge­wann nicht nur den links­al­ter­na­ti­ven Blo­co de Es­quer­da (Links­block), son­dern auch die Kom­mu­nis­ten für ein Bünd­nis. Kei­ner der bei­den klei­ne­ren Part­ner woll­te mit in die Re­gie­rung. Vier Jah­re lang konn­te Cos­ta al­lei­ne re­gie­ren – mit be­que­mer par­la­men­ta­ri­scher Mehr­heit hin­ter sich.

Aus por­tu­gie­si­scher Sicht war es das größ­te Wun­der, dass das Links­bünd­nis hielt. Aus eu­ro­päi­scher Sicht ist es das grö­ße­re Wun­der, dass über­haupt noch ein gro­ßer Teil der Wäh­ler Ver­trau­en in ein so­zi­al­de­mo­kra­ti­sches Pro­jekt hat. Aus wirt­schafts­po­li­ti­scher Sicht ist das Wun­der aber gar kei­nes: Cos­ta hat den Auf­schwung der Welt­wirt­schaft und den Tou­ris­ten­boom ge­nutzt. Er hat­te Geld für die ei­ne oder an­de­re Wohl­tat und muss­te kein Geld aus­ge­ben, das er nicht hat­te. Er trieb die Haus­halts­sa­nie­rung vor­an, oh­ne die So­zi­al­po­li­tik zu ver­ges­sen – im en­gen mög­li­chen Rah­men.

Das Land ist aber im­mer noch ei­nes der ärms­ten EU-Län­der. Da­ge­gen pro­tes­tie­ren die Por­tu­gie­sen auf ih­re Weise: Am Sonn­tag blieb fast die Hälf­te zu­hau­se. Von de­nen, die zur Wahl gin­gen, ent­schie­den sich mehr als 10 Pro­zent für Split­ter­par­tei­en. Das tra­di­tio­nel­le Par­tei­en­sys­tem bricht nicht aus­ei­an­der, aber es be­ginnt aus­zu­fran­sen.

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