Un­ver­packt und re­gio­nal

Nach­hal­tig­keit Fa­mi­lie Koch aus Hes­sen­tal hat in der Fas­ten­zeit be­gon­nen, auf Plas­tik zu ver­zich­ten. Da­nach hat sie ein­fach wei­ter­ge­macht.

Haller Tagblatt - - SCHWÄBISCH HALL - Von Son­ja Ale­xa Voll­mann

Das wa­ren schlech­te Nach­rich­ten für Max, als es hieß, es wer­den künf­tig kei­ne Kek­se mehr ge­kauft. Aber die Ent­täu­schung hielt nicht lan­ge an, denn ab die­sem Mo­ment durf­te der Fünªäh­ri­ge sei­ner Ma­ma hel­fen, die Sü­ßig­kei­ten sel­ber zu ba­cken. Und sie schme­cken ihm so­gar noch bes­ser – ob­wohl sie we­ni­ger Zu­cker ent­hal­ten.

Al­les än­der­te sich im Haus­halt der Fa­mi­lie Koch als ei­ne Freun­din an­reg­te, ob sie nicht in der Fas­ten­zeit auf Plas­tik ver­zich­ten wol­len. Ju­lia Koch mach­te mit, und nach sechs Wo­chen sag­te ihr Mann Andre­as: „Wir kön­nen nicht ein­fach wie­der zu­rück­ru­dern.“Ihr Kühl­schrank, der zu­vor voll­ge­packt war und in dem nicht sel­ten Le­bens­mit­tel über­se­hen und weg­ge­schmis­sen wur­den, ist nun über­sicht­lich ge­füllt. „Frü­her ha­be ich die Wer­be­pro­spek­te durch­ge­schaut und die An­ge­bo­te ver­g­li­chen. Oft war ich an ei­nem Tag in vier Su­per­märk­ten, um die re­du­zier­ten Wa­ren zu kau­fen“, sagt die Kran­ken­schwes­ter in El­tern­zeit.

Und doch hat sie viel mehr ge­kauft, als sie woll­te. Und mehr Geld aus­ge­ge­ben als jetzt, wo sie nur noch bio­lo­gi­sche, re­gio­na­le oder De­me­ter-Le­bens­mit­tel ein­kauft. Zwei Mo­na­te lang hat sie al­les no­tiert, was sie aus­ge­ge­ben hat. Im ers­ten Mo­nat wa­ren es zehn Eu­ro mehr als vor der Um­stel­lung und im zwei­ten zehn Eu­ro we­ni­ger.

Ju­lia Koch hat be­ob­ach­tet, dass die Men­schen im Al­ter von cir­ca 18 bis 45 Jah­ren das Plas­tik­spa­ren gut fin­den. Äl­te­re Men­schen da­ge­gen wür­den manch­mal Kommentare ab­ge­ben wie: „Da­mit kann man nicht die Welt ret­ten“, wenn sie im Ge­schäft ih­re Do­se über die The­ke reicht.

Die Kochs ha­ben ih­ren Plas­tik­müll von vier bis fünf gel­ben Sä­cken auf ein­ein­halb pro Mo­nat re­du­zie­ren kön­nen. Vor al­lem durch ihr neu­es Ein­kaufs­ver­hal­ten. Im­mer lie­gen Beu­tel und Schüs­sel­chen im Au­to und sie ge­hen nur in die Ge­schäf­te oder auf den Markt, wo man auch plas­tik­frei ein­kau­fen kann. Frü­her hat die Fa­mi­lie ger­ne mal in Re­stau­rants Es­sen zum Mit­neh­men ge­holt. Sie woll­ten es in Plas­tik­schüs­seln fül­len las­sen, aber das ha­be keins der in Hall ge­tes­te­ten Re­stau­rants ge­macht. „Wir sa­gen un­se­re Wün­sche und hoƒen, dass sich ir­gend­wann ein­mal et­was än­dern lässt.“

Die Kin­der ha­ben frü­her beim Ein­kau­fen im­mer ei­nen Müs­li­rie­gel be­kom­men. Den gibt es jetzt nicht mehr. Der fünªäh­ri­ge Max hat das ver­stan­den, als sei­ne Mut­ter ihm er­klär­te, dass durch das vie­le Plas­tik im Meer die Tie­re ster­ben, wie zum Bei­spiel ei­ne Mil­li­on Vö­gel. „Weißt du, wie viel ei­ne Mil­li­on ist?“, fragt Ju­lia Koch den Fünªäh­ri­gen. „Das ist sehr viel“, weiß Max.

In der von Ju­lia Koch ge­grün­de­ten Face­book­grup­pe „Plas­tik­frei/um­welt­be­wusst in Schwä­bisch Hall“, mit der­zeit 56 Mit­glie­dern, wird sie täg­lich durch neue Tipps in­spi­riert. Mit Freun­din­nen or­ga­ni­siert sie Klei­der­tau­scha­ben­de. „Ich ha­be seit Fe­bru­ar noch nicht ein ein­zi­ges Klei­dungs­stück ge­kauft.“Und wenn end­lich mal al­le Kos­me­tik­ar­ti­kel da­heim auf­ge­braucht sind, dann wird die 31-Jäh­ri­ge die­se selbst her­stel­len. Für die Fa­mi­lie ist Nach­hal­tig­keit kein Trend mehr, son­dern ei­ne Le­bens­ein­stel­lung.

Fo­to: Son­ja Ale­xa Voll­mann

Ju­lia Koch mit dem zwei­jäh­ri­gen Flo­ri­an und ihr Mann Andre­as mit dem fün äh­ri­gen Max. Mit selbst ge­mach­tem Müs­li, Zahn­bürs­ten aus Holz, Glas­schüs­seln und Ke­ra­mik­be­chern spa­ren die Hal­ler Ver­pa­ckungs­ma­te­ri­al und ach­ten auf re­du­zier­ten Ko­sum.

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