Von Mond, Nacht und Träu­men

Haller Tagblatt - - KULTUR -

Die Ca­me­ra­ta Schloss Kirch­berg, ein neu­es En­sem­ble aus Hal­ler Mu­si­ke­rin­nen, spielt im Rit­ter­saal.

Kirch­berg. „Nein, ich mei­ne das nicht na­tur­wis­sen­schaft­lich, ich mei­ne den Nie­der­schlag die­ses Ge­stir­nes auf die mensch­li­che Kunst, die Dich­tung, die Mu­sik.“Pas­send zum be­gin­nen­den Herbst bringt die Ca­me­ra­ta Schloss Kirch­berg, ein neu­es En­sem­ble aus Hal­ler Mu­si­ke­rin­nen, ein be­sinn­li­ches und emo­tio­nal in die Tie­fe ge­hen­des Abend­pro­gramm un­ter dem Ti­tel „Mond, Nacht, Träu­me“im Rit­ter­saal des Kirch­ber­ger Schlos­ses zu Ge­hör.

Cor­ne­lia Schwei­zer un­ter­bricht die mu­si­ka­li­schen Dar­bie­tun­gen durch aus­drucks­stark vor­ge­tra­ge­ne Ge­dich­te haupt­säch­lich der Roman­tik. Zum Bei­spiel mit „Mond­nacht“von Ei­chen­dor‘, „An den Mond“von Goe­the oder auch Mö­ri­ke. Da geht es un­ter an­de­rem um die Ängs­te in der Nacht. Die Ca­me­ra­ta be­steht aus der Mez­zo­so­pra­nis­tin San­dra Tscher­ni­tsch, den bei­den Vio­li­nis­tin­nen Edi­tha Kon­wit­sch­ny und Got­lind Himm­ler; des Wei­te­ren Si­byl­le Hauk (Vio­lon­cel­lo) und Bir­git Sou­th­cott (Vio­la).

Ein­fühl­sam und zu­rück­hal­tend

Der fast al­le Vor­trä­ge auf sei­nen Schul­tern tra­gen­de „At­las“be­geg­net uns in der Gestalt Mar­le­ne Woll­manns, die sehr ein­fühl­sam und zu­rück­hal­tend am Kla­vier be­glei­tet. Va­clav Fi­bichs 1893 ent­stan­de­nes Kla­vier­stück Poè­me (Am Abend) er­klingt je­doch oh­ne sie, als rei­nes Streich­trio mit Vio­li­ne, Vio­la und Cel­lo. Die­se spät­ro­man­ti­sche, sehr me­lo­diö­se und nicht un­be­kann­te Ele­gie wird aus­drucks­voll und fein­sin­nig dar­ge­bo­ten. San­dra Tscher­ni­tschs schö­ner Mez­zo­so­pran ist in Hall manch ei­nem von Kir­chen­kon­zer­ten her ge­läu­fig, aber man ist doch sehr über­rascht, zu hö­ren, mit welch klang­vol­lem Opern­vo­lu­men sie bei ent­spre­chen­der Mu­sik auf­war­tet. Schon bei drei „Ge­sän­gen der Nacht“von Jan Ko­e­t­sier (1911 bis 2006) ent­fal­tet sie ei­ne ge­wal­ti­ge Sing­stim­me, von Kla­vier und Gei­ge ex­pres­siv un­ter­stützt. Sie singt vom Wan­de­rer, der ein­sam in der Frem­de sei­nes We­ges geht, trotz all der Schat­ten der Nacht.

Ge­fühls­auf­wal­lun­gen ent­wi­ckeln sich bei Ser­ge Rach­ma­ni­no‘s „Vo­ca­li­se“für ho­he Sing­stim­me und Kla­vier. Für rach­ma­ni­no‘sche Ver­hält­nis­se ist die Kla­vier­be­glei­tung au‘al­lend un­spek­ta­ku­lär ge­schrie­ben. Aber bei den we­ni­gen So­lostel­len des Pia­no, vor al­lem im Fi­na­le, hät­te das Kla­vier auf­merk­sam­keits­hei­schend et­was mehr im Bass wüh­len dür­fen. Die Opern­stim­me die­ser Sän­ge­rin kann mehr Ge­gen­ge­wicht ver­kraf­ten.

Bei Ed­ward El­gars (1857 bis 1934) in­tro­ver­tier­tem „Chan­son de nuit“, ge­spielt von der Vio­li­ne, wird man un­will­kür­lich an den be­kann­ten „Sa­lut d’amour“er­in­nert, der an spä­te­rer Stel­le in glei­cher Be­set­zung noch zu hö­ren ist. Bei Jo­hann Brahms’ „Ge­still­te Sehn­sucht“nach Text von Fried­rich Rü­ck­ert hört der Be­su­cher auch vom Kla­vier ein kraft­vol­les „Agi­ta­to“der Ein­lei­tung. Ro­man­tisch ex­pres­si­ve Kla­vier­in­ter­mez­zi ge­stal­ten die von San­dra Tscher­ni­tsch aus­drucks­voll ge­sun­ge­ne Nr. 5 aus Richard Wa­g­ners We­sen­donk-Lie­dern mit. Re­la­tiv mo­dern ist „Whe­re is it that our soul does go“von Frank Bridge (1857 bis 1941) mit Text von Hein­rich Hei­ne. Eben­falls mit Alt­stim­me, Vio­la und Kla­vier er­klingt „Rain at night” von Val­ly Wei­gel (1894 bis 1982). Früh­mo­dern im Klang, sanf­te Se­kund­rei­bun­gen, har­mo­nisch-li­nea­re Er­fin­dung. Nach An­sa­ge von San­dra Tscher­ni­tsch die ers­te eu­ro­päi­sche Au‘üh­rung die­ser in die USA emi­grier­ten Kom­po­nis­tin. Bei Ge­org Gol­ter­manns „Das Ge­bet“er­klingt das Cel­lo mit gro­ßer me­lo­di­scher In­ten­si­tät. „Après un rè­ve“, drei Lie­der für Alt und Kla­vier von Ga­b­ri­el Fau­ré, und „La lu­ne blanche“des­sel­ben Meis­ters be­schlie­ßen das Pro­gramm. Die Sän­ge­rin ge­stal­tet die li­ne­ar an­ge­leg­te Mu­sik mit emi­nen­ter Klan­gin­ten­si­tät aus. Als Zu­ga­be be­lohnt ei­ne Strei­cher­ver­si­on den Ap­plaus der Zu­hö­rer mit dem „Abend­se­gen“aus „Hän­sel und Gre­tel“von En­gel­bert Hum­per­dinck.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.