Auf­stand der Auf­sich­ten

Haller Tagblatt - - FEUILLETON - Patrick Guy­ton

Das Per­so­nal im Haus der Kunst soll out­ge­sour­ced wer­den. Doch es leis­tet krea­ti­ven Wi­der­stand.

Mün­chen. Sie sam­meln Fo­tos, sie ha­ben schon vie­le. Pro­mi­nen­te aus dem Kul­tur­be­trieb sind ab­ge­bil­det mit ei­nem But­ton, der die Auf­schrift trägt: „No out­sour­cing, sa­ve the guards of hdk“(„Ret­tet die Auf­sich­ten im Haus der Kunst). Die Bild­hau­er El Anatsui und Ai Wei­wei ha­ben mit­ge­macht, der Fo­to­graf Tho­mas St­ruth, Ki­ki Smith und Mi­ri­am Cahn, Sen­ta Ber­ger. Auch Mar­kus Lü­pertz, der ge­ra­de ei­ne gro­ße Aus­stel­lung vor Ort hat. Im Münch­ner Haus der Kunst (HdK), seit Jah­ren ge­plagt von ver­schie­dens­ten Pro­ble­men, re­bel­lie­ren nun gro­ße Tei­le der Be­leg­schaft ge­gen den Ge­schäfts­füh­rer Bern­hard Spies.

Die Auf­sich­ten, die Kas­sen­kräf­te, die Leu­te an der Pfor­te – nach den Plä­nen des Ge­schäfts­füh­rers sol­len sie al­le, ge­gen­wär­tig 46 Per­so­nen, nicht mehr beim HdK an­ge­stellt sein, son­dern über ei­nen Per­so­nal­dienst­leis­ter be­schäf­tigt wer­den. Oder aber ge­hen. Zur Es­ka­la­ti­on kam es vor drei Wo­chen, als plötz­lich Ai Wei­wei im HdK stand. Er steck­te sich den Pro­test-But­ton an die Ja­cke und woll­te aus So­li­da­ri­tät mit den Be­schäf­tig­ten ei­ne St­un­de lang Kar­ten­ab­rei­ßer bei der Lü­pertz-Aus­stel­lung sein. Di­rek­tor Spies, der von der Ak­ti­on nichts wuss­te, kam da­zu. Die Darstel­lun­gen dar­über ge­hen aus­ein­an­der, ob Ai Wei­wei aus dem Haus ge­be­ten oder ge­wor­fen wur­de.

Be­triebs­rat ab­ge­mahnt

Dann folg­te die Ab­mah­nung des ge­sam­ten Be­triebs­ra­tes. Das Gre­mi­um ha­be von der Ai Wei­weiAk­ti­on ge­wusst, aber die Ge­schäfts­füh­rung nicht in­for­miert und da­mit „ei­ne Ruf­schä­di­gung des Hau­ses bil­li­gend in Kauf ge­nom­men“. Der Be­triebs­rat, der als Ein­heit spre­chen möch­te, klagt: Der Ge­schäfts­füh­rer ver­su­che, die Be­leg­schaft „zu spal­ten“. Es herr­sche „rie­si­ge Angst“.

Bern­hard Spies, der seit Früh­jahr ver­gan­ge­nen Jah­res tä­tig ist, er­klärt: Die Hö­he der Ge­häl­ter sei nicht das Pro­blem, son­dern die fle­xi­blen und sehr pass­ge­nau zu­ge­schnit­te­nen Ver­trä­ge. So ge­be es Be­schäf­tig­te mit nur 2,5 oder 4,5 St­un­den Wo­chen­ar­beits­zeit. „Das ist ein rie­si­ger Or­ga­ni­sa­ti­ons­auf­wand.“Un­ter 20 St­un­den möch­te er nie­man­den an­stel­len.

Das Per­so­nal im HdK stellt sich aber als ziem­lich ein­zig­ar­tig dar. Die meis­ten sind selbst Künst­ler oder Kun­st­in­ter­es­sier­te, die dort ne­ben­bei ar­bei­ten. Re­gi­na Hoch­dör­fer von der Kas­se be­rich­tet, dass sie täg­lich von Be­su­chern ge­fragt wer­de, wel­che Aus­stel­lung sie emp­feh­le. Sol­ches Per­so­nal be­kom­me man nicht mit Leih­ar­bei­tern im Nied­rig­lohn­sek­tor, so der Be­triebs­rat.

Fe­der­füh­rend zu­stän­dig ist das baye­ri­sche Kunst­mi­nis­te­ri­um. Res­sort­chef Bernd Si­bler (CSU) ver­langt „so­zi­al ver­tret­ba­re Lö­sun­gen“.

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