Nach 60 Mi­nu­ten ist Schluss

Wer sein Au­to län­ger auf dem Park­platz ei­nes Dis­coun­ters ab­stellt, muss Stra­fe zah­len. Vie­le Märk­te ge­hen ver­stärkt ge­gen Falsch­par­ker vor – auch Lidl.

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT - Von Ca­ro­li­ne Strang

ine St­un­de Zeit, dann kann es teu­er wer­den: Wer sein Au­to auf ei­nem Park­platz des Dis­coun­ters Lidl ab­stellt, soll­te in Zu­kunft ge­nau auf die Uhr schau­en. Denn ein Teil der Park­plät­ze wird von ex­ter­nen Di­enst­leis­tern be­wirt­schaf­tet. Die sind an­ge­hal­ten, nach ei­ner St­un­de Kn­öll­chen zu ver­tei­len. So will Lidl ver­hin­dern, dass die Park­plät­ze von Lang­zeit­par­kern be­setzt wer­den. Oder von Men­schen, die gar nicht dort ein­kau­fen, son­dern nur die kos­ten­lo­sen Park­plät­ze nut­zen. Die­se wie­der­um feh­len für Kun­den. Da­bei sind sie schließ­lich ei­ner der Vor­tei­le, die Kun­den zu den Dis­coun­tern auf die Grü­ne Wie­se treibt.

EGut sicht­ba­re Schil­der

Die Pres­se­stel­le von Lidl spricht ge­gen­über die­ser Zei­tung von „we­ni­gen Fi­lia­len zu­meist in In­nen­stadt­la­ge“, auf de­ren Park­plät­zen nun kon­trol­liert wer­de. Das Ma­ga­zin Chip al­ler­dings be­rich­tet von 70 Pro­zent der Park­plät­ze, auf de­nen nun kon­trol­liert wer­den könn­te.

Laut Lidl wei­sen über­all gut sicht­ba­re Schil­der dar­auf hin, dass auf den Park­plät­zen nur 60 Mi­nu­ten lang ge­parkt wer­den darf und der Kun­de ei­ne Park­schei­be

Bis zu 30 Eu­ro Stra­fe wer­den fäl­lig.

hin­ter die Wind­schutz­schei­be le­gen muss. Die wer­de dann von Mit­ar­bei­tern des je­wei­li­gen Di­enst­leis­ters über­prüft. Wer die Park­zeit über­schrei­tet, muss mit ei­ner „Be­ar­bei­tungs­pau­scha­le“von 10 bis zu 30 € rech­nen, wie die Lidl-Pres­se­stel­le be­stä­tigt.

Auch wenn kei­ne Pri­vat-Po­li­tes­se un­ter­wegs ist, kann nicht mehr un­be­sorgt st­un­den­lang ge­parkt wer­den. Denn es gibt ei­ne tech­ni­sche Al­ter­na­ti­ve. „An aus­ge­wähl­ten Stand­or­ten ist ei­ne Aus­la­ge der Park­schei­be für un­se­re Kun­den nicht mehr not­wen­dig, da ein neu­es Sys­tem die Park­dau­er mit Hil­fe von Sen­so­ren im Bo­den er­fasst.“Es wird al­so ge­mes­sen, wie lan­ge ein Au­to auf ei­nem Park­platz steht. Bei ei­ner Über­schrei­tung der Höchst­park­dau­er wird der ex­ter­ne Di­enst­leis­ter au­to­ma­tisch in­for­miert.

Deut­li­che Über­schrei­tung

Ein Buß­geld al­so schon in der 61. Mi­nu­te? So will Lidl das nicht ste­hen­las­sen. „Über die freie Park­zeit von ei­ner St­un­de hin­aus gel­ten zu­sätz­lich Ka­renz­zei­ten, so dass auch Er­gän­zungs­käu­fe in na­he­ge­le­ge­nen Ein­zel­han­dels­ein­rich­tun­gen pro­blem­los mit der Park­dau­er ver­ein­bar sind.“

Die Be­ar­bei­tungs­pau­scha­le be­zie­he sich auf ei­ne deut­li­che Über­schrei­tung der Uhr­zeit. Die Pres­se­spre­che­rin weist ge­ne­rell dar­auf hin, dass die Kun­den im Nor­mal­fall deut­lich we­ni­ger als ei­ne St­un­de Zeit be­nö­tig­ten, so dass die kos­ten­lo­se Park­dau­er aus­rei­chend Zeit zum Ein­kau­fen bie­te.

Was pas­siert, wenn ein Kun­de nach dem Ein­kauf bei Lidl ei­nen Straf­zet­tel am Au­to fin­det? Die Ge­bühr kann stor­niert wer­den, soll­te durch den Lidl-Kas­sen­zet­tel ei­ne län­ge­re Ein­kaufs­dau­er nach­ge­wie­sen wer­den. Al­ler­dings: „Die voll­stän­di­ge Ab­wick­lung al­ler im Zu­sam­men­hang mit dem Ver­war­nungs­geld ste­hen­den Mo­da­li­tä­ten er­folgt da­bei aus­schließ­lich durch den Di­enst­leis­ter.“Die Fra­ge, wie der Vor­gang kon­kret ab­läuft, be­ant­wor­tet Lidl vor­erst nicht. Kun­den­re­ak­tio­nen im Netz zeu­gen da­von, dass das nicht im­mer ein­fach ist.

Al­lein ist Lidl mit der Park­kon­trol­le nicht. Auch die Kon­kur­ren­ten Al­di, Net­to oder Pen­ny set­zen in man­chen Fi­lia­len dar­auf. Beim Ede­ka Süd­west-Ver­bund ent­schei­den die Märk­te in­di­vi­du­ell, wie das Par­ken auf ih­ren Kun­den­park­plät­zen ge­re­gelt ist. Spre­cher Flo­ri­an Heitz­mann be­stä­tigt, dass auch hier ei­ne Park­raum­be­wirt­schaf­tung in­stal­liert wer­de, wo es er­for­der­lich sei. „Es han­delt sich hier­bei je­doch le­dig­lich um ein­zel­ne Märk­te.“Zum Ein­satz kä­men un­ter­schied­li­che Sys­te­me.

Die Ver­brau­cher­zen­tra­le weist auf Vor­aus­set­zun­gen hin, die die Ver­trags­stra­fe rech­tens ma­chen. So sei­en deut­li­che Hin­wei­se am Park­platz Pflicht. Die Re­geln dür­fen nicht über­ra­schend sein, es kann al­so nie­mand aus hei­te­rem Him­mel ei­ne Stra­fe we­gen Ver­schmut­zung des Park­plat­zes for­dern. Die Ver­brau­cher­schüt­zer ra­ten, die Hö­he der Stra­fe ins Ver­hält­nis zu den Sät­zen im nor­ma­len Stra­ßen­ver­kehr zu set­zen. Ob sie im Ein­zel­fall zu hoch ist, kann al­ler­dings nur ein Ge­richt klä­ren. Kom­men­tar

Fo­to: ima­go/Ina Peek

Nach ei­ner St­un­de kann es teu­er wer­den: Schil­der wei­sen auf den Lidl-Park­plät­zen auf mög­li­che Fol­gen für Falsch­par­ker hin. Das ist rech­tens.

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