Beim Kon­zert der ganz Gro­ßen da­bei

Haller Tagblatt - - VORDERSEIT­E - Von Vik­tor Ta­sch­ner

Schwä­bisch Hall. Der in Hall ge­bo­re­ne Rad­pro­fi Jo­nas Koch hat in die­ser Sai­son ei­ni­ges er­lebt. Un­ter an­de­rem hat er an der Vu­el­ta in Spa­ni­en und der WM in En­g­land teil­ge­nom­men.

Der in Schwä­bisch Hall ge­bo­re­ne Rad­pro­fi Jo­nas Koch hat ei­ne er­eig­nis­rei­che und auch er­folg­rei­che Sai­son an der Welt­spit­ze ab­sol­viert. Ich ha­be bei der Vu­el­ta in Spa­ni­en ge­zeigt, dass ich drei Wo­chen lang mit­hal­ten kann.

Vor fast ge­nau drei Jah­ren wuss­te Jo­nas Koch nicht, ob er noch ei­ne Zu­kunft im Pro­fi-Rad­sport hat. Sei­ne da­ma­li­ge Mann­schaft ver­lor den Haupt­spon­sor. Er selbst kam dann beim pol­ni­schen CCC-Team un­ter, da­mals ein Team der zwei­ten Ka­te­go­rie.

Jetzt hat Koch zum ers­ten Mal in sei­ner Kar­rie­re Pla­nungs­si­cher­heit. Sein Ver­trag bei CCC, mitt­ler­wei­le in der Ka­te­go­rie 1 an­ge­kom­men, wur­de bis En­de 2021 ver­län­gert. „Ich kann mich oh­ne Sor­gen auf das neue Jahr vor­be­rei­ten. Das ist ein neu­es und schö­nes Ge­fühl“, sagt der 26-Jäh­ri­ge. Sein Stu­di­um, In­ter­na­tio­na­les Ma­nage­ment in Ans­bach, hat er für die Pro­fi­kar­rie­re erst mal auf Eis ge­legt.

Kno­ten platzt in Ös­ter­reich

Dass Jo­nas Koch, der ge­bür­ti­ge Schwä­bisch Hal­ler, sich wei­ter­hin mit den Bes­ten der Welt rund um den Glo­bus mes­sen darf, hat er sei­nen Leis­tun­gen in die­sem Jahr zu ver­dan­ken. „Es ist für mich wirk­lich gut ge­lau­fen, ich kann sehr zu­frie­den sein“, sagt der in Rott­weil le­ben­de Koch.

Als er ein Jahr alt ist, zie­hen sei­ne El­tern mit ihm von Schwä­bisch Hall wie­der nach Rott­weil zu­rück. „Der Kno­ten ist Mit­te Ju­li bei der Ös­ter­reich-Rund­fahrt ge­platzt.“Nach sechs Etap­pen si­chert sich Jo­nas Koch das Grü­ne Tri­kot des Punkt­bes­ten. Ins­be­son­de­re in der zwei­ten Sai­son­hälf­te macht Koch dann

wei­tenr auf sich auf­merk­sam. Spä­tes­tens als er En­de Au­gust bei der Spa­ni­en-Rund­fahrt, der Vu­el­ta a España, am Start steht, steht er auch im Fo­kus der Weltö ent­lich­keit. Zum ers­ten Mal in sei­ner Kar­rie­re nimmt er an ei­ner drei­wö­chi­gen Rund­fahrt teil. Die Vu­el­ta ge­hört ne­ben der Tour de Fran­ce und dem Gi­ro d’Ita­lia zu den „Grand Tours“, al­so den drei größ­ten und meist­be­ach­te­ten Rund­fahr­ten der Welt.

Die Stra­pa­zen ver­kraf­tet Koch gut. „Die Mes­sun­gen ha­ben er­ge­ben, dass ich in der drit­ten Wo­che mei­ne bes­ten Leis­tungs­wer­te ge­fah­ren bin. Das hat mich auch über­rascht.“Drei Top-Ten-Plat­zie­run­gen bei den Etap­pen sprin­gen für ihn her­aus, im Ge­samt­klas­se­ment be­legt er Platz 60 von fast 200 Fah­rern. „Als wir am letz­ten Tag in Ma­drid an­ka­men, war die Stim­mung über­ra­gend. Ich war er­leich­tert, dass ich so gut durch­ge­kom­men bin“, er­in­nert sich Koch.

Nur ei­nen Tag nach der Ziel­an­kunft in Spa­ni­ens Haupt­stadt er­hält der ge­bür­ti­ge Hal­ler ei­ne er­freu­li­che Nach­richt. Der Bund Deut­scher Rand­fah­rer no­mi­niert ihn für die Stra­ßen-WM in En­g­land. Koch ver­tritt die deut­schen Far­ben beim ver­reg­ne­ten Ein­ta­ges­ren­nen von Leeds nach Har­ro­ga­te über 260 Ki­lo­me­ter. „Es war an der Gren­ze, aber noch mach­bar“, um­schreibt Koch die ex­tre­men Be­din­gun­gen, mit de­nen sich die Fah­rer an die­sem Tag aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. So krass ha­be er es aber noch nie er­lebt, teil­wei­se ha­be sich das Was­ser auf der Stra­ße ge­staut. „Das Was­ser stand ein­mal bis zum Tret­la­ger hoch. Ich war in der ers­ten Spit­zen­grup­pe mit da­bei. An ei­ner Stel­le muss­ten wir fast kom­plett ab­stop­pen, um durch die Pfüt­ze zu kom­men.“Da in der Grup­pe von Koch ei­ni­ge nam­haf­te Fah­rer da­bei sind, macht das Haupt­feld früh Tem­po, um die Aus­rei­ßer wie­der ein­zu­ho­len. Koch steigt spä­ter aus dem Ren­nen aus. „Wenn man viel in die Flucht in­ves­tiert, dann kann man, wenn man ein­ge­holt wird, nicht mehr mit­hal­ten. Aber es war mein Auf­trag, am An­fang mit­zu­ge­hen und die­sen Job ha­be ich er­füllt.“

Als letz­tes Ren­nen ei­ner lan­gen Sai­son hat Jo­nas Koch noch die Tour von Guan­gxi in Süd­chi­na im Ka­len­der. „In Chi­na bin ich noch nicht ge­fah­ren. Es freut mich, am En­de des Jah­res noch­mal ei­ne neue Kul­tur ken­nen­zu­ler­nen.“Vom 17. bis 22. Ok­to­ber steigt er im Reich der Mit­te in den Sat­tel. „Da­nach ist erst ein­mal Er­ho­lung an­ge­sagt. Die meis­te Zeit wer­de ich zu Hau­se in Rott­weil ver­brin­gen. Wenn man das gan­ze Jahr un­ter­wegs ist, hat man kei­ne gro­ße Lust, für den Ur­laub wie­der in den Flie­ger zu stei­gen.“

Ein­ta­ges­klas­si­ker im Sinn

Wel­che Ren­nen Koch in der Sai­son 2020 be­strei­ten wird, weiß er noch nicht. „Wir ha­ben im De­zem­ber ein Te­am­trai­nings­la­ger. Dort wer­den sol­che Sa­chen dann be­spro­chen.“Koch geht aber da­von aus, dass er wie­der für zu­min­dest ei­ne der drei gro­ßen Rund­fahr­ten no­mi­niert wird. „Mei­ne Leis­tun­gen bei der Vu­el­ta sind ei­ne gu­te Re­fe­renz. In Spa­ni­en ha­be ich ge­zeigt, dass ich über drei Wo­chen mit­hal­ten kann.“Ein wei­te­res Ziel für Jo­nas Koch sind die pres­ti­ge­träch­ti­gen Ein­ta­ges-Klas­si­ker. Kochs Zu­kunfts­aus­sich­ten im Rad­sport sind nun auf je­den Fall ro­si­ger als noch vor drei Jah­ren.

Fo­to: ima­go/Ma­rio Stiehl

Jo­nas Koch fährt beim ver­reg­ne­ten WM-Ren­nen En­de Sep­tem­ber lang­sam um die Kur­ve.

Jo­nas Koch (links) im Tri­kot des deut­schen WM-Teams.

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