AKK im Kri­sen­mo­dus

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES | POLITIK - Sa­bi­ne Lenn­artz

In der CDU hat die Par­tei­che­fin zu­neh­mend we­ni­ger Rück­halt. Manch ei­ner will des­halb ih­ren Ein­fluss be­gren­zen.

Ber­lin. „Ach je, An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er – ein schwie­ri­ges The­ma“. Das ist die nor­ma­le Re­ak­ti­on ei­nes Ber­li­ner Po­li­ti­kers, gleich wel­cher Par­tei, wenn er nach der CDU-Che­fin ge­fragt wird. Und die Fra­ge wird im­mer öf­ter ge­stellt. Nach 18 Jah­ren hält die Uni­on wie­der Aus­schau nach ei­nem Kanz­ler­kan­di­da­ten und die Un­zu­frie­den­heit mit Kramp-Kar­ren­bau­er ist groß.

Fragt man CDU-Po­li­ti­ker, dann kommt die aus­wei­chen­de Ant­wort, dass es un­um­strit­ten sei, dass die Vor­sit­zen­de das ers­te Zu­grisrecht ha­be. Es folgt – manch­mal mit ei­nem Seuf­zer ver­bun­den – der un­ver­meid­li­che Satz: „Aber es ist nicht der Zeit­punkt, zu dem wir das ent­schei­den.“

Die­ser Zeit­punkt aber könn­te ganz schnell kom­men, wenn die SPD An­fang De­zem­ber ei­ne ne­ga­ti­ve Halb­zeit­bi­lanz der Re­gie­rung zie­hen soll­te. Wird Kramp-Kar­ren­bau­er zu­grei­fen? Bis jetzt gibt es kei­nen Grund, von ei­nem Ver­zicht der 57-jäh­ri­gen Saar­län­de­rin aus­zu­ge­hen.

Als sie im Fe­bru­ar 2018 das Amt der saar­län­di­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­tin auf­gab, um CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin zu wer­den, flo­gen ihr die Her­zen der Par­tei zu. „Ich kann, ich will, ich wer­de“hat­te sie in ih­rer Be­wer­bungs­re­de ver­spro­chen. Doch seit da­mals nah­men ih­re kla­ren Aus­sa­gen ab und kom­pli­zier­te­re Sät­ze zu. Sie ver­such­te als ers­tes, die kon­ser­va­ti­ven An­hän­ger ih­rer Ri­va­len hin­ter sich zu sam­meln und ver­prell­te da­bei ih­re ei­ge­nen.

Ver­hee­ren­de Um­fra­gen kom­men hin­zu. Nur 29 Pro­zent wün­schen An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er ei­ne wich­ti­ge Rol­le in der Po­li­tik. Die Jun­ge Uni­on drängt in ei­nem An­trag auf Ur­wahl des Kanz­ler­kan­di­da­ten und will dar­über am nächs­ten Wo­che­n­en­de in Saar­brü­cken ab­stim­men. Kommt solch ein An­trag durch, wä­re das ein glat­tes Miss­trau­ens­vo­tum ge­gen Kramp-Kar­ren­bau­er. Zu­mal auch noch Fried­rich Merz ein­ge­la­den wur­de, am Frei­tag zu den Jun­gen Unio­nis­ten zu re­den. Und der Sau­er­län­der, ob­gleich im letz­ten De­zem­ber in Ham­burg knapp un­ter­le­gen, gilt im­mer noch als star­ker Ri­va­le und Lieb­ling der Kon­ser­va­ti­ven in der CDU.

Schrö­der setzt auf La­schet

ցent­lich grei­fen nur we­ni­ge die Par­tei­che­fin an, hin­ter den Ku­lis­sen aber bas­teln so ei­ni­ge an ih­rem Pro­fil. Ar­min La­schet, der NRW-Mi­nis­ter­prä­si­dent, hat schon vor ei­nem Jahr Am­bi­tio­nen er­ken­nen las­sen, als er in ei­nem In­ter­view sag­te, Kanz­ler­kan­di­dat und CDU-Vor­sitz hin­gen nicht au­to­ma­tisch zu­sam­men. Er bringt sich wei­ter ins Spiel. Und zu­min­dest ei­ner wet­tet be­reits auf ihn: Alt­kanz­ler Gerd Schrö­der will ein gu­tes Abend­es­sen dar­auf set­zen, dass die CDU am En­de auf La­schet zu­kommt. Aber auch Jens Spahn ist äu­ßerst prä­sent, der Ge­sund­heits­mi­nis­ter stößt viel an. Sel­te­ner fal­len die Na­men von Da­ni­el Gün­ther, Re­gie­rungs­chef in Kiel, und Uni­ons-Frak­ti­ons­chef Ralph Brink­haus, den auch ei­ni­ge sich als Kan­di­da­ten vor­stel­len kön­nen.

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