Jus­tiz­pan­ne ver­hin­dert Pro­zess

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU -

Ein we­gen Volks­ver­het­zung An­ge­klag­ter hat mög­li­cher­wei­se kei­ne La­dung er­hal­ten.

Ora­ni­en­burg. Der Pro­zess ge­gen den Ba­den-Würt­tem­ber­ger, der in der Ge­denk­stät­te Sach­sen­hau­sen (Bran­den­burg) die Exis­tenz von Gas­kam­mern in Abre­de ge­stellt ha­ben soll, muss we­gen ei­ner Jus­tiz­pan­ne neu an­ge­setzt wer­den. Der 69-Jäh­ri­ge und sein An­walt wa­ren am Diens­tag nicht vor dem Amts­ge­richt Ora­ni­en­burg (Bran­den­burg) er­schie­nen. Die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin Bar­ba­ra Spei­del-Mier­ke konn­te zu Be­ginn der Ver­hand­lung aber auch nicht fest­stel­len, dass die La­dung dem An­ge­klag­ten recht­zei­tig zu­ge­gan­gen wä­re.

Die ent­spre­chen­de Zu­stel­lungs­ur­kun­de nach der La­dung im Au­gust sei nicht bei Ge­richt ein­ge­gan­gen, sag­te die Rich­te­rin. Da­her soll noch in die­sem Jahr ein neu­er Pro­zess­ter­min an­be­raumt wer­den.

Der Mann hat­te im Ju­li 2018 die Ge­denk­stät­te mit ei­ner Grup­pe aus dem Wahl­kreis Bo­den­see der AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ali­ce Wei­del be­sucht. Bei der Füh­rung ha­be der An­ge­klag­te ge­äu­ßert, Gas­kam­mern ha­be es im Zwei­ten Welt­krieg nur in den USA ge­ge­ben, teil­te das Ge­richt mit.

Die Staats­an­walt­schaft Neu­rup­pin hat­te ge­gen den Mann ei­nen Straf­be­fehl von 80 Ta­ges­sät­zen und ins­ge­samt 4000 Eu­ro we­gen Volks­ver­het­zung und Stö­rung der To­ten­ru­he be­an­tragt, der vom Amts­ge­richt er­las­sen wur­de. Da­ge­gen leg­te der 69-Jäh­ri­ge Ein­spruch ein.

Füh­rung ab­ge­bro­chen

Im­mer wie­der sei­en Teil­neh­mer die­ser Be­su­cher­grup­pe im Ju­li 2018 durch Zwi­schen­ru­fe auf­ge­fal­len, be­rich­te­te der Spre­cher der Ge­denk­stät­ten-Stif­tung, Horst Se­fe­rens, am Ran­de des Pro­zes­ses. Die Füh­rung sei nach ei­ner Stun­de ab­ge­bro­chen und die Grup­pe aus der Ge­denk­stät­te ver­wie­sen wor­den. „Ei­nen Fall in die­ser Dras­tik hat­ten wir zu­vor nicht.“

Im KZ Sach­sen­hau­sen wa­ren von 1936 bis 1945 mehr als 200 000 Men­schen in­haf­tiert. Zehn­tau­sen­de von ih­nen wur­den er­mor­det oder star­ben an Hun­ger, Krank­hei­ten und den Fol­gen von Zwangs­ar­beit. Im Jahr 1942 war in Sach­sen­hau­sen ei­ne An­la­ge mit ei­nem Kre­ma­to­ri­um, ei­ner Ge­nick­schuss­an­la­ge und ei­ner Gas­kam­mer ge­baut wor­den.

„Ar­beit macht frei“steht am Ein­gangs­tor des ehe­ma­li­gen KZ.

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