Fi­nan­zen

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU - Von A. Wie­de­mann und S. Ben­te­le

Städ­te und Ge­mein­den be­fürch­ten, dass sie oh­ne Nach­bes­se­run­gen am Lan­des­etat auf zig Mil­lio­nen Kos­ten sit­zen blei­ben.

Streit zwi­schen grün-schwar­zer Re­gie­rung und den Kom­mu­nen in Ba­den­Würt­tem­berg: Städ­te und Ge­mein­den se­hen sich im Stich ge­las­sen bei den Kos­ten für ge­dul­de­te Flücht­lin­ge und be­hin­der­te Men­schen.

265 Mil­lio­nen Eu­ro ha­ben die 44 Stadt- und Land­krei­se 2018 für die An­schluss­un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen auf­ge­wen­det. Rund 134 Mil­lio­nen Eu­ro sind er­stat­tet wor­den. Für 2020 sind da­für im neu­en Etat­ent­wurf der grü­nen Fi­nanz­mi­nis­te­rin Edith Sitz­mann 150 Mil­lio­nen Eu­ro vor­ge­se­hen.

„Wir selbst ha­ben aber 270 Mil­lio­nen Eu­ro er­mit­telt“, sagt Gu­drun Heu­te-Bl­uhm, ge­schäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des Städ­te­tags. „Die Fi­nanz­mi­nis­te­rin hat nicht be­grün­det, war­um der Haus­halts­an­satz weit hin­ter der im ver­gan­ge­nen Jahr ge­tro“enen Ver­ein­ba­rung, die er­mit­tel­ten Be­dar­fe zu fi­nan­zie­ren, zu­rück bleibt.“

Die Zahl der Flücht­lin­ge ist zwar zu­rück­ge­gan­gen, aber im­mer mehr Asyl­ver­fah­ren sind ent­schie­den. Wer dann zum Bei­spiel trotz Ab­leh­nung ei­ne Dul­dung hat, für den kom­men die Kom­mu­nen auf. „Wir ha­ben an­ge­bo­ten, 40 Mil­lio­nen Eu­ro zu über­neh­men“, sagt Al­exis von Ko­mo­row­ski, der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Land­kreis­tags. Da­mit blieb aber schon 2018 ein Mi­nus von 90 Mil­lio­nen bei den Kom­mu­nen.

krni- Land­rat Hei­ner Sche“old ti­sier­te in ei­nem Aus­schuss des Alb-Do­nau-Kreis­tags, dass es „ex­pli­zi­te Aus­sa­gen beim Be­such des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten gab, dass spitz ab­ge­rech­net wird. Da war ich 2015 da­bei“. Es stel­le sich nun die Fra­ge, wie sehr man sich auf sol­che Aus­sa­gen noch ver­las­sen kön­ne.

Auch bei den Kos­ten für Neu­re­ge­lun­gen des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes, die von 2020 an wirk­sam wer­den, se­hen sich die Kom­mu­nen al­lein­ge­las­sen. „Völ­lig of­fen“sei ei­ne er­war­te­te Sum­me von 150 Mil­lio­nen Eu­ro, sagt von Ko­mo­row­ski. 2019 gab es für die Kom­mu­nen laut Land­kreis­tag

Mil­lio­nen Eu­ro, um das Ge­setz um­zu­set­zen. Jetzt sind 15 Mil­lio­nen Eu­ro vor­ge­se­hen.

„Das deckt nicht mal die Per­so­nal­kos­ten, die wir mit 43 Mil­lio­nen Eu­ro be­zi“ern“, sagt Heu­te-Bl­uhm. „Die Lan­des­re­gie­rung hat vor al­lem nicht ge­sagt, wo sie Kon­ne­xi­tät, al­so die ei­ge­ne Ver­pflich­tung zur Aus­zah­lung, an­er­kennt oder, wie ur­sprüng­lich vom So­zi­al­mi­nis­te­ri­um an­ge­kün­digt, der Mehr­auf­wand frei­wil­lig aus­ge­gli­chen wird.“

„Wir wa­ren in vie­len Punk­ten un­ter­schied­li­cher Au“as­sung, hät­ten uns aber mög­li­cher­wei­se an­nä­hern kön­nen, wenn wir nicht in die­sen bei­den ganz we­sent­li­chen Punk­ten weit aus­ein­an­der ge­le­gen hät­ten“, sagt Heu­teBl­uhm. Vor acht Ta­gen ha­ben die kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de des­halb die Ver­hand­lun­gen der ge­mein­sa­men Fi­nanz­kom­mis­si­on von Kom­mu­nen und Land plat­zen las­sen. „Po­li­ti­scher Spreng­s­to““sei die feh­len­de Un­ter­stüt­zung des Lan­des für sei­ne Kom­mu­nen, sagt von Ko­mo­row­ski.

„Wir las­sen die Kom­mu­nen nicht im Re­gen ste­hen“, sagt Ben­ja­min Hech­ler, der Pres­se­spre­cher des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums. In der ge­mein­sa­men Fi­nanz­kom­mis- si­on sei man mit den Kom­mu­nen nicht ei­nig ge­wor­den. Es wer­de aber wei­ter ver­han­delt. Knack­punkt ist, wel­che Leis­tun­gen ver­pflich­tend für das Land sei­en. „Die­sen Ver­pflich­tun­gen kom­men wir selbst­ver­ständ­lich nach.“

Für das Bun­des­teil­ha­be­ge­setz ha­be man 80 Mil­lio­nen Eu­ro auf der Sei­te. Für die An­schluss­un­ter­brin­gung von Asyl­be­wer­bern leis­te das Land sei­nen Bei­trag. Hier sei­en aber die Kom­mu­nen in der Pflicht.

Bleibt es bei den Mil­lio­nen­Mehr­aus­ga­ben wie im Etat­ent­wurf ge­plant, sei­en Strei­chun­gen an den Leis­tun­gen und Er­hö­hun­gen bei den Kreis-Um­la­gen zu be­fürch­ten, die al­le Städ­te und Ge­mein­den bet­re“en, heißt es beim Land­kreis­tag. Die Kom­mu­nal­ver­bän­de wer­ben nun bei den Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten für Kor­rek­tu­ren in den Etat­be­ra­tun­gen.

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