Wenn der Post­bo­te nicht mehr klin­gelt

Er­folg Beim Fi­nal­ent­scheid des bun­des­wei­ten Wett­be­werbs „Yes“kommt das Schü­ler­team des Gym­na­si­ums bei St. Micha­el mit sei­nem Kon­zept der „P-Box“auf den drit­ten Platz.

Haller Tagblatt - - JUGEND - Von Ma­ya Pe­ters

Die krea­ti­ve Ge­schäfts­idee zum Ein­spa­ren von Sprit, Wegstre­cke, Zeit und Ab­ga­sen bei der Pa­ket­lie­fe­rung bringt sie aufs Sie­ger­trepp­chen: Die Gym­na­si­as­ten La­vie Nguy­en, Hen­ri Mack, Mo­ritz Schmieg, Tim Gehr­ke und Lou­is Schnei­der ha­ben für ihr Kon­zept der „P-Box“im Fi­na­le des bun­des­wei­ten Wett­be­werbs „YES! – Young Eco­no­mic Sum­mit“den drit­ten Platz ge­won­nen. Al­le fünf be­le­gen das Nei­gungs­fach Wirt­schaft am Gym­na­si­um bei St. Micha­el bei Li­sa Hein­zel­be­cker und sind 17 Jah­re alt.

Für den Wett­be­werb such­ten sie Ant­wor­ten auf die Fra­ge, wie Zu­stel­lun­gen auf der letz­ten Mei­le mit den wirt­schaft­li­chen Zie­len der Lie­fer­diens­te so­wie mit ei­ner res­sour­cen­scho­nen­den Stadt­ent­wick­lung ver­ein­bar sind. Das Er­geb­nis der Hal­ler Schü­ler heißt: „P-Box – for Gre­en De­li­very“. Da­für wer­den mo­du­la­re Pa­ket­sta­tio­nen in Wohn­ge­bie­ten von al­len Zu­lie­fe­rern be­füllt. Der Bei­spiel­rech­nung liegt ein Plan des neu­en Hal­ler Wohn­ge­biets „Am Son­nen­rain“in Hes­sen­tal zu­grun­de. Durch die P-Bo­xen als zen­tra­le Sam­mel­stel­len wer­den die in­di­vi­du­el­len Wegstre­cken ver­kürzt und so um­welt­freund­lich Res­sour­cen ge­spart. Die Emp­fän­ger wer­den be­nach­rich­tigt und/oder im An­schluss per E-Las­ten­fahr­rad ab Box mit den Pa­ke­ten be­lie­fert.

Zwölf Teams sind im Fi­na­le

Im Fi­na­le des Wett­be­werbs im Be­reich Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten stan­den zwölf der ur­sprüng­lich 60 Teams. Die­se hat­ten sich in den fünf Re­gio­nal­fi­na­len im Ju­li durch­ge­setzt. Als Ge­win­ner in der Re­gi­on Süd­ost er­hielt das Schü­ler­team vom Mi­che­le ein Preis­geld von 1000 Eu­ro so­wie ein Bud­get über 500 Eu­ro.

„Wir ha­ben da­mit ei­ne 3-D-Prä­sen­ta­ti­on ge­stal­tet“, be­rich­tet Tim. „Das Bun­des­fi­na­le an der Bu­ce­ri­us Law School in Ham­burg war ei­ne deut­lich grö­ße­re Her­aus­for­de­rung als das ge­won­ne­ne Re­gio­nal­fi­na­le“, be­tont er rück­bli­ckend. Erst­mals ha­be man vor ei­ner Grup­pe von fast 300 Leu­ten, dar­un­ter re­nom­mier­te in­ter­na­tio­na­le Ex­per­ten und Wis­sen­schaft­ler, in ei­ner Fremd­spra­che über ein selbst er­ar­bei­te­tes The­ma re­fe­riert. „Das ist schon et­was Be­son­de­res, das weit über das hin­aus­geht, was Schu­le al­lein leis­ten könn­te“, lobt Li­sa Hein­zel­be­cker. Es sei phä­no­me­nal, wie um­fas­send die Fünf ihr kom­ple­xes The­ma er­grün­det ha­ben – auch in der Frei­zeit. „Wir ha­ben uns nach der Schu­le noch im Com­pu­ter­raum ge­troªen und die Ar­beits­schrit­te auf­ge­teilt“, sagt La­vie.

En­de Sep­tem­ber hat­te je­des Team sein Pro­jekt auf Eng­lisch in ei­ner zehn­mi­nü­ti­gen Prä­sen­ta­ti­on und ei­ner 30-mi­nü­ti­gen Dis­kus­si­on vor­ge­stellt. Am zwei­ten Tag des Wett­be­werbs wur­den nach ei­ner er­neu­ten 60-se­kün­di­gen Vor­stel­lung je­der Grup­pe die drei Ge­win­ner­teams aus den zwölf Fi­na­lis­ten ge­wählt. „Der „Ele­va­tor-Pitch“war echt knall­hart“, blickt Lou­is zu­rück.

Die drei Sie­ger­teams wer­den im De­zem­ber ins Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um nach Ber­lin ein­ge­la­den und dür­fen dort er­neut ih­re Ide­en vor Po­li­ti­kern wie Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er und an­de­ren Ex­per­ten dis­ku­tie­ren. „Da freu­en wir uns noch mal sehr drauf“, be­stä­ti­gen al­le. „Dass ich schon zum Aus­tausch in den USA war, war si­cher ein Vor­teil“, sin­niert Lou­is. Nicht nur ihn ha­be die fremd­sprach­li­che Dis­kus­si­on mit drei Ex­per­ten po­si­tiv her­aus­ge­for­dert. „Die ha­ben uns nicht mit Samt­hand­schu­hen an­ge­fasst.“Im An­schluss an die Vor­trä­ge und Dis­kus­si­ons­run­den stimm­ten die Teams im Fi­na­le über die bes­ten Ide­en ab. „Gre­en­pay“, das Pro­jekt des Wer­ner-Hei­sen­berg-Gym­na­si­ums aus Wein­heim, er­hielt den ers­ten Platz. Den zwei­ten be­leg­te das Gym­na­si­um Köln-Pesch. „Un­se­re Grup­pe hat nicht nur in­halt­lich mit ih­rem Kon­zept über­zeugt, son­dern hat auch viel Lob für ihr Auf­tre­ten be­kom­men“, fasst Hein­zel­be­cker den ver­dien­ten drit­ten Platz zu­sam­men.

Beim Pro­jekt viel ge­lernt

„Wir ha­ben al­le echt viel ge­lernt“, re­sü­miert Tim. „Und die Fahr­ten nach Mün­chen und Ham­burg wa­ren toll“, setzt La­vie hin­zu. Auch in der Grup­pe selbst ha­be sich schnell her­aus­kris­tal­li­siert, wer in wel­chen Be­rei­chen be­son­ders fit sei und die­se über­neh­me. „Wir wur­den ein rich­tig gu­tes Team“, schließt Mo­ritz. Für die Aus­ar­bei­tung des Kon­zepts ha­be man um­fang­rei­che Stu­di­en ver­wen­det und Ge­sprä­che mit dem Hal­ler Ers­ten Bür­ger­meis­ter Pe­ter Klink, mit dem GWG-Geschäftsf­ührer Wolf Gie­se­ke, der Post und Würth Lo­gis­tics ge­führt. „Die­se un­ter­schied­li­chen Sicht­wei­sen und die kon­struk­ti­ve Kri­tik ha­ben un­serm Kon­zept echt ge­hol­fen“, so Tim. Zu­dem wur­de das Team von Sa­bi­ne Rum­scheidt und Ca­ro­li­ne Vo­gel vom Münch­ner Ifo-In­sti­tut wis­sen­schaft­lich be­treut.

„Der ‚Yes’-Wett­be­werb ist in sei­ner Form in Deutsch­land ein­zig­ar­tig“, un­ter­streicht Schul­lei­ter Frank Na­gel. Selbst in­ter­na­tio­na­le Ex­per­ten aus USA, En­g­land, Po­len, Hol­land und Finn­land sei­en zur Dis­kus­si­on mit den Schü­lern an­ge­reist. „Ihr habt wirk­lich viel ge­leis­tet“, lobt Na­gel das Kon­zept und die Prä­sen­ta­ti­on. Er hat die Grup­pe mit Wirt­schafts­leh­re­rin Li­sa Hein­zel­be­cker En­de Sep­tem­ber zum Bun­des­ent­scheid be­glei­tet. „Im An­schluss sind wir vom Schul­lei­ter als Be­loh­nung zum Es­sen ein­ge­la­den wor­den“, er­zählt Tim lä­chelnd.

Echt schlau!

Fo­to: Bu­ce­ri­us Law School

Freu­en sich über den Er­folg in Ham­burg: Schul­lei­ter Frank Na­gel, Hen­ri Mack, La­vie Nguy­en, Lou­is Schnei­der, Tim Gehr­ke, Mo­ritz Schmieg und Wirt­schasleh­re­rin Li­sa Hein­zel­be­cker.

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