Die „See­len­kam­mer“ist ge­schlos­sen

Die Fi­nis­sa­ge im Pahl-Mu­se­um in Gails­bach ist gleich­zei­tig der Start in die Win­ter­pau­se. Rund 30 Be­su­cher kom­men zu Ge­spräch, Kunst­be­trach­tung und Zwie­bel­ku­chen.

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL - Von Son­ja Ale­xa Voll­mann

Ed­gar Piel ist nicht ent­täuscht. Eher we­ni­ge Be­su­cher ka­men in die­sem Som­mer zur Aus­stel­lung sei­ner Bil­der im Pahl-Mu­se­um im Schwä­bisch-Frän­ki­schen Wald. „Wenn Freu­de beim Ma­chen ist, dann ist es un­ab­hän­gig da­von, ob es ge­braucht wird“: So for­mu­liert es der Künst­ler Piel, der in Tü­bin­gen lebt und von der En­ke­lin Pahls an­ge­spro­chen wur­de. Man­fred Pahl, ein Stutt­gar­ter Künst­ler, nutz­te einst das Ge­bäu­de als Ate­lier und über­gab es 1989 der Ge­mein­de Main­hardt. Ein en­ga­gier­ter Freun­des­kreis or­ga­ni­siert wech­seln­de Aus­stel­lun­gen. „Mit viel Herz­blut sor­gen wir da­für, ein biss­chen Kul­tur in den länd­li­chen Raum zu brin­gen“, be­schreibt es Kustos Ru­dolf Ba­der.

Vor rund 30 Gäs­ten, die an die­sem nass­kal­ten Ok­to­ber­sonn­tag in den un­ge­heiz­ten Räu­men im Halb­kreis sit­zen, schaut er kurz zu­rück auf die Sai­son und er­in­nert an die Aus­stel­lung der Main­hard­ter Schü­ler im Früh­jahr so­wie der hie­si­gen Künst­le­rin Eri­ka Ma­nue­la Wie­land. Mit ihr gab es ein mo­de­rier­tes Ge­spräch, wie auch zur Piel-Ver­nis­sa­ge am 20. Ju­ni. Da­für wur­de ex­tra ein ro­tes So­fa an­ge­scha t. Gut be­sucht sei auch der Mun­d­art­nach­mit­tag ge­we­sen.

Dunk­le Fi­gu­ren

Mit dem Tü­bin­ger Künst­ler sei es er­war­tungs­ge­mäß nicht so ein­fach ge­we­sen, die Mas­sen an Be­su­chern an­zu­lo­cken. Nächs­tes Jahr könn­te das wie­der an­ders wer­den, wenn der Bar­ten­stei­ner Kreis, ein Kunst­ver­ein mit Sitz in Schroz­berg, sei­ne Wer­ke an die schlich­ten wei­ßen Wän­de hängt.

Zum En­de der Aus­stel­lung „Kör­per­wel­ten und See­len­kam­mern“spricht Ed­gar Piel über die fi­gür­li­che Ma­le­rei. Sei­ne Bil­der sind do­mi­niert von mensch­li­chen Kör­pern und Ge­sich­tern, eher dunk­le Fi­gu­ren, düs­te­re Stim­mung, mal ei­ne schrei­en­de Frau, ein Ge­sicht hin­ter Gittern, auch mal ein Tier, ei­ne Hun­de­schnau­ze, ein Pa­pa­gei auf ei­ner Schul­ter.

Ein „mal­ba­res Et­was“

Die abs­trak­te Ma­le­rei ha­be die Fi­gu­ra­ti­ve durch das Auf­kom­men des Fo­to­ap­pa­ra­tes ab­ge­löst, sagt Piel. „Aber sie woll­te nicht den Men­schen ver­trei­ben, son­dern in ihn ein­drin­gen, glau­be ich.“Abs­trak­te Ma­le­rei stel­le psy­chi­sche Zu­stän­de dar, ein „mal­ba­res Et­was“. Das wil­de Et­was, das ei­nem auch im Traum be­geg­ne.

Und er spricht von sol­chen Künst­lern, die durch ih­re Kunst ein Lei­den sicht­bar ge­macht oder ver­ar­bei­tet ha­ben, bei­spiels­wei­se die Hand des schla­gen­den Va­ters. Er schließt mit ei­nem Satz, der sehr per­sön­lich wirkt und et­was o en lässt, wor­über man ger­ne mit dem Ma­ler spre­chen wür­de: „Al­so sind Künst­ler und Schrei­ber nichts an­de­res als Kam­mer­jä­ger. See­len­kam­mer­jä­ger.“Er auch? Und war­um? Dar­über nach­den­ken kann der Be­su­cher bei stim­mungs­vol­len Lie­dern, ge­spielt vom Schwä­bisch Hal­ler Gi­tar­ren­quar­tett.

„Was steckt bloß da­hin­ter? Was sagt er da­mit und wo kommt das her?“Vie­le Fra­gen stellt sich Be­su­che­rin Su­san­ne Fleisch beim Be­trach­ten der Piel-Bil­der. Die Frau aus dem na­hen Klin­gen­hof ist heu­te zum ers­ten Mal ins Pahl-Mu­se­um ge­kom­men. Nie­mand auf den Bil­dern Piels se­he glück­lich aus.

Sie ent­deckt ei­ne Frau mit ei­ner Art Ge­stell vor dem Mund und den über­ra­schend bun­ten Pa­pa­gei auf der Schul­ter ei­ner düs­te­ren Gestalt. Für Su­san­ne Fleisch ist der Be­such des Mu­se­ums ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, sich an ih­re Schul­zeit und den Kunst-Leis­tungs­kurs zu er­in­nern. Und ein An­lass, nach der Kunst­be­trach­tung bei Zwie­bel- oder Pflau­men­ku­chen ins Ge­spräch zu kom­men.

Nun geht das Mu­se­um in die Win­ter­pau­se, die Piel-Bil­der rei­sen zu­rück nach Tü­bin­gen. Der klei­ne Raum, der zur Dau­er­aus­stel­lung der Pahl-Wer­ke ge­hört, wird von Ru­dolf und Eri­ka Ba­der wie in je­dem Jahr neu kon­zi­piert. Die Eh­ren­amt­li­chen, die sams­tags und sonn­tags am Ein­gang sit­zen, ha­ben frei – bis Mai.

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