Schwei­ni sagt „Ser­vus“

Fuß­ball Bas­ti­an Schwein­stei­ger, der Deutsch­land beim WM-Fi­na­le 2014 in Bra­si­li­en zum vier­ten Ti­tel führ­te, be­en­det sei­ne sport­li­che Lauf­bahn.

Haller Tagblatt - - SPORT - Von Ge­rold Kn­ehr

Der 13. Ju­li 2014 war der größ­te Tag in der sport­li­chen Kar­rie­re des Bas­ti­an Schwein­stei­ger. Er ge­noss ihn. Trotz al­ler Schmer­zen. Nach dem 1:0-Sieg im WM-Fi­na­le nach Ver­län­ge­rung ge­gen Ar­gen­ti­ni­en stand „Schwei­ni“, wie er in der Fuß­ball-Sze­ne von al­len lie­be­voll ge­nannt wur­de, im Bauch des ehr­wür­di­gen Ma­ra­canã-Sta­di­ons und gab In­ter­views. Qua­si als Rock hat­te er sich ein deut­sches Tri­kot mit den Un­ter­schrif­ten frü­he­rer Welt­meis­ter um die Hüf­te ge­wi­ckelt. Es hat­te wäh­rend des Tur­niers als Glücks­brin­ger in der Ka­bi­ne ge­han­gen.

Auch Ma­rio Göt­ze, der Schüt­ze 1:0-Siegt­re«ers, hät­te sich die­se Tro­phäe schnap­pen kön­nen. Doch al­len im Team war klar: Kei­ner hat sie sich mehr ver­dient als Bas­ti. Er hat­te viel ein­ste­cken müs­sen, schien mit sei­nen Kräf­ten am En­de und stand nach ei­nem Schlag von Ser­gio Agüe­ro, der ei­ne kla«en­de Wun­de un­ter dem rech­ten Au­ge ver­ur­sach­te, kurz vor der Aus­wechs­lung.

Doch Schwei­ni ra«te sich auf, über­nahm Ver­ant­wor­tung – und führ­te die DFB-Aus­wahl fünf Ta­ge nach dem le­gen­dä­ren 7:1 ge­gen Gast­ge­ber Bra­si­li­en zum vier­ten deut­schen WM-Ti­tel. Schwein­stei­ger wur­de zum Sym­bol des un­beug­sa­men Deut­schen. „Er hat ge­kämpft bis zum Um­fal­len. In je­der Ak­ti­on spür­te man sei­nen Sie­ges­wil­len“, er­in­nert sich Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw.

Ges­tern zog der 35-Jäh­ri­ge ei­nen Schluss­strich un­ter sei­ne Lauf­bahn auf dem Ra­sen. „Lie­be Fans, nun ist die Zeit ge­kom­men: ich wer­de mei­ne ak­ti­ve Kar­rie­re zum En­de die­ser Sai­son be­en­den. Ich dan­ke Euch – Ihr habt mir die­se für mich so un­glaub­li­che Zeit er­mög­licht! Mein Ab­schied als ak­ti­ver Spie­ler stimmt mich ein biss­chen weh­mü­tig. Aber ich freue mich auch auf die span­nen­den Auf­ga­ben, die mich bald er­war­ten. Dem Fuß­ball wer­de ich treu blei­ben“, schrieb er in den so­zia­len Netz­wer­ken.

Sein De­büt in der Na­tio­nal­elf hat­te er un­mit­tel­bar vor der ver­korks­ten Eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2004 in Por­tu­gal ge­fei­ert. Ge­mein­sam mit sei­nem Münch­ner Weg­ge­fähr­ten Phil­ipp Lahm nahm die Kar­rie­re beim WM-Som­mer­mär­chen 2006 Fahrt auf. Lahm galt im­mer als Stre­ber und Mus­ter­schü­ler, Schwein­stei­ger sah das al­les läs­si­ger. Nach der Rück­kehr von ei­ner Län­der­spiel­rei­se mahn­te Lahm sei­nen Kum­pel am Münch­ner Flug­ha­fen, er sol­le sich beim Ver­eins­trai­ner des FC Bay­ern zu­rück­mel­den. „Mach du das für mich mit“, lau­te­te die Ant­wort.

Lahm trat nach dem WM-Ti­tel 2014 zu­rück, Schwein­stei­ger zwei Jah­re spä­ter, nach 121 Län­der­spie­len.

Sein letz­tes Spiel bei ei­nem kon­ti­nen­ta­len Tur­nier war das EM-Halb­fi­na­le am 7. Ju­li 2016 in Mar­seil­le, das die DFB-Aus­wahl mit 1:2 ge­gen Gast­ge­ber Frank­reich ver­lor.

Mit dem FC Bay­ern, für den er von 2002 bis 2015 spiel­te, sam­mel­te Schwein­stei­ger acht deut­sche Meis­ter­ti­tel und ge­wann 2013 im Wem­bley­sta­di­on durch ein 2:1 im Fi­na­le ge­gen Bo­rus­sia Dort­mund die Cham­pi­ons Le­ague. Es war qua­si die Re­van­che für das ver­lo­re­ne „Fi­na­le da­ho­am“, als die Münch­ner sich ein Jahr zu­vor in der Al­li­anz Are­na trotz Über­le­gen­heit dem FC Chel­sea hat­ten ge­schla­gen ge­ben müs­sen.

2015 wech­sel­te Schwein­stei­ger zu Man­ches­ter Uni­ted, seit 2017 spiel­te er für den US-Club Chi­ca­go Fi­re. Dort ließ Schwein­stei­ger, der auch ein be­gna­de­ter Ski­fah­rer ist, er sei­ne Kar­rie­re aus­klin­gen. Nun hat er mehr Zeit für sei­ne Ehe­frau, die frü­he­re Ten­nis-Spit­zen­spie­le­rin Ana Iva­no­vic, und sei­ne bei­den Kin­der.

Er hat ge­kämpft bis zum Um­fal­len. In je­der Ak­ti­on spür­te man sei­nen Sie­ges­wil­len. Joa­chim Löw über das WM-Fi­na­le 2014

Fo­to: Die­go Azu­bel/dpa

Die Krö­nung. Mit ei­nem Cut un­ter dem Au­ge fei­ert Bas­ti­an Schwein­stei­ger 2014 den WM-Ti­tel.

Fo­to: Pa­trik Stol­larz/afp

2013 klappt’s: Schwein­stei­ger mit dem Cham­pi­ons-Le­ague-Po­kal.

Fo­to To­bi­as Ha­se/dpa

Trä­nen nach dem ver­lo­re­nen Fi­na­le da­ho­am (rechts Phil­ipp Lahm).

Fo­to: Frank May/dpa

So ng al­les an: 2004 trug Schwei­ni erst­mals das Na­tio­nal­tri­kot.

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