„Ich ha­be ei­nen Hel­fer­in­stinkt“

Vol­ley­ball Der Sat­tel dorf er Phy­sio­the­ra­peut Achim Schü­ler be­treut seit fünf Jah­ren die deut­sche Vol­ley­ball Na­tio­nal­mann­schaft der Män­ner. Kürz­lich ist er von der Eu­ro­pa meis­ter­schaft zu­rück­ge­kehrt.

Haller Tagblatt - - SPORT - Von Ralf Man­gold

Bei der Vol­ley­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft ha­ben die deut­schen Män­ner nicht ganz die Er­war­tun­gen er­füllt und schie­den im Vier­tel­fi­na­le ge­gen Po­len aus. „Al­le Top­teams sind auf ei­nem ähn­lich ho­hen Ni­veau. Da ent­schei­den oft­mals nur Klei­nig­kei­ten“, er­klärt Achim Schü­ler, der seit 2014 das deut­sche Team als Phy­sio be­treut.

„Ich ha­be ei­nen Hel­fer­in­stinkt“, er­klärt Schü­ler schmun­zelnd, wie er nach der Schu­le zu die­sem Be­ruf ge­fun­den hat. 2013 hat er die schu­li­sche Aus­bil­dung zum Sport- und Phy­sio­the­ra­peut in Wal­den­burg ab­ge­schlos­sen. „Ich kom­me ja ei­gent­lich vom Fuß­ball, aber mir war es wich­tig, ir­gend­was im Spit­zen­sport zu ma­chen – egal wel­che Sport­art“, er­zählt der 27-Jäh­ri­ge, wie er schließ­lich zum VfB Fried­richs­ha­fen kam. Da­für zog er an den Bo­den­see und ar­bei­te­te dort in ei­ner Pra­xis, die mit dem Vol­ley­ball-Bun­des­li­gis­ten ko­ope­riert. Er be­treu­te vier Jah­re lang die Vol­ley­ball-Pro­fis bei Heim- und Aus­wärts­spie­len. In die­ser Zeit fei­er­ten die Fried­richs­ha­fe­ner ei­ni­ge gro­ße Er­fol­ge (ein­mal deut­scher Meis­ter, drei­mal Po­kal­sie­ger und Su­per­cup Sie­ger 2016). Dar­aus ent­stand auch der Kon­takt zur Na­tio­nal­mann­schaft. Seit 2014 ist er in ei­nem Drei­er­team von Phy­si­os, die sich ab­wech­selnd um die Aus­wahl bei Lehr­gän­gen und Tur­nie­ren küm­mern, und hat zwei zu­sätz­li­che Sport­phy­sio-Li­zen­zen er­wor­ben.

Zu­rück in der Hei­mat

Aus pri­va­ten Grün­den zog es Schü­ler aber En­de 2017 zu­rück in die Hei­mat, wo er nun auch wie­der in der drit­ten Mann­schaft des TSV Ils­hofen sei­nem Hob­by als Frei­zeit­ki­cker in der Kreis­li­ga B nach geht . Im „Zen­trum Mensch“in Sat­tel­dorf be­treut er die Bas­ket­ball-Pro­fis der Mer­lins in der Pra­xis. Auch sei­nen Ne­ben­job bei der Na­tio­nal­mann­schaft muss­te er nicht auf­ge­ben – das war ihm sehr wich­tig.

Wäh­rend gro­ßen Tur­nie­ren bleibt al­ler­dings nur we­nig Zeit, Land und Leu­te des Aus­rich­ters ken­nen­zu­ler­nen. Da ste­hen prak­tisch je­den zwei­ten Tag Spie­le auf dem Pro­gramm und au­ßer Sport­hal­le und Ho­tel sieht man nicht viel. An­ders ist es bei der all­jähr­lich im Som­mer aus­ge­tra­ge­nen Na­ti­ons-Le­ague, wo der Spiel­plan nicht so dicht ge­drängt ist und die Be­geg­nun­gen über knapp fünf Wo­chen ver­teilt sind. Schü­ler war in­zwi­schen un­ter an­de­rem in Ar­gen­ti­ni­en, USA und Ka­na­da.

„Wenn ich für die Na­tio­nal­mann­schaft im Ein­satz bin, muss ich in der Pra­xis Ur­laub neh­men.“Und das sind dann oft­mals gleich meh­re­re Wo­chen – wie zu­letzt bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft in Bel­gi­en. „Bei der Vor­be­rei­tung war ein Kol­le­ge. Ich bin dann erst zum letz­ten Test­spiel da­zu­ge­sto­ßen und war beim Tur­nier da­bei.“Schü­ler sieht sich als Bin­de­glied zwi­schen Ath­let und Trai­ner. Er un­ter­stützt die Vol­ley­bal­ler bei Prä­ven­ti­on oder Nach­be­hand­lung bei Ver­let­zun­gen. „Es ist ein tol­les Ge­fühl, wenn ich Ath­le­ten da­bei hel­fen kann, dass sie ih­re op­ti­ma­le Leis­tung ab­ru­fen kön­nen“, sieht sich Schü­ler als wich­ti­gen Teil des Teams.

Und au­ßer­dem ist er durch die Ge­sprä­che emo­tio­nal sehr nah dran an den Spie­lern, und es gibt ei­ne ho­he Ver­trau­ens­ba­sis. Zum Team ums Team ge­hö­ren ne­ben ihm noch der Mann­schafts­arzt und der Ath­le­tik­trai­ner. Die Ent­schei­dun­gen tri t Bun­des­trai­ner Andrea Gia­ni im­mer in en­ger Ab­spra­che mit den drei­en.

Nach den bei­den Auf­takt­nie­der­la­gen bei der EM war die Stim­mung na­tür­lich im Kel­ler. Mit ho­hen Er­war­tun­gen ist der Vi­ze­eu­ro­pa­meis­ter ins Tur­nier ge­gan­gen und woll­te an die Er­fol­ge der letz­ten Jah­re an­knüp­fen. „Wir wuss­ten, dass dies kein Selbst­läu­fer wird.“Ei­ni­ge Füh­rungs­spie­ler sind an­ge­schla­gen in das Tur­nier ge­gan­gen, „auch wenn wir sie wie­der fit be­kom­men ha­ben“. Und das wirk­te sich auf die Er­geb­nis­se aus, der Tur­naround wur­de noch ge­scha t. Erst im Vier­tel­fi­na­le war Schluss ge­gen die star­ken Po­len. „Un­ter den letz­ten acht sind nur noch gu­te Teams, da kannst du ge­gen je­en ge­win­nen, aber auch ver­lie­ren.“

We­nig Kon­takt zu an­de­ren

Der Ta­ges­ab­lauf im Rah­men ei­ner EM sieht für Schü­ler fast im­mer gleich aus, Kon­takt zu den an­de­ren Mann­schaf­ten gibt es nur recht we­nig. An spiel­frei­en Ta­gen be­han­delt er nach dem Früh­trai­ning zwei, drei Spie­ler und dann noch ein­mal nach dem Abend­trai­ning fünf oder sechs. „Wenn ich Pro­ble­me se­he, müs­sen die Spie­ler zur Be­hand­lung kom­men.“Wo­bei die Pro­fis ih­ren Kör­per so gut ken­nen, dass sie selbst wis­sen, wann sie ei­ne Be­hand­lung brau­chen.

Nach den Spie­len ist phy­si­ka­li­sche The­ra­pie bei­spiels­wei­se mit ei­nem Bad in der Eis­ton­ne zur schnel­le­ren Re­ge­ne­ra­ti­on an­ge­sagt. Ne­ben den Spie­len ist Schü­ler auch bei je­dem Trai­ning da­bei, um bei Ver­let­zun­gen oder Be­schwer­den akut ver­sor­gen zu kön­nen. „Wo­bei es bei den Trai­nings­ein­hei­ten im Rah­men ei­nes Tur­niers kei­ne ho­he In­ten­si­tät mehr gibt und je­ne mehr re­ge­ne­ra­ti­ven Cha­rak­ter ha­ben. Die Grund­la­gen müs­sen in der Vor­be­rei­tung ge­scha en wer­den.“

Schü­ler ist zu­ver­sicht­lich, dass es für die deut­schen Her­ren mit der Olym­pia-Qua­li­fi­ka­ti­on klap­pen wird. „Wir kön­nen al­le schla­gen.“Acht Mann­schaf­ten spie­len An­fang 2020 den letz­ten eu­ro­päi­schen Star­ter­platz in Ber­lin aus. Geg­ner des Welt­rang­lis­ten­zehn­ten ist un­ter an­de­rem der ak­tu­el­le Eu­ro­pa­meis­ter Ser­bi­en. Sport­li­ches High­light mit dem Team war bis­lang die Vi­ze-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft vor zwei Jah­ren, mit Olym­pia wür­de nicht nur für Achim Schü­ler ein Traum in Er­fül­lung ge­hen.

Wenn ich Pro­ble­me se­he, müs­sen die Spie­ler zur Be­hand­lung kom­men.

Fo­to: Con­ny Kurth

Phy­sio­the­ra­peut Achim Schü­ler möch­te sich ei­nen Traum er­fül­len und mit den deut­schen Vol­ley­bal­lern zu Olym­pia.

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