Un­ter­neh­men oh­ne Be­triebs­rat

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT REGIONAL | BÖRSE - Aus­zug aus ei­ner Pres­se­mit­tei­lung der Hans-Böck­ler-Stif­tung

War­um es Un­ter­neh­men oh­ne be­trieb­li­che Mit­be­stim­mung gibt und wie in die­sen Un­ter­neh­men Ma­nage­ment und Be­schäf­tig­te mit­ein­an­der um­ge­hen, ha­ben So­zio­lo­gen der TU Mün­chen be­reits 2009 er­forscht. Iden­ti­fi­ziert wur­den vier Ty­pen von Un­ter­neh­men. Der So­zio­lo­ge Ste­fan Lü­cking schreibt in ei­nem Bei­trag für die Mit­tei­lun­gen des Wirt­schafts- und So­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tuts (WSI) dar­über.

Typ 1: Der Man­gel an Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung ist be­son­ders miss­lich für die meist pre­kär Be­schäf­tig­ten von Dis­coun­tern, Wach­diens­ten, von Be­trie­ben der Ge­bäu­de­rei­ni­gung und im Gast­ge­wer­be. „Aus­ge­rech­net in dem Be­reich, in dem ei­ne ef­fek­ti­ve In­ter­es­sen­ver­tre­tung be­son­ders nö­tig wä­re, exis­tie­ren nur in Aus­nah­me­fäl­len Be­triebs­rä­te.“

Typ 2: Et­was bes­ser sind die Be­din­gun­gen nach Be­ob­ach­tung der For­scher in pa­tri­ar­cha­lisch ge­führ­ten Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men, wo die Gunst des Chefs wich­ti­ger ist als ei­ne ob­jek­ti­ve Leis­tungs­be­wer­tung. Die Be­schäf­tig­ten der un­ter­such­ten Un­ter­neh­men ak­zep­tier­ten die Struk­tu­ren, so­lan­ge sie glau­ben, da­von zu pro­fi­tie­ren.

Typ 3: Auch in der EDV-Bran­che sind Be­trie­be oh­ne Be­triebs­rat kei­ne Aus­nah­me. Oft lehnt das Ma­nage­ment be­trieb­li­che In­ter­es­sen­ver­tre­tun­gen ab, auch Ta­rif­ver­trä­ge bil­den nicht ein­mal ei­nen ent­fern­ten Be­zugs­punkt für die Ar­beits­ver­trä­ge.

Typ 4: Ein Son­der­fall sind sehr spe­zia­li­sier­te In­dus­trie­un­ter­neh­men, die ei­ne Ni­sche am Welt­markt ha­ben. Oft in länd­li­chen Ge­bie­ten an­ge­sie­delt, ha­ben sie kaum mehr als 100 Be­schäf­tig­te, über­wie­gend gut qua­li­fi­zier­te männ­li­che Fach­ar­bei­ter. Das Ge­schäfts­mo­dell be­steht dar­in, ho­he Qua­li­tät zu ent­spre­chen­den Prei­sen zu lie­fern, und das mög­lichst fle­xi­bel.

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