Bau­ern se­hen sich be­droht

Land­wir­te ma­chen ge­gen das Bie­nen-Volks­be­geh­ren mo­bil. Sie be­fürch­ten we­gen des be­ab­sich­tig­ten Pes­ti­zid­ver­bots das Aus von tau­sen­den Be­trie­ben.

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU -

Bau­ern im Süd­wes­ten se­hen sich we­gen der im Ar­ten­schutz-Volks­be­geh­ren ge­for­der­ten Pes­ti­zid­ver­bo­te in ih­rer Exis­tenz be­droht. Man ar­bei­te an ei­nem Kon­zept, um den Ein­satz von Pflan­zen­schutz­mit­teln zu ver­rin­gern und sei auch be­reit, mehr für den Ar­ten­schutz zu tun, sag­te der Prä­si­dent des Lan­des­bau­ern­ver­bands, Joa­chim Ruk­wied. Um Qua­li­tät und Ern­ten si­chern zu kön­nen, brau­che man aber auch künf­tig Pflan­zen­schutz.

Un­ter dem Mot­to „Ret­tet die Bie­nen“sam­meln Na­tur­schüt­zer seit zwei Wo­chen Un­ter­schrif­ten für das Volks­be­geh­ren. Der An­teil der Flä­chen, auf de­nen Pes­ti­zi­de ge­nutzt wer­den, soll dem­nach in Ba­den-Würt­tem­berg bis 2025 hal­biert wer­den. In Schutz­ge­bie­ten sol­len sie ver­bo­ten wer­den. Die öko­lo­gi­sche Land­wirt­schaft sol­le bis 2035 auf 50 Pro­zent aus­ge­baut wer­den.

Wenn in­ner­halb der nächs­ten Mo­na­te min­des­tens je­der zehn­te Wahl­be­rech­tig­te un­ter­schreibt – 770 000 Men­schen –, dann wird der Ge­setz­ent­wurf dem Land­tag zur Ab­stim­mung vor­ge­legt. Wenn die Ab­ge­ord­ne­ten ihn ab­leh­nen, gibt es ei­ne Volks­ab­stim­mung. Der Land­tag könn­te den For­de­run­gen der Na­tur­schüt­zer dann auch ei­nen ei­ge­nen Ent­wurf ent­ge­gen­stel­len.

Der Lan­des­bau­ern­ver­band hat die For­de­run­gen der Bie­nen­freun­de wie­der­holt kri­ti­siert. Das Pes­ti­zid­ver­bot be­trä­fe mehr als 440 000 Hekt­ar Schutz­ge­biet. „Wir sind be­reit, et­was zu tun“, sag­te Ki­li­an Schnei­der, der Prä­si­dent des Ba­di­schen Wein­bau­ver­bands. „Aber nicht mit der Pis­to­le an der Schlä­fe.“

Für Ar­ten­schutz müss­ten al­le ei­nen Bei­trag leis­ten, sag­te der Prä­si­dent des Ba­di­schen Land­wirt­schaft­li­chen Haupt­ver­ban­des, Wer­ner Räpp­le. „Das Volks­be­geh­ren ist falsch und schlecht ge­macht.“Es rich­te sich ein­sei­tig ge­gen die Land­wirt­schaft und wür­de bei der Um­set­zung das Aus von vie­len tau­send Be­trie­ben be­deu­ten.

Pflan­zen­schutz sei nur ei­ner der Fak­to­ren, die zum In­sek­tenster­ben bei­tra­gen, sag­te Räpp­le. Der wich­ti­ge­re sei der schwin­den­de Le­bens­raum, et­wa durch Ver­sie­ge­lung. Man set­ze et­wa auf For­schung zur Pes­ti­zid­re­duk­ti­on. Auf kon­kre­te Zie­le wol­le man sich aber nicht fest­le­gen – das sei un­se­ri­ös.

Das Volks­be­geh­ren ent­hal­te rich­ti­ge Zie­le, sag­te Ruk­wied, aber die fal­schen Maß­nah­men. Ar­ten­schutz sei nicht ge­gen die Land­wirt­schaft mach­bar. Als Fol­ge des Pes­ti­zid­ver­bots könn­ten Pro­duk­te im­por­tiert wer­den, die mit Pflan­zen­schutz­mit­teln her­ge­stellt wor­den sind, die in Deutsch­land seit lan­gem nicht mehr zu­ge­las­sen sind.

Die Ver­bän­de re­agie­ren mit ei­nem Volks­an­trag auf das Be­geh­ren. Da­mit woll­ten sie fach­li­chen In­put ge­ben und er­rei­chen, dass sich der Land­tag in­ten­siv mit den An­lie­gen der Land­wirt­schaft be­schäf­tigt. Sie müs­sen knapp 40 000 Un­ter­schrif­ten sam­meln, dann muss sich der Land­tag mit den For­de­run­gen be­schäf­ti­gen.

„Den vom In­nen­mi­nis­te­ri­um für an­ge­mes­sen und um­setz­bar ein­ge­schätz­ten Ge­setz­ent­wurf als Exis­tenz­be­dro­hung für die Land­wirt­schaft zu pro­kla­mie­ren, ent­behrt da­ge­gen der sach­li­chen Grund­la­ge“, kri­ti­sier­te Tim Kies­ler, ge­schäfts­füh­ren­der Lan­des­vor­stand des öko­lo­gi­schen Er­zeu­ger­ver­ban­des De­me­ter.

Ih­re Le­bens­grund­la­gen sind be­droht: ei­ne Bie­ne auf ei­ner Wa­be.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.