Die As­tu­rer ver­bin­den Main­hardt mit Bri­tan­ni­en

Im Rö­mer­mu­se­um gibt’s span­nen­de In­for­ma­tio­nen über die Zeit von Kai­ser Ha­dri­an zu hö­ren.

Haller Tagblatt - - GEMEINDEN - Tors­ten Pas­ler

Main­hardt. Bis zum Be­ginn des zwei­ten Jahr­hun­derts kann­te der rö­mi­sche Macht­an­spruch kei­nen Grenz-Be­gri”. Tat­säch­lich gab es aber da­mals schon Ein­schrän­kun­gen, die sich aus der Ren­ta­bi­li­tät er­ga­ben. Die Rö­mer kal­ku­lier­ten durch­aus, ob es sich wirt­schaft­lich lohn­te, ein Ge­biet zu er­obern. Bei­spiels­wei­se wur­de auf­grund des hart­nä­cki­gen Wi­der­stan­des der Ger­ma­nen um 15 n. Chr. das Ziel auf­ge­ge­ben, das heu­ti­ge Nord­deutsch­land dem Im­pe­ri­um ein­zu­ver­lei­ben.

Nach­dem Kai­ser Tra­jan dem Reich noch ein­mal gro­ße Ge­bie­te auf dem Bal­kan und im Na­hen Os­ten hin­zu­ge­fügt hat­te, kam es un­ter sei­nem Nach­fol­ger Ha­dri­an zu ei­nem grund­le­gen­den Wech­sel der Au­ßen­po­li­tik. Ha­dri­an be­en­de­te die Ex­pan­si­on und kon­zen­trier­te sich auf die Sta­bi­li­sie­rung. Mit ihm be­gann auch das so­ge­nann­te „gol­de­ne Zeit­al­ter“, in dem zahl­rei­che Pracht­bau­ten im gan­zen Im­pe­ri­um er­rich­tet wur­den.

Als Ta­lent er­kannt

Im Jahr 76 n. Chr. bei Se­vil­la im heu­ti­gen Spa­ni­en ge­bo­ren, durch­lief Ha­dri­an zu­nächst die üb­li­che Ämt­er­lauf­bahn, wo­zu im rö­mi­schen Reich auch der Mi­li­tär­dienst ge­hör­te. Auf­grund sei­ner Fä­hig­kei­ten wur­de er früh­zei­tig für das Kai­ser­amt aus­er­ko­ren und des­halb von Tra­jan ad­op­tiert. Bei Tra­jans Tod 117 n. Chr. war Ha­dri­an im heu­ti­gen Irak als Be­fehls­ha­ber ei­ner gro­ßen und sieg­rei­chen rö­mi­schen Ar­mee tä­tig. Nach sei­ner Er­nen­nung zum Kai­ser eil­te er je­doch nicht so­fort nach Rom, wie es von an­de­ren frisch ge­kür­ten Kai­sern be­kannt ist, son­dern sta­bi­li­sier­te noch zwei Jah­re lang die Gren­ze ge­gen die zweit­stärks­te Macht je­ner Zeit, das per­si­sche Reich. Nach­dem er 119 oder 120 n. Chr. in Rom die Re­gie­rungs­ge­schäf­te über­nom­men hat­te, be­gab er sich auf aus­ge­dehn­te Rei­sen an die Gren­zen der west­li­chen Pro­vin­zen. Er dürf­te von al­len Kai­sern der­je­ni­ge ge­we­sen sein, der das Reich am bes­ten durch per­sön­li­che Be­gut­ach­tung kann­te. Dass die­se häu­fi­ge Ab­we­sen­heit von der Haupt­stadt kei­ne Ge­fahr für sei­ne Macht dar­stell­te, spricht für die Sta­bi­li­tät des da­ma­li­gen po­li­ti­schen Sys­tems.

Ein Stück Li­mes bau­en las­sen

In un­se­rer Re­gi­on steht Ha­dri­an für die Er­rich­tung der Neckar-Oden­wald-Li­mes­li­nie, die er ver­mut­lich auch per­sön­lich be­sucht hat. Sei­ne Rei­sen wur­den so­gar mit Münz­prä­gun­gen an­ge­kün­digt, und über­all, wo er war, wur­den die Gren­zen ge­si­chert. Er küm­mer­te sich bis ins De­tail um die Ver­wal­tung der Pro­vin­zen und be­gut­ach­te­te die ver­schie­de­nen Mi­li­tär­ein­hei­ten.

Im Jahr 122 ging er nach Bri­tan­ni­en und be­gann dort sein größ­tes Bau­pro­jekt, den 117 Ki­lo­me­ter lan­gen Ha­dri­ans­wall im Nor­den En­g­lands. Wie beim Neck­ar­li­mes ori­en­tier­te sich der Ha­dri­ans­wall an ei­nem Fluß, dem Ty­ne. Die Grenz­trup­pen wa­ren in 16 grö­ße­ren Ka­s­tel­len, 80 Mile­cast­les und hun­der­ten von Wach­tür­men un­ter­ge­bracht. Im Ka­s­tell Ae­si­ca bei Gre­at Ches­ters (an­gel­säch­sisch für „Gro­ße Fe­s­tung“) war un­ter an­de­rem die Co­hors se­c­un­dae As­turum equi­ta­ta sta­tio­niert, al­so die zwei­te teil­be­rit­te­ne Ko­hor­te der As­tu­rer. Be­kannt­lich war in Main­hardt die ers­te teil­be­rit­te­ne Ko­hor­te der As­tu­rer. In der No­ti­tia Di­gni­tatum aus dem 4. Jahr­hun­dert wird sie als ers­te As­tu­r­er­ko­hor­te be­zeich­net, aber das war ver­mut­lich ein Schreib­feh­ler, der im Mit­tel­al­ter beim Ko­pie­ren ent­stand.

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